PR-Kampagne zu "House of Cards" Er wirkt echter als Trump

Menschen stehen Schlange vor einer Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Hinter ihnen prangt das Konterfei des fiktiven Präsidenten Frank Underwood aus der Serie House of Cards.

(Foto: AP)

Die PR-Kampagne zur neuen Staffel von "House of Cards" mit Kevin Spacey als Präsident Underwood funktioniert so gut, weil gegen die Realität kaum eine Fiktion zu absurd erscheint.

Von Robert Hofmann

Der Vorwahlkampf in den USA bietet nicht nur illustren Figuren eine Bühne, sondern auch eine hervorragende Vermarktungsgelegenheit für eine Serie über den US-amerikanischen Politik-Betrieb. Populisten polarisieren die Massen und Selbstdarsteller stilisieren sich zum Kämpfer gegen das egozentrische Establishment in Washington. Gegen die Realität scheint kaum eine Fiktion zu absurd. Und die von House of Cards schon gar nicht.

Die Werbung zur heute gestarteten vierten Staffel der Netflix-Serie fügt sich nahtlos in das Narrativ eines klassischen US-Wahlkampfs. Man könnte glatt vergessen, wo die Grenze liegt, wer sich nun um das Amt des Präsidenten bewirbt: Donald Trump, Hillary Clinton oder Frank Underwood.

Im Dezember schon lief ein Fake-Wahlwerbespot, ein Trailer für die neue Staffel. So professionell simpel aufgemacht wie ein echter Wahlwerbespot: glückliche Kinder, ertragreiche Äcker, viel Sonnenlicht und wehende US-Flaggen. Am Schluss heißt es aus dem Off: "Ich bin Frank Underwood und ich billige diese Nachricht" - ein Satz, der in amerikanischen Wahlwerbespots so geläufig ist wie in deutschen der von dem Inhalt, für den allein die Parteien verantwortlich sind.

Ist das noch real - oder schon die Serienwelt?

Um ihre Serien zu promoten, versuchen PR-Profis, sie da zu platzieren, wo sie wie beiläufig einen Platz im Leben ihrer Zuschauer finden. Virales Marketing. Das funktioniert immer dann besonders gut, wenn eine Serie für einen kurzen Moment vergessen lässt, was real ist und was fiktiv - das Publikum ist für einen Moment ratlos: Ist das hier die Serienwelt, oder die echte?

In der New Yorker U-Bahn fanden sich die Fahrgäste eines Morgens umringt von Nazi-Symbolen. Die Sitzflächen waren beklebt mit US-Flaggen, in denen die weißen Sterne auf blauem Grund durch Reichsadler und Eiserne Kreuze ersetzt worden waren. Eine Marketingkampagne von Amazon für seine neue Serie The Man in the High Castle, in der es um eine alternative Geschichtsschreibung geht, in der Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und daraufhin die USA besetzt haben. Es folgte ein Shitstorm. Amazon zog die Kampagne zurück.

Amazons Freiheitsstatue zeigt den Hitler-Gruß

Mit einer provokanten Werbeaktion will Amazon auf seine Serie "The Man in the High Castle" aufmerksam machen. Den New Yorkern gefällt das nicht. mehr...

Für die erste Staffel von True Blood ließ HBO im Vorfeld Plakate aufhängen, die gleiche Rechte für alle Bürger forderten - ein zentrales Thema der Serie ist die Diskriminierung von Vampiren durch Menschen. Die "No Fangs"-Rufe der Serie (auf deutsch etwa "Keine Fangzähne") sind eine Anspielung auf die sehr reale "No Fags"-Hysterie des "christlich" rechten Amerikas: "Keine Schwuchteln".

"House of Cards" nutzt die Parallelen zum Zeitgeschehen

In House of Cards spielt Kevin Spacey den Politiker Frank Underwood, der ohne Mitgefühl handelt, für Macht mordet und sich selbst stets der Nächste ist. Beziehungen sind für ihn Mittel zum Zweck, temporäre Allianzen, aus denen sich Profit schlagen lässt. Politische Überzeugungen besitzt er nicht. Über drei Staffeln hinweg hat ihn diese Taktik bis ins Oval Office gebracht. In der vierten Staffel wird er nun für seine Wiederwahl kämpfen.

Die Handlung der Serie verläuft also erstaunlich parallel zum Zeitgeschehen. Die Menschen sind sensibilisiert für die Themen der Serie - auch weil Frank Underwood das verkörpert, was in diesem Vorwahlkampf so heftig attackiert wird: das Establishment. Bernie Sanders und Donald Trump überzeugen ihre Wähler vor allem deshalb, weil sie sich als Außenseiter darstellen, die verkrustete Strukturen in Washington aufbrechen möchten, um so wahren Wandel möglich zu machen. Frank Underwood ist diese Kruste. Er steht für all das, was an Washington bemängelt wird: Das Taktieren, das Korrumpieren, die Wandelbarkeit politischer Überzeugungen.

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Kevin Spacey wirkt ehrlicher als echte Politiker

Deswegen wirkt Kevin Spacey als Präsident auch so glaubhaft. Man weiß, dass er ein Schauspieler ist. Nicht erst seit Ronald Reagan erscheinen echte Politiker ebenfalls als solche. Wenn der Schauspieler Spacey also plötzlich mit dem schweren Südstaatenakzent Frank Underwoods spricht, überrascht das kaum noch. Er verschmilzt mit seiner Rolle und seine Rolle mit ihm. Eben weil die Erwartungen der Zuschauer das fordern. Als Underwood wirkt er ehrlicher als echte Politiker, deren dunkle Machenschaften Zuschauer nur erahnen können.

Kevin Spacey steht neben dem Porträt seines Charakters in House of Cards. So uncharismatisch lächeln würde Frank Underwood aber nicht.

(Foto: REUTERS)

Am 22. Februar wurde in der Smithsonian National Portrait Gallery in Washington D.C. das überlebensgroße Porträt von Kevin Spacey als Präsident Frank Underwood enthüllt. Das Smithsonian ist eines der beiden Museen, in denen große Sammlungen an Porträts von US-Präsidenten hängen. Frank Underwood hängt zwar nicht in diesem Bereich, doch die PR-Aktion ist trotzdem gelungen. Vor allem, weil Kevin Spacey live dabei ist und nach dem Fall des Schleiers an ein Podium tritt, auf dem das Wappen des Präsidenten prangt, um sich dann als Frank Underwood für diese Ehre zu bedanken.