Von Javier Cáceres

Diebstahl statt Antworten: Weil einem portugiesischen Politiker die Fragen nicht gefielen, klaute er Reportern ihre Aufnahmegeräte.

Mit einem Diebstahl hat der stellvertretende Fraktionschef der portugiesischen Sozialisten, Ricardo Rodrigues, einem aggressiven Interview ein außergewöhnliches und abruptes Ende bereitet. Nachdem Rodrigues im Parlamentsgebäude von zwei Redakteuren des Nachrichtenmagazins Sábado mit einer Batterie aggressiver Fragen eingedeckt worden war, stand Rodrigues empört auf - und steckte die Aufnahmegeräte der Journalisten in die Hosentaschen.

Aufnahmegeräte, Journalisten, Foto: AP

Beweise auf Tonband. (© Foto: AP)

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In einer für Mittwochabend einberufenen Pressekonferenz erklärte er wenig später, dass er durch