Presseschau zu Trumps Kabinettssitzung "Wie eine Szene aus der dritten Welt"

Nach der Kabinettssitzung von Donald Trump kritisieren die US-Presse und Politiker die Bauchpinselei der Minister für den Präsidenten.

Wenn der Präsident zu einer öffentlichen Kabinettssitzung einlädt, erwartet niemand, einer substanziellen Diskussion beizuwohnen. Von echtem Belang wird kaum etwas sein, was die Presse da zu hören bekommt. Es ist wenig mehr als ein Fototermin. Normalerweise. Aber die Sitzung, die Donald Trump am Montag im Weißen Haus einberufen hat, ging weit über reine PR hinaus: Ein Minister nach dem anderen überschüttete den Chef mit Lob und dankte Trump für die Gelegenheit, in seiner Regierung arbeiten zu dürfen. US-amerikanische Medien und Vertreter des demokratischen Lagers reagierten mit Kritik auf die Veranstaltung - und mit sehr viel Spott.

Chris Cillizza, Reporter und Kommentator für den Nachrichtensender CNN schreibt: "Die ganze Sache hat mich an Szenen aus The Apprentice erinnert (Donald Trumps Reality-Casting-Show, in der er Nachwuchs für seine Unternehmen sucht; Anm. d. Red.). Ein paar Bewerber klammern sich verzweifelt an ihren Platz in der Show - und jeder versucht, den vorherigen Kandidaten zu überbieten. Trump sitzt mittendrin, absolut selbstzufrieden."

Trump lässt sich von seinen Ministern feiern

Bei der ersten Sitzung seines kompletten Kabinetts im Weißen Haus bricht ein skurriler Wettstreit aus: Die Minister überbieten sich gegenseitig an Unterwürfigkeit und Lobhudelei für den US-Präsidenten. mehr ...

In der New York Times beschreibt Elizabeth Williamson die Szene so: "Wahrscheinlich würde Trump einen oder zwei seiner Minister aufrufen, bevor sie sich an die Arbeit machen? Nein - jeder Einzelne im Team durfte den Präsidenten loben, in einer öffentlichen Zurschaustellung von Zuneigung, die mehr nach Pjöngjang als zu Washington passt, während der geliebte Anführer die Liebe in sich aufsaugte."

Glenn Thrush, der Korrespondent der New York Times im Weißen Haus twitterte:

John Harwood, politischer Reporter des Fernsehsenders CNBC schrieb diesen Tweet:

In der Politik-Show The Situation Room with Wolf Blitzer auf CNN verglichen Kommentatoren das Treffen mit der verordneten Lobhudelei in der Sowjetunion: "Das erinnert mich daran, warum meine Eltern mich aus der früheren Sowjetunion in dieses Land gebracht haben", sagte Bianna Golodryga, Nachrichtenredakteurin bei Yahoo: "Dort waren Politiker gezwungen, so etwas zu tun. Der Unterschied ist, dass sie hier nicht dazu gezwungen werden. Deshalb konnte man sehen, wie unwohl sich die Minister damit fühlten, dieses Lob zu verteilen. So etwas macht man nicht einmal mit einem Fünfjährigen, und erst recht nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten."

In derselben Sendung kommentierte Philip Mudd, vormals hochrangiger CIA- und FBI-Analyst: "Ehemalige Generäle haben sich in diesem Treffen (vor Trump) zu Boden geworfen. Was diese Szene aussagt, ist: Der Präsident hält kein ernsthaftes Gespräch aus. Es hat gewirkt wie ein Sowjet-Treffen."

Der demokratische Senator Chuck Schumer, der Minority Leader im Senat, postete dieses Parodie-Video mit seinen eigenen Mitarbeitern: