Pro Sieben Sat 1 und RTL TV-Zentrale im Netz

Gemeinsame Sache: RTL und Pro Sieben Sat 1 wollen eine Webplattform für TV-Inhalte schaffen - offen für alle Sender. Das soll auch die Wettbewerbshüter besänftigen. Die prüfen schließlich alle Kooperationen der beiden Gruppen mit Argusaugen.

Von Ralph Pfister

Nie mehr ärgern, wenn man seine Lieblingsserie oder einen tollen Spielfilm verpasst hat. Mediatheken zum zeitversetzten Abruf bietet inzwischen fast jeder TV-Sender in Deutschland. Nur jeder bei sich, unter irgendeiner Adresse, teils gut vor dem Nutzer versteckt.

Die beiden großen Senderfamilien, die Mediengruppe RTL und Pro Sieben Sat 1 Media, wollen nun eine gemeinsame Plattform für alle Sender schaffen - heute reichen sie den Antrag dazu in Brüssel bei der Europäischen Kommission ein.

"Es ist einfach wichtig, dass jemand in Deutschland so eine Plattform auf die Beine stellt", sagt ein Konzernsprecher von Pro Sieben Sat 1. "Es geht darum, das Marktsegment zu besetzen, bevor es ein internationaler Konkurrent wie Hulu tut." Die US-Plattform Hulu ist sehr erfolgreich damit, Senderinhalte online zu stellen. Auch hinter Hulu stehen Sender - NBC Universal, Disney und Rupert Murdochs News Corp. Eine Internationalisierung ist angekündigt, kommt bislang aber nicht recht in Gang.

Mit einer zentralen, gemeinsam betriebenen Plattform wollen RTL und Pro Sieben Sat 1 nun selbst die ersten Anbieter in Deutschland sein. Geplant ist eine Adresse für alle Senderinhalte, auch die, die nicht von den beiden Betreibern kommen: Nur ein Portal, auf dem Nutzer möglichst viele Sender finden, von ARD bis ZDF, von Eurosport bis MTV.

Senderzentrale

Diese Offenheit schafft nicht nur die gewünschte zentrale Anlaufstelle - sie ist auch wettbewerbsrechtlich dringend notwendig. Das Bundeskartellamt beobachtet sowieso alle gemeinsamen Schritte der großen Sendergruppen mit Argusaugen. Pro Sieben Sat 1 und RTL - genauer, ihre Digitalableger SevenOne Intermedia und RTL Interactive - wollen daher auch über eine neue Gemeinschaftsfirma nur als technischer Betreiber auftreten.

Auf der Online-Plattform soll jeder Sender in Deutschland und Österreich seine Inhalte nach der Ausstrahlung sieben Tage lang zeigen können. Diese sollen - wie bei den bereits vorhandenen Mediatheken auch - von Serienfolgen über Filme und Nachrichtensendungen bis zu Shows reichen. Kostenfrei für die Nutzer. "Es wäre sehr wünschenswert, dass auch ARD und ZDF dabei sind", heißt es von Pro Sieben Sat 1 und RTL Interactive. Ideal wäre es, alle Sender in Deutschland und Österreich auf der Plattform vertreten zu haben. RTL und Pro Sieben Sat 1 würden natürlich mit ihren Inhalten vertreten sein. Womit, das entscheiden dann allerdings die Sender, nicht das Joint Venture.

Jeder Partner-Sender soll schließlich über seinen Bereich selbst entscheiden. Nicht nur die Inhalte, auch deren Vermarktung verantworten weiter die Sender - jeder entscheidet also selbst, ob sein Kanal von Bannern, Werbespots oder Ähnlichem begleitet wird. Das Joint Venture soll den Betrieb über eine vom Erfolg der jeweiligen Senderkanäle abhängige Gebühr finanzieren.

Damit würde - falls Brüssel zustimmt - eine TV-Zentrale im Netz entstehen, eine Art YouTube für Sender. Von Pro Sieben Sat 1 Media heißt es dazu: "Die Erwartungshaltung bei den Mediennutzern ist heute, dass sie Inhalte überall verfügbar haben, egal, wo, wie und wann sie es wollen." Ein RTL-Interactive-Sprecher ergänzt: "Wir möchten die Zuschauer überall und jederzeit erreichen."