Regierungsstreit "Titanic" trollt mit Satire-Tweet zu geplatztem Unionsbündnis

  • Ein Redakteur des Satire-Magazins Titanic hat am Freitag unter einem Fake-Account die falsche Meldung verbreitet, CSU-Chef Seehofer kündige das Unionsbündnis auf.
  • Zahlreiche Medien und eine Nachrichtenagentur fielen darauf herein und verschickten Eilmeldungen, um sie kurz darauf wieder zurückzuziehen.
  • Die Falschmeldung schaffte es sogar in den Bundestag. Der Dax verlor ein halbes Prozent, der Euro gab leicht nach.

Der Streit zwischen den Regierungsparteien CDU und CSU ist eigentlich ein ernstes Thema. Trotzdem hat ihn ein bekanntes Satiremedium für einen großangelegten Scherz genutzt, auf den mehrere Medien und eine Nachrichtenagentur hereinfielen.

"Seehofer kündigt Unionsbündnis mit CDU auf": Diese Eilmeldung erreichte am Freitag Millionen Deutsche. Es handelt sich aber um eine Falschmeldung.

Sie geht auf einen Redakteur des Satiremagazins Titanic, Moritz Hürtgen, zurück. Dieser modelte seinen Twitteraccount so um, dass er wie ein Account des Hessischen Rundfunks (HR) aussah. Der vermeintliche HR twitterte unter Berufung auf eine interne Mail des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Innenminister Horst Seehofer wolle das Unionsbündnis aufkündigen. Um 15 Uhr gebe Angela Merkel eine Pressekonferenz.

Sowohl die Finanzmärkte als auch der Deutsche Bundestag reagierten auf den Fake: Der deutsche Aktienindex Dax verlor auf einen Schlag ein halbes Prozent. Auch der Euro gab leicht nach. Anschließend stiegen die Kurse direkt wieder. Die gefoppte Agentur ist einer der wichtigsten Informationsdienste für Börsenhändler. Während einer Parlamentsdebatte zum Thema Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten unterbrach die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch den Abgeordneten Helge Lindh (SPD): "Herr Kollege, die Bild-Zeitung meldet gerade, dass Herr Seehofer die Fraktionsgemeinschaft aufgekündigt hat. Hat das irgendwelche Einflüsse auf das, was sie eben gesagt haben?"

Es folgte lautes Gejohle. Lindh antwortete auf die Frage, man beschäftige sich hier "gerade nicht mit der Bild-Zeitung, sondern mit dem Familiennachzug". Dann setzte er seinen Vortrag fort.

Nach kurzer Zeit nahmen mehrere Medien, die auf die Falschmeldung hereingefallen waren, die Nachricht wieder zurück. Nach einer Dreiviertelstunde twitterte der Fake-Account "hr Tagesgeschehen" einen deutlichen Hinweis: "'hr Tagesgeschehen' empfiehlt allen politikinteressierten Bürgern eine TITANIC-Goldmitgliedschaft." Kurz darauf benannte er sich wieder um in "Moritz Hürtgen / hr Tagesgeschehen". Über den abgestürzten Dax äußerte er Bedauern.

Mehrere Unionspolitiker haben die Meldung inzwischen dementiert: Der Sprecher der Hessen-CDU, Michael Bußer, erklärte, es gebe keine "interne Bouffier-Mail" mit diesem Inhalt. Der Vizechef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans Michelbach, kommentierte den Tweet mit dem Satz: "Ich kann offiziell sagen, dass das Quatsch ist."

Am Donnerstag war der Streit um Asylpolitik zwischen CDU und CSU kurzzeitig eskaliert. Eine Bundestagssitzung war unterbrochen worden; die beiden Fraktionen tagten getrennt voneinander stundenlang. Streitthema ist der sogenannte "Masterplan Migration" von CSU-Chef Seehofer. Er will ab sofort Flüchtlinge an der deutschen Grenze abweisen, die bereits in einem anderen EU-Land Asyl beantragt haben. CDU-Chefin Merkel will hingegen eine europäische Lösung erarbeiten.

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