Präsentation des Insolvenzverwalters Höherer Verkaufspreis soll "Abendzeitung" retten

Das Verlagshaus der Abendzeitung in München.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Besser als Boulevard? Insolvenzverwalter Axel Bierbach will die "Abendzeitung" mit niedrigeren Druckkosten und einem deutlich höheren Verkaufspreis retten. Doch das ändert nichts daran, dass wohl weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

Von Claudia Fromme und Claudia Tieschky

Sechs Wochen nach dem Insolvenzantrag der Abendzeitung kündigt Insolvenzverwalter Axel Bierbach, 44, in der Süddeutschen Zeitung an, den Verkaufspreis des Blattes am Kiosk drastisch zu erhöhen. Von 28. April an solle die Abendzeitung wochentags statt für bislang 60 Cent für einen Euro und am Wochenende für 1,20 Euro statt für bislang 80 Cent verkauft werden, sagte Bierbach der SZ im Interview. Durch die Mehrerlöse sowie eine ausgehandelte Senkung der Druckkosten könne es gelingen, die Verluste der Zeitung von etwa zehn Millionen Euro pro Jahr auf drei bis vier Millionen zu reduzieren.

Begleitet wird die Preiserhöhung von einer Werbekampagne mit dem Claim "Wir verkaufen uns nicht mehr unter Wert". Im gesamten Boulevard würden Zeitungen unter Preis verkauft, bei der Abendzeitung sei seit Jahren mit jeder verkauften Zeitung 30 bis 40 Cent Verlust gemacht worden, sagte der Insolvenzverwalter. Die Preiserhöhung sei "zwingend", er nehme den Schritt nun vorweg, um die Suche nach einem Investor zu beflügeln.

Bei der Werbekampagne setze man nicht auf Solidarität, auch wenn die AZ gerade sehr viel Zuspruch von Lesern und Anzeigenkunden erfahre. Das Qualitätsprodukt Zeitung sei einfach für 60 Cent nicht mehr herzustellen, ein Preis, der seit 2002 nicht mehr erhöht worden sei. "Wir hoffen, dass der Leser das versteht", sagte Bierbach. Die Abendzeitung sei "besser als Boulevard", Bierbach sieht sie, wie er sagte, als "Stadtzeitung". Prominente wie Ex-OB Christian Ude werden am 30. April am Münchner Viktualienmarkt Passanten als neue Abonnenten werben.

Gespräche mit sieben bis acht Investoren

Im Moment spreche er mit sieben bis acht möglichen Investoren, die allesamt aus dem süddeutschen Raum kommen, sagte Bierbach. Wichtig sei vor allem, dass ein Investor eine Infrastruktur mitbrächte, um Kosten zu senken, womöglich also einen eigenen Verlag, eine eigene Druckerei, eine eigene Zeitung. Die Abendzeitung werde es nur weiter geben, wenn es einen solchen strategischen Investor gebe.

Es sei auch nicht mehr tragbar, dass die Abendzeitung die Redaktion und den ganzen Verlag für einen einzigen Titel aufwende. Das werde, "so bitter das ist, noch einmal zwingend einen Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten", erklärte Bierbach.

"Es gibt gar keine Denkverbote", sagte er im Hinblick auf die publizistische Zukunft der Abendzeitung, die er nicht zwingend im Boulevard sieht, wohl aber politisch weiter im linksliberalen Milieu. Das ist offenbar auch den möglichen Investoren klar: "Alle haben versichert, dass sie an der Ausrichtung und an der redaktionellen Freiheit nichts ändern würden. Das würde auch die Stammleserschaft gefährden."

Konkret gute Nachrichten könne er nicht verkünden, für die Abendzeitung sehe er die Perspektiven aber verhalten optimistisch: "Wir haben eine Chance. Ich komme auch oft in Unternehmen, da gibt es gar keine. Ob wir das hinkriegen, werden wir sehen."

Das vollständige Interview mit Insolvenzverwalter Axel Bierbach lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung, sowie in der SZ-App für iPad, iPhone, Android und Windows 8.