Aktuelle Nachrichten in der Süddeutschen Zeitung

Presseschau zu Van der Bellens Sieg "Hallodri und Harakiri liegen verdammt nah beieinander"

Alexander Van der Bellen gewann die Bundespräsidentenwahl in Österreich.

(Foto: dpa)
Wie die Zeitungen den Ausgang der Bundespräsidentenwahl in Österreich kommentieren.

<i>Der Standard</i> (Wien): Kontrapunkt zu Brexit und Trump

"Mit Van der Bellen ist auch die Verankerung Österreichs in der EU nicht infrage gestellt. Denn Norbert Hofer hat nicht nur Aussagen zu einem möglichen Austrittsreferendum getroffen, sondern ist auch für eine Annäherung Österreichs an die sogenannten Visegrád-Staaten eingetreten, deren Vertreter wie Ungarns Regierungschef Viktor Orbán für einen autoritären Politikstil und eine Einschränkung demokratischer Rechte, wie sie die polnische Regierung vornimmt, stehen." (...) "Es war eine Richtungsentscheidung, und sie ist deutlicher als erwartet ausgefallen: Österreichs Wählerinnen und Wähler wollten mehrheitlich keinen Rechtspopulisten als Bundespräsidenten. Damit hat Österreich am Ende eines Jahres, das bereits den Brexit und Donald Trump als US-Präsidenten gebracht hat, einen Kontrapunkt gesetzt. (...) Es wird nun an Van der Bellen liegen, Brücken über die Gräben, die während des Wahlkampfs aufgerissen wurden, zu errichten. Von seinem Naturell her wird er diese Aufgabe erfüllen. Schließlich hat er schon bei den Grünen als Vermittler zwischen verschiedenen Lagern und Anschauungen agiert."

<i>Die Presse</i> (Wien): Van der Bellens Schlafwagen statt Hofers Geisterbahn

"Norbert Hofer erwies sich als fairer Verlierer, er rief seine Fans auf, das Ergebnis zu akzeptieren und Ruhe zu bewahren. Man fragt sich einmal mehr, wie es sein konnte, dass der biedere Burgenländer - Typ: besserer Landespolitiker - zum europäischen Dämon hochstilisiert werden konnte. Wobei er schon einiges selbst dazu beigetragen hat. (...) Norbert Hofer hat aus sich und seiner Partei das Optimum herausgeholt. Letztlich war er im Vergleich zum Konkurrenten mit dem Habitus des Universitätsprofessors zu wenig seriös. Ein Befund, der auf die FPÖ in ihrer Gesamtheit zutrifft." (...) "Van der Bellen wird kein schlechter Bundespräsident werden, er wird in die Fußstapfen Heinz Fischers steigen, vermutlich weniger reisen und sich ausgiebiger mit hiesigen Denkerzirkeln beschäftigen als sein Vorgänger. Aber sonst wird das Amtsverständnis ähnlich sein: zuhören, mahnen, vermitteln und hinter den Kulissen gut zureden. Van der Bellens Schlafwagen statt Hofers Geisterbahn eben."

<i>Kurier</i>: Entzauberter Populismus

"Schließlich ist interessant, dass sich Österreich von dem Populismus-Trend vieler anderer Länder abgekoppelt hat. Der Brexit hat gezeigt, dass es einem Land schadet, wenn Politiker eine wunderbare Zukunft versprechen und kurz darauf eingestehen müssen, dass sie mit erlogenen Zahlen und Argumenten aufgetreten sind. Und die ersten Entscheidungen von Donald Trump zeigen, dass er sich um seine Wähler einen feuchten Kehricht schert und nur an seine superreichen Buddies denkt. Außerdem suchen die Menschen Stabilität, die bringt weder der Brexit noch Trump, Van der Bellen hat sie signalisiert. Der Populismus ist damit noch nicht vorbei, aber er wird entzaubert."

