Pro Sieben "Die Alm" Aa ins Töpfchen

Pro Sieben schickt neun Menschen auf eine Alm - und macht alles falsch. Sollte wohl der Versuch sein, in Südtirol eine Art höheres Dschungelcamp zu installieren. Der "Alm" eine gewisse anale Fixierung zu unterstellen, wäre schamlos untertrieben.

TV-Kritik von Hans Hoff

Was müssen bei RTL am Samstagabend die Korken geknallt haben, als bei Pro Sieben das unendlich beworbene Produkt Die Alm an den Start ging. Lange schon dürfte dem Kölner Kommerzsender niemand mehr so wunderbar bescheinigt haben, dass er in Sachen TV-Unterhaltung Lichtjahre vor jeglicher Konkurrenz und vor der aus München sowieso rangiert.

Zigmal schon hat RTL mit seiner Dschungelshow bewiesen, dass man sehr gemein und sehr fein und vor allem sehr intelligent und sehr hintergründig belustigen kann. Gelernt haben die Kollegen von Pro Sieben daraus exakt nichts, weshalb schon der Auftakt der auf 14 Tage angelegten und von gerade mal knapp 1,7 Millionen Zuschauern verfolgten Schau gründlich daneben ging.

Der Alm eine gewisse anale Fixierung zu unterstellen, wäre schamlos untertrieben. Da wurde mit frischem Darmprodukt der Kuh gedroht, mussten die Kandidaten durch Dung waten, und das Maulhelden-Model Gina-Lisa holte sich vom Modeltrainer Rolfe die Genehmigung, Aa ins Töpfchen machen zu dürfen. Schon vorher hatte das durch Germany's Next Topmodel zu gewisser Bekanntheit geratene Mädchen in dieser Hinsicht seine Entschlossenheit bekundet. "Ich tu da die Kacke weg machen", hatte sie angekündigt. Um es kurz zu machen: Wollte sie dieses Versprechen einlösen, hätte sie bei Pro Sieben eine Menge zu tun.

Es wurde falsch gemacht, was man falsch machen konnte: Auf die Alm gezogen sind neun Gestalten, von denen sieben ihre sogenannte Prominenz nur dem Fernsehen verdanken. Keiner der Kandidaten bringt nur ansatzweise so etwas wie Fallhöhe mit. Die Autoren liefern den Moderatoren zudem vornehmlich Grützsprech. Und gelingt ihnen doch mal so etwas wie ein Wortwitz, wird dieser garantiert von Janine Kunze und Daniel Aminati versemmelt. Die beiden moderieren etwa mit der Ausstrahlung zweier Toastbrote und verfügen über das Timing der Deutschen Bahn an einem Freitagabend.

Die Alm soll wohl der Versuch sein, in Südtirol eine Art höheres Dschungelcamp zu installieren. 1776 Meter über dem Meeresspiegel sind sichtlich nicht hoch genug.