Ralph Siegel beim ESC Mission Monetta

Ralph Siegel freut sich, dass Valentina Monetta mit "Maybe" ins Finale eingezogen ist.

(Foto: Joerg Carstensen/dpa)

Ein Jahr lang hat sich Kandidatin Valentina Monetta auf den Eurovision Song Contest vorbereitet, immer mit dabei war Komponisten-Saurier Ralph Siegel. Der ist noch ganz aus dem Häuschen, dass es sein Schützling aus San Marino tatsächlich ins Finale geschafft hat.

Von Nadia Pantel

Ralph Siegel ist immer noch ganz aufgeregt: "Wir haben vor Freude getanzt wie die kleinen Kinder! Ich bin fast zersprungen vor Glück!" Zwischendrin hustet er von Dänemark aus ins Telefon. Auf Antibiotika hat sich der Komponisten-Saurier am Flügel ins Finale des Eurovision Song Contest gespielt. Siegel ist wieder da. Wobei er ohnehin nie wirklich weg war. Der ESC hieß noch Grand Prix Eurovision de la Chanson, als Siegel begann, sich an ihm abzuarbeiten.

Mit einem Sieg (1982, Nicole, "Ein bisschen Frieden"), einem "persönlichen Waterloo" (2002, Corinna May, "I can't live without music", 21. Platz) und insgesamt 23 Liedern. Für Deutschland, Luxemburg, die Schweiz, Montenegro oder nun eben San Marino - wo man ihn halt lässt und braucht. "Wenn ich für den Grand-Prix ein Lied schreibe, hört das die ganze Welt. Das ist das Tolle." Und jetzt ist die San Marinesin Valentina Monetta mit dem Siegel-Song "Maybe" ins Finale gekommen. Ein Triumph? "Nein, nein. Ich freue mich natürlich. Aber es ist vor allen Dingen ein Triumph für das Mädchen. Die hat so hart gearbeitet."

"Dankeeeeeee!"

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Das Mädchen, Valentina Monetta, ist recht ausgewachsene 39 Jahre alt. Also genauso alt wie Siegels erste goldene Schallplatte ("Griechischer Wein"). Für das Team Siegel-Monetta ist es der dritte gemeinsame Versuch, Europas Lieblingsschlager zu singen. Mit dem mitklatsch-orientierten "The Social Network Song (Oh oh - uh - oh oh)" und der Ballade "Chrysalis" kamen sie 2012 und 2013 jeweils immerhin ins Halbfinale.

Statt deutschen Spotts, Stefan Raab komponierte 1998 als "Alf Igel" Guildo Horns ESC-Beitrag "Guildo hat euch lieb", gibt es für Siegel seither Enklaven-Liebe: "Der Präsident von San Marinos Rundfunkanstalt hat den Finaleinzug einen geschichtsträchtigen Moment genannt. Die freuen sich dort wahnsinnig." Nun hofft Siegel auf den Sieg. "Wir haben uns ein Jahr lang vorbereitet. Man trällert da ja nicht einfach schnell ein Liedchen." Monetta ist extra für ein paar Wochen Sprachkurs nach England gefahren, damit möglichst viele Leute verstehen, was sie sagen will, wenn sie Siegels Text singt: "Maybe there's a light from above/ Maybe there's a flight of a dove/ When it's time/ To open the heart of love". Dass nämlich vermutlich eine Taube vorbei fliegen wird, wenn es Zeit ist, das Herz für die Liebe zu öffnen.

Wie Wurst aus der Asche

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Und was, wenn die Menschen am Samstag ihr Herz für Monetta öffnen und sie wirklich gewinnt? Kehrt dann ein bisschen Frieden ein und Siegel geht Maybe in den Ruhestand? "So lange Gott will, mache ich weiter", sagt Siegel. "Gute zwanzig Jahre habe ich noch. "Wobei Siegel zugibt, dass der ESC ihn mittlerweile anstrengt. "Bei meinem ersten Auftritt vor 40 Jahren waren 800 Leute im Publikum. Heute ist allein die Bühne so groß wie ein Fußballstadion. Der Druck ist wahnsinnig gestiegen."