<i>Kronen Zeitung</i>: Einfach zu Trump

"Die Strategie der Angst vor jeder Veränderung ging auf. Norbert Hofer war als Gegenkandidat zu unösterreichisch, einfach zu Trump. Alexander Van der Bellen wird in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft jetzt aber Hunderttausenden Hofer-Wählern beweisen müssen, dass er ein Bundespräsident für alle Österreicher sein kann. Seine erste Aufgabe muss sein, diesem starken Lager eine ehrliche Aussöhnung anzubieten. Alles andere wäre katastrophal für unser Land. Wir Österreicher haben nach drei erbitterten Wahlschlachten eine Erholungsphase dringend nötig."

Widerlegte Dominotheorie

<i>Frankfurter Allgemeine Zeitung</i>: Widerlegte Dominotheorie

"... Van der Bellens Sieg scheint die neue Dominotheorie zu widerlegen, nach der ein westliches Land nach dem anderen in die Hände von Rechtspopulisten fällt. ... Aber ganz so einfach war das sowieso nie. ... In Großbritannien gab es noch nie große Mehrheiten für die EU-Mitgliedschaft .... In Amerika war Clinton eine sehr zwiespältige und von Skandalen belastete Kandidatin .... Und in Österreich ist die FPÖ keine neue politische Bewegung, sondern eine etablierte Partei, die schon an mehreren Regierungen beteiligt war. Die Niederlage ihres Kandidaten bedeutet sicher nicht, dass die FPÖ und ihre Themen in absehbarer Zeit ... verschwinden werden. ... Man sollte Van der Bellens Wahlsieg als Entscheidung gegen Hofer verstehen, aber nicht als Rückbesinnung einer ganzen Nation auf die Ideale des linksliberalen "juste milieu"."

<i>Berliner Zeitung</i>: Verlust der Mitte

"Österreich hat gewählt, aber das Land wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie zwischen Salzburg, Klagenfurt, Graz und Wien schlicht nicht mehr. Der sich als smarter Siegertyp inszenierende FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat es bei der Mission, seinem rechtspopulistischen Weltbild ein freundliches Antlitz zu verleihen, sehr weit gebracht. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat Österreich seine politische Mitte verloren. Die einstigen Volksparteien SPÖ und ÖVP waren zuletzt nur noch Randerscheinungen bei der Disziplin, einen tragfähigen gesellschaftlichen Konsens zu formulieren. Alexander van der Bellen kommt nun die schwierige Aufgabe zu, der politischen Kultur seines Landes wieder zu mehr Akzeptanz zu verhelfen."

<i>Der Tagesspiegel</i>: Parolen sind nicht das letzte Wort

"Alexander van der Bellen hat gezeigt, dass Parolen nicht das letzte Wort sein müssen. Der Grüne hat sich behauptet gegen die, die vereinfachen. Und gegen die, die sagen, dass die Menschen, unpolitisch, wie sie geworden seien, anders nicht zu erreichen wären. Doch, sind sie. Gerade die Vervielfältigung der Medien kann auch eine Chance sein; es wird ja nicht bloß das Gerücht transportiert, sondern auch das Argument."

Freie Presse (Chemnitz): Österreich bleibt ein verlässlicher Partner

"Der Sieg von Van der Bellen hat den Durchmarsch des Rechtspopulisten Hofer an die Staatsspitze verhindert. Das ist auch ein Sieg für Europa. Denn im Gegensatz zu seinem deutschen Pendant hat der österreichische Bundespräsident deutlich stärkere Machtbefugnisse. So kann er die Regierung eigenmächtig entlassen und hat dadurch größeren politischen Einfluss auf die Geschicke des Landes. Mit Van der Bellen bleibt Österreich ein verlässlicher Partner in der Europäischen Union."

"Erst mal aufatmen - mehr nicht"

<i>Stuttgarter Zeitung</i>: Erleichterung

"Die Erleichterung in Wien ist riesengroß. Zuletzt hatten sich auch sämtliche Diplomaten, die um die aussenpolitische Ausrichtung fürchteten, für Van der Bellen ins Zeug gelegt. Alle Parteien - außer natürlich die FPÖ - hatten sich hinter den ehemaligen Grünen-Chef gestellt. Und am Ende hatte Van der Bellen offenbar genützt, dass Hofer zuletzt so aggressiv und unstaatsmännisch agierte."

<i>Schwäbische Zeitung</i>: Gespaltenes Land

"... Aber der Wahlsieg Van der Bellens muss auch nachdenklich stimmen. Gewonnen hat der Kandidat wohl nicht, weil er eine Lichtgestalt ist, die mit klaren, programmatischen Reden der Republik Österreich sagt, wo er dieses Land in Zukunft sieht. Der ehemalige Grünen-Chef wurde, so steht zu befürchten, vor allem gewählt, um ein Zeichen gegen die reaktionäre Politik seines Gegners zu setzen. Van der Bellen wird Visionen entwickeln und auf den politischen Gegner zugehen müssen. Allein mit einer Abgrenzung gegen reaktionäre Politik wird er Österreich nicht einen können.Denn auch wenn das Abstimmungsergebnis eindeutig war, zeigt es auch, dass Österreich ein gespaltenes Land bleibt. Knapp die Hälfte der Wähler hat für den eleganten Demagogen Hofer gestimmt."

<i>Heilbronner Stimme</i>: Fakten statt Hetze

"Prinzipientreue, Rechtsstaatlichkeit und gemeinsame Werte - Van der Bellen blieb sich treu. Und er grenzte sich damit von seinen Kontrahenten ab, die ihn als Lügner beschimpften, denen keine Diffamierung zu plump war. Alexander Van der Bellen ist als Ikone der Grünen in Österreich ein Seelenverwandter von Winfried Kretschmann. Keiner, der sich in eine Schublade schieben lässt. Dafür einer, der seiner Meinung treu bleibt. Auch in Zeiten, in denen viele Menschen in der globalisierten Welt verunsichert sind. Felix Austria - glückliches Österreich. Die Wahl in Österreich ist ein guter Tag für Europa und für alle Demokraten. Ein Resultat, das all jenen Hoffnung gibt, die auf Fakten und nicht auf Hetze setzen."

<i>Rhein-Neckar-Zeitung</i>: Rechtspopulismus hat sich noch lange nicht erledigt

"Ganz Europa jubelt? Schön wär's. Der Überschwang, mit dem SPD-Chef Sigmar Gabriel den Ausgang der Bundespräsidentenwahl in Österreich begrüßt, gibt ja gerade nicht die gesamteuropäische Stimmung wider. Und so schön und wichtig der Sieg des blassen Alexander Van der Bellen über den Aufsteiger Norbert Hofer auch ist: Das Thema Rechtspopulismus hat sich damit noch lange nicht erledigt. Dennoch: Ein Sieg Hofers hätte den Europa-Feinden enormen Auftrieb gegeben. Der bleibt nun aus."

<i>Volksstimme (Magdeburg):</i> Die Zeit der großen Volksparteien ist vorbei

"Ein einjähriger Wahlkampf hat am Sonntag in Österreich sein Ende gefunden. Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen hat den FPÖ-Mann Norbert Hofer geschlagen. Damit ist die Befürchtung, dass die Alpenrepublik das erste EU-Land mit einem rechtspopulistischen Staatsoberhaupt wird, zwar nicht eingetreten. Ein politischer Ruck nach rechts ist in Europa aber dennoch unverkennbar. Die Abstimmung in Österreich führt erneut vor Augen, dass die Zeit der großen Volksparteien vorbei ist: SPÖ und ÖVP schafften es nicht einmal in die Stichwahl. In Deutschland ist der Stern der Sozialdemokraten gesunken, in Frankreich sind die Sozialisten in einer schweren Krise. Wenn dort nicht ein großer gesellschaftlicher Wandel einsetzt, wird der Front National im Frühjahr das höchste Staatsamt erringen. Bisher ist es den bewährten politischen Kräften in Europa nicht gelungen, die Rechtspopulisten zu entzaubern. Für überzeugte Europäer dürfte das die wichtigste Aufgabe dieses Jahrzehnts werden."

