Presseschau zum Singapur-Gipfel "Es ist noch viel zu tun in und um Korea"

Harmonisch nach außen, insgeheim aber heikel: So bewerten internationale Medien das Treffen von Kim und Trump.

(Foto: AFP)

Internationale Medien kommentieren das Treffen von Donald Trump und Kim Jong-un verhalten - und sehen doch schon einen Gewinner.

Die Japan Times sieht das Treffen von Kim und Trump als Chance. Man müsse sich anschauen, woran alle vorherigen Versuche für eine Einigung zwischen den USA und Nordkorea gescheitert sind: an einem tiefen, inneren Misstrauen dem Anderen gegenüber. Das sei mit Trump anders. Zum ersten Mal konzentrierten sich die USA auf die Ursache des Konflikts und nicht nur auf die Symptome. Dass der US-Präsident sich auf ein Treffen eingelassen habe und dem nordkoreanischen Machthaber entgegenkomme, könne Kim das nötige Selbstvertrauen geben, das Land weiter zu öffnen und auf Atomwaffen zu Selbstschutz-Zwecken zu verzichten.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gibt sich nur verhalten optimistisch. Zwar sei die Atmosphäre bei dem Treffen zwischen Trump und Kim gut gewesen. Aber es werde Krisenmomente geben, wenn erstmal klar werde, wer was nicht will. "Es ist noch viel zu tun in und um Korea. Hoffnung auf Besserung ist erlaubt, übertriebene Freude wäre vorschnell. Nicht das geringste Problem bei der ganzen Sache ist, dass da in Singapur zwei miteinander verhandelt haben, auf deren öffentlich geäußertes Wort nur sehr bedingt Verlass ist."

Im Guardian heißt es, der Gipfel in Singapur mache klar, was schon beim G-7-Gipfel zu beobachten war und worauf sich der Rest der Welt künftig einstellen müsse: den Schaden begrenzen, den Trump anrichtet. "Die Welt sieht schockiert dabei zu, wie Trump auf außenpolitischem Terrain herumtappt."

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Für die NZZ hätte der Gipfel von Singapur nicht besser verlaufen können - vor allem für Kim Jong-un. Trump sei mit seinem vollmundigen Auftritt ein beträchtliches Risiko eingegangen. "Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea einmal mehr Wirtschaftshilfe ohne echte Gegenleistungen herausholt, könnte der Gipfel von Singapur zu einem Bumerang werden, der Trump mitten ins Gesicht flöge. Kim dagegen hätte bloß die Tradition seiner Vorväter fortgesetzt - und die Amerikaner einmal mehr erfolgreich über den Tisch gezogen", konstatiert das Blatt.

Ähnlich sieht es die New York Times, derzufolge Kim eindeutig besser verhandelt hat als Trump. Zwar sollte Amerika sich wünschen, dass Trump die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel mindern kann - und es sei gut, zu sehen, dass Trump das eher mit Diplomatie als mit militärischen Optionen zu erreichen versucht. "Aber zumindest in der ersten Runde scheint Trump blockiert worden zu sein."

Die Korea Times fragt, ob Trump im Nordkorea-Konflikt tatsächlich China einfach übergehen kann. Stets hatte es geheißen, eine Lösung könne nur gemeinsam mit der Regierung in Peking verhandelt werden. Was bedeutet es nun für die Beziehung zwischen den drei Staaten, dass Trump mit Kim Jong-un an einem Tisch saß - ohne Xi Jinping? Wird Nordkorea politisch nun enger an die USA heranrücken? Der Kommentator hält es für unwahrscheinlich, dass China seine Beziehung zu Nordkorea zugunsten der USA aufgeben oder schwächen wird. Sollten Trump und Kim auch weiterhin so gut miteinander auskommen, wie die Bilder aus Singapur vermuten lassen, so könnte dies zu einer noch intensiveren Rivalität zwischen Washington und Peking führen.

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Al Jazeera dagegen meint, dass Trump mit seinem Verhalten China einen Gefallen tut. Denn es bleibe die Frage, inwieweit Kim tatsächlich bereit ist, "alte Vorurteile" zu überwinden, wie er es selbst auf dem Gipfel gesagt hat. Denn eben diese alten Vorurteile beinhalteten auch immer das diktatorische Regime in Nordkorea, den Personenkult um den Führer, das Betonen von militärischer Kampfkraft und das Unterdrücken der eigenen Bevölkerung. Will Kim wirklich sein Wort halten, so müsste er all diese Dinge ändern und damit seine eigene Position als unantastbarer Herrscher schwächen. Das hält der Kommentator für unwahrscheinlich. Eher dürfte Nordkorea ein ähnliches Modell verfolgen wie China: eine offene Wirtschaft, regiert von einer diktatorischen Regierung. Sollte Nordkorea seine Märkte öffnen, dürfte davon vor allem China profitieren. Als direkter Nachbar kann es schnell in die Märkte investieren und die billigen Arbeitskräfte vor Ort für die eigene Wirtschaft nutzen. Ein wirtschaftlich noch stärkeres China dürfte aber kaum im Interesse der US-Regierung sein.