Presseschau zu Italiens WM-Aus "Apokalypse, Tragödie, Katastrophe"

"Fine": Die Gazetta dello Sport beweint das italienische WM-Aus.

(Foto: Gazetta dello Sport)

Eine WM ohne Italien - für die Menschen des Landes bricht eine Welt zusammen. Für die Medien auch. Ein Blick in die italienische Presse.

"Es ist vorbei. Apokalypse, Tragödie, Katastrophe. Unser Fußball ist in einer tiefen Krise", stellt der Corriere dello Sport verbittert fest. Seit Montagabend, seit dem 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Schweden, ist klar: Italien wird zum ersten Mal seit 1958 eine Fußball-Weltmeisterschaft verpassen. Das sei eine unverzeihliche Fußball-Schande, heißt es weiter. Man liest den Schock aus jeder Zeile des Kommentars heraus, der zum Schluss nur ausruft: "Alle nach Hause!"

Auch andere Medien trauern, einige mühen sich jedoch, den Blick nach vorne zu richten. Dabei werden auch personelle Konsequenzen gefordert.

"Das Desaster der Azzurri ist Wirklichkeit"

Ähnliches fordert die Gazzetta dello Sport: "Italien, ab nach Hause. Wir fangen nochmal von vorn an." Man solle die großspurigen Worte vergessen, die "Apokalypse", die es nicht gewesen sei, die "biblische Grandezza", von der alle sprechen, sondern die Krise pragmatisch angehen. Verantwortlich seien schließlich alle zusammen: Trainer, Spieler, sogar die Politik. "Der Schicksalsschlag bleibt. Fürchterlich, unverdaulich, unvergesslich. Wir müssen alles tun, dass er zumindest zu irgendetwas gut war."

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"Jetzt braucht Italien dringend einen Neustart", fordert La Stampa. "Alle nach Hause. Das Desaster der Azzurri ist Wirklichkeit und bezeugt die Pleite der Ära von Verbandschef Tavecchio. (...) Die erste Unternehmung muss sein: Gian Piero Ventura verabschieden, ihm für sein Engagement danken, aber schnellstmöglich vergessen, wie er [die Mannschaft] geführt hat."

Der Kommentator im Corriere della Sera ist sprachlos. "Zum ersten Mal fehlen mir die Worte". Trotzdem lassen sich sogleich die Schuldigen für "die historische Blamage" ausmachen: Man finde seit 20 Jahren einfach keine Weltklasse-Spieler mehr, heißt es dort. Seit der Zeit, als Pirlo, Totti und Del Piero bereits 20 Jahre alt waren.

Von der "Endstation", an der Italien angelangt sei, schreibt Tuttosport. "Der 13. November 2017 wird in der italienischen Fußballgeschichte als Datum des Debakels in Erinnerung bleiben. Italien muss jetzt das Blatt wenden."

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