<i>Kölner Stadt-Anzeiger</i>: Ein Land verliert seine politische Mitte

"Der Siegeszug rechtspopulistischer Kandidaten und Parteien folgt keinem unabänderlichen Automatismus. An den Erfolg Alexander van der Bellens knüpft sich nun auch die Hoffnung, dass die europäischen Demokratien sich nicht zwangsläufig einer von aggressiven Stimmungen getriebenen Verachtung von Politik und deren Institutionen ergeben müssen. Österreich aber Land wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie schlicht nicht mehr. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat das Land seine politische Mitte verloren. Auf Van der Bellen kommt nun die schwierige Aufgabe zu, der politischen Kultur seines Landes wieder zu mehr Akzeptanz zu verhelfen."

<i>Nürnberger Nachrichten</i>: Erst mal aufatmen - mehr nicht

"Das Land bleibt nach den Narben des Wahlkampfs gespalten. Und es gibt, wie in Deutschland, zwei absolut konträre Sichten auf jeweils ein und dieselbe Republik: In Österreich beschwört die FPÖ wegen der Flüchtlingskrise den drohenden Bürgerkrieg herauf - während die Etablierten auf die ja gerade von Wien herbeigeführte Wende hin zu einer restriktiveren Zuwanderung verweisen. Und darauf, dass dieses schöne Land wirtschaftlich stabiler dasteht als die meisten anderen EU-Staaten. Das Wiener Ergebnis lässt die Verteidiger der freien, offenen Gesellschaften und eines vereinten Europa erst mal aufatmen - mehr nicht. Mag sein, dass das Trump-Fanal nicht nur dessen politische Freunde geweckt hat, sondern auch die oft zu passiven Liberalen in Europa. Dann wäre Trumps Sieg für sie ein heilsamer Schock gewesen. Aber ausruhen dürfen sich überzeugte Demokraten nie - den Fehler haben sie zu lange gemacht, in zu vielen Staaten."

"Kein Anlass zur Entwarnung"

<i>Landeszeitung</i> (Lüneburg): Auch ein Sieg der EU

"Die Niederlage des Rechtspopulisten Hofer ist auch ein Sieg der EU. Denn die überraschend klare Wahl des Europa-Freundes Alexander Van der Bellen zeigt, dass Populismus doch nicht unaufhaltsam ist. Vielleicht war die Wahl Trumps jenseits des Atlantiks ein heilsamer Schock auch in Österreich. Ganz sicher aber konnte Van der Bellen mit seinem klaren Pro-Europa-Kurs punkten. Für 65 Prozent seiner Wähler war diese Einstellung das entscheidende Motiv für ihre Entscheidung. Oder, wie es Luxemburgs Außenminister Asselborn ausdrückt: Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit sind eben doch keine Fremdwörter bei Wahlen in der EU. Auf Van der Bellen wartet die schwere Aufgabe, die Risse im Land zu kitten. Er muss reaktionäre Kräfte im Land zähmen und Zögerer überzeugen. Er muss einen Weg der Vernunft, einen Weg zur Rückkehr zu politischer Normalität finden."

