Rauchverbot im ZDF Mit Zigarette auf Sendung

Künstlerisches Stilmittel oder Bruch geltender Gesetze und Verordnungen? Weil in den ZDF-Talkshows "Stuckrad Late Night" und "Roche & Böhmermann" geraucht werden darf, hat sich jetzt eine Anti-Rauch-Initiative eingeschaltet und vor dem ZDF-Fernsehrat Beschwerde eingelegt.

Von Dietrich Mittler

Derzeit qualmt es gewaltig zwischen Bayerns Nichtraucherschutz-Aktivisten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Jüngst erst hat Sebastian Frankenberger, der Hauptorganisator des erfolgreichen Nichtraucherschutz-Volksbegehrens in Bayern, dem ZDF-Journalisten Wolfgang Herles eine Unterlassungserklärung abgerungen. Herles darf Frankenberger also nicht mehr - wie in der Phoenix-Sendung Unter den Linden geschehen - als "wildgewordenen Jungfaschisten" bezeichnen.

Wer nun in der ZDF-Zentrale meinte, damit seien Bayerns Anti-Rauch-Aktivisten befriedet, hat sich getäuscht. Es droht erneut Ärger: Die von Erlangen aus organisierte bundesweite Initiative Pro Rauchfrei verbeißt sich zunehmend in zwei TV-Talkshows des ZDF, in denen geraucht werden darf: in Stuckrad Late Night (ZDF Neo) und in Roche & Böhmermann (ZDF.kultur). Dem ZDF-Fernsehrat liegt eine Beschwerde vor - ein juristisches Gutachten, das dem Sender den Bruch geltender Gesetze und Verordnungen nachweisen soll, wird nachgereicht.

ZDF-Intendant Thomas Bellut kann sich die Aufregung nicht erklären. Im vor laufender Kamera produzierten Qualm sieht er ganz klar eine künstlerische Handlung. In der Sendung Stuckrad Late Night rauchen der Moderator, gegebenenfalls seine Gäste sowie das Studiopublikum. "Der Moderator nutzt das Rauchen als künstlerisches Stilmittel - zur Irritation seiner Gäste, Ironisierung und Überspitzung politischer Riten und Konventionen sowie zur Stilisierung der eigenen Künstlerperson", schreibt Bellut an Pro Rauchfrei.

Die Sendung Roche & Böhmermann wiederum lehne sich an Gesprächssendungen der frühen Fernsehjahre an. "In all diesen Sendungen war das Rauchen eine Alltäglichkeit und zählte zur Lebenswirklichkeit der damaligen deutschen Gesellschaft", argumentiert Bellut - und dieser Rückgriff auf Vergangenes zur Verfremdung des Aktuellen unterliege "dem verfassungsrechtlichen Schutz der Kunstfreiheit".

Pro Rauchfrei überzeugt das nicht. Ihr Kommentar: Man gebe dem ZDF und "seinem Intendanten die Möglichkeit, sich rasch wieder auf den Pfad der Tugend zu begeben."