<i>Weser-Kurier</i>: Gradmesser

"Auf den Plakaten, die Alexander Van der Bellen als Bundespräsidenten bewarben stand "Wählen nicht Wundern". Norbert Hofer hatte im Wahlkampf angekündigt, man werde sich "schon noch wundern, was alles möglich ist", wenn er Präsident werde. Offenbar wollten die Österreicher dieses Experiment nicht eingehen, sondern den eingeschlagenen Weg weitergehen. Die Erleichterung in Wien ist riesengroß. Zuletzt hatten sich auch sämtliche Diplomaten, die um die außenpolitische Ausrichtung fürchteten, für Van der Bellen ins Zeug gelegt. Alle Parteien - außer natürlich die FPÖ - hatten sich hinter den ehemaligen Grünen-Chef gestellt. Und am Ende hatte Van der Bellen offenbar genützt, dass Hofer zuletzt so aggressiv und unstaatsmännisch agierte. Die Erleichterung, dass der Rechte nicht in die Hofburg zieht ist auch innerhalb der EU groß. Obwohl Österreich mit seinen achteinhalb Millionen Einwohnern nicht bedeutend ist, so ist doch die Stimmung in dem Staat, der politisch und kulturell zwischen West- und Osteuropas angesiedelt ist, ein Gradmesser für andere Gesellschaften. Die Wahl Van der Bellens nach dem Brexit und der Wahl von DonaldTrump zeigt, dass es möglich ist, den Trend, dass Rechte und Populisten gewinnen, aufzuhalten. Das könnte auch auf die Wahlen in Frankreich, Italien und Deutschland, die auf uns zukommen, ausstrahlen."

<i>Hessische Niedersächsische Allgemeine</i>: Flirt mit dem Öxit

Norbert Hofer, der selbsternannte Kandidat des Aufbruchs, scheint viele Unentschlossene mit seiner Maximalauslegung präsidentieller Machtinstrumente eher verschreckt zu haben. "Sie werden sich noch wundern" - diese sibyllinische Äußerung hat Hofer, wenngleich später zurückgenommen, wohl doch geschadet. Denn auch die von der Dauerlähmung der großen Koalition Genervten wollten sich nicht wundern. Kalkulierbare Risiken eingehen, das ja. Aber nicht zuletzt beim Flirt mit dem Öxit hat sich Hofers FPÖ für eine wenn auch knappe Mehrheit der Wahlberechtigten als unkalkulierbares Risiko geoutet.

<i>Neue Osnabrücker Zeitung</i>: Kein Anlass zur Entwarnung

Das ist gerade noch einmal gut gegangen: Nicht der Rechtspopulist Norbert Hofer, sondern der besonnene ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat die Präsidentenwahl in Österreich gewonnen. Erleichterung macht sich breit, zur Entwarnung besteht aber kein Anlass. Der EU bleibt nun zwar vorerst eine weitere Zerreißprobe erspart, denn Van der Bellen ist anders als Hofer ein überzeugter Europäer. Liberal und gemäßigt, ist er auf Ausgleich bedacht - und nicht auf Konfrontation. Die europäischen Probleme bleiben gleichwohl bestehen. Denn auch, wenn Hofer es nicht bis in die Wiener Hofburg geschafft hat, ist sein Abschneiden ein Signal. Die "Freiheitlichen" haben damit gezeigt: Mit ihnen ist zu rechnen, selbst wenn es um höchste Ämter geht.

"Ist nun alles gut? Mitnichten"

<i>Mannheimer Morgen</i>: Der Trend Richtung Populismus ist aufzuhalten

"Die Erleichterung, dass der Rechte Norbert Hofer nicht in die Hofburg einzieht, ist auch innerhalb der EU groß. Denn obwohl Österreich mit seinen nur achteinhalb Millionen Einwohnern nicht bedeutend ist, so ist doch die Stimmung in dem Staat, der politisch und kulturell zwischen West- und Osteuropa angesiedelt ist, durchaus ein Gradmesser. Die Wahl Van der Bellens nach dem Brexit und der Wahl von Donald Trump zeigt, dass es möglich ist, den Trend Richtung Populismus aufzuhalten. Das könnte auch auf die Wahlen im kommenden Jahr in anderen EU-Ländern ausstrahlen."

<i>Saarbrücker Zeitung:</i> Die Rechten sind schlagbar

"Die Österreicher haben Europa überrascht. Nach dem Brexit und dem Erfolg Donald Trumps schien ein erneuter Triumph der sogenannten Rechtspopulisten greifbar nahe. Das Horrorszenario eines sich in Nationalismen auflösenden Europa stand schon am Horizont. (. . .) Das Ergebnis zeigt auch: Die Rechten, die immer wieder beanspruchen, für das einfache Volk zu sprechen, sind schlagbar - und zwar durch das Volk."

<i>Allgemeine Zeitung</i> (Mainz): Kein Aufatmen

"Erneut endet eine Wahl mit einer Überraschung, wennauch unter umgekehrten Vorzeichen: Nicht der Rechtspopulist, sondernder gemäßigte Kandidat wird Präsident in Österreich, und das auch noch mit klarem Vorsprung. Das ist mal was Neues im Brexit-Trump-Jahr 2016. Vorab wurde die Wahl als richtungsweisend für Europa erachtet,doch dafür taugt der Sieg Alexander van der Bellens nur sehr begrenzt. Er ist allenfalls ein kleiner Hoffnungsschimmer in einer Zeit, in der Anti-EU-Polemik, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit die politische Diskussion bestimmen und verpesten. Für einweitreichendes Signal allerdings ist die Präsidentenwahl in Österreich - bei allem Respekt für die Nachbarn - zu unbedeutend für das Gesamtgefüge der EU. Wenn Wilders in den Niederlanden und Le Pen in Frankreich verlieren, dann kann Europa wirklich aufatmen. Zudem sind auch in Österreich selbst die Rechtspopulisten von der FPÖ nun keinesfalls gestoppt. Die Große Koalition aus SPÖ und ÖVP siecht seit Jahren dahin, die Bezeichnung "Zweckbündnis" ist eine beschönigende Beschreibung für diesen Zustand. Beide Volksparteien haben ihren Rückhalt im Volk verloren, bei der nächsten Wahl hat die FPÖ beste Chancen, stärkste Partei zu werden. Nur in einer Hinsicht gibt der Wiener Wahlsonntag Anlass zur Hoffnung: Der von den Populisten erwartete Trump-Effekt könnte sich in Europa ins Gegenteil verkehrenund zur Mobilisierung gerade derjenigen führen, die mit der Demokratie zufrieden sind. Es kann nämlich auch ein heilsamer Schock sein, wenn Wählern sehr plastisch vor Augen geführt wird, wer oder was bei einer Protestwahl tatsächlich droht."

<i>Märkische Oderzeitung</i> (Frankfurt/Oder): Ist nun alles gut? Mitnichten

"Ist nun alles gut? Mitnichten. Zeigt das knappe Ergebnis doch, dass die österreichische Gesellschaft in zwei Hälften gespalten ist. So wie in den USA, wie in Großbritannien, wie in Polen. Die Politik muss endlich wieder beweisen, dass sie die Probleme der Menschen ernst nimmt. Das Ausklügeln eines Bundespräsidenten im Hinterzimmer - wie hier in Deutschland - ist genau das Gegenteil."

<i>Der neue Tag</i> (Weiden): Ein Vorzeige-Ösi

"Der neue Präsident ist dem Grünen-Superstar Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nicht unähnlich. Keine abgehobenen Typen, sondern Pragmatiker ohne Profilneurosen. Van der Bellen hat dabei sein Biedermann-Image zuletzt mit einigen Tricks abgelegt. Auf einmal war er im Trachtenjanker unterwegs, ein Vorzeige-Ösi."

<i>Westfalen-Blatt</i> (Bielefeld): Hallodri und Harakiri liegen verdammt nah beieinander

"Und es gibt sie doch: die politische Vernunft. Selbst in einem gespaltenen Land wie Österreich wird dem Populisten Norbert Hofer am Ende der Kandidat der Grünen, Alexander Van derBellen, vorgezogen. Es war der dritte Anlauf zur Wahl eines Bundespräsidenten. Er war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich und erstmals ein Urnengang mit Bedenkzeit. Österreichs Bürger haben am Ende des Jahres der Sicherheit den Vorzug gegeben. Die großen Volksparteien SPÖ und ÖVP waren außen vor, das gab es in Österreichnach der ersten Runde noch nie. Der zweite Wahlgang am 22. Mai mit dem hauchdünnen Vorsprung für Van der Bellen durfte nicht gewertet werden. Das System hatte technisch versagt. Das roch nach einer Empfehlung für Hofer. Schließlich will seine FPÖ mit "denen da oben" aufräumen und den Schlendrian der Behörden abschaffen. Gottlob lagen die Experten mit dieser Vorhersage genauso falsch wie mit ihrer Prognose des Endergebnisses. Das historisch wirklich einmalige an dieser Wahl aber war, dass der dritte Anlauf den Wählern eine zweite Chance gab, ihr Votum zu überdenken. Und das ist die gute Nachricht.Bei aller Wut im Bauch auf Europa und Angela Merkels Flüchtlingspolitik verschob sich zu guter letzt das Gewicht auf die Seite derer, die sahen, was auf dem Spiel stand. Es muss an DonaldTrump gelegen haben. Nach dessen in Westeuropa als unmöglicherachteten Sieg hat es genug Österreichern gedämmert: Hallodri und Harakiri liegen verdammt nah beieinander. Ihr Land braucht keinen Abklatsch des künftigen US-Präsidenten, der in der Riege der Unberechenbaren irgendwo zwischen Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan irrlichtert."

<i>Rheinpfalz</i> (Ludwigshafen): Die nächste Kraftprobe steht schon an

"Der Wahlausgang zeigt, dass das Land gespalten ist. Zu tief sind die Wunden, die ein überaus hässlicher Wahlkampf gerissen hat. Er hat, ähnlich wie in den USA, die Grenzen des Anstands gesprengt. Und die nächste Kraftprobe steht schon an: Die Parlamentswahl könnte früher kommen als zum regulären Termin 2018. Die Koalition aus Sozialdemokraten (SPÖ) und Konservativen (ÖVP) tut sich zunehmend schwer."

"Die Vorhersagen Lügen gestraft"

La Repubblica aus Italien

"Van der Bellen Präsident in Österreich. Der Populist Hofer abgestraft"

Corriere della Sera aus Italien

"Der grüne und fortschrittliche Kandidat Alexander Van der Bellen ist also der Sieger der Präsidentenwahl in Österreich."

La Stampa aus Italien

"Österreich: Der Grüne Van der Bellen gewinnt die Stichwahl. Er ist der neue Präsident."

Il Giornale aus Italien

"In Österreich gewinnt Van der Bellen, europafreundlicher Einwanderungsbefürworter."

Die liberale slowakische Tageszeitung Sme

"Die Gefahr des ersten rechtsextremen Präsidenten an der Spitze eines Staates der Europäischen Union haben die Österreicher ausgebügelt, der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer wird nicht Präsident."

Die liberale slowakische Tageszeitung Dennik N

"Er verteidigt die EU, Homosexuelle und Immigranten. Präsident Österreichs wird das Gegenteil eines europäischen Populisten."

Le Monde, Paris

"Ein Teil der Wählerschaft ist vielleicht aufgeschreckt, um den internationalen Ruf Österreichs zu schützen."

Le Figaro, Paris

"Auch wenn sein Amt symbolisch ist, der neue Präsident wird die Aufgabe haben, die Risse, die sich innerhalb der traditionellen politischen Parteien aufgetan haben, wieder zu schließen."

Les Echos

"Die österreichischen Wähler haben die Vorhersagen Lügen gestraft, die prophezeiten, dass sich nach der radikalen Wahl der Briten für einen Brexit und der Wahl von Donald Trump in den USA die populistische Welle in Europa fortsetzen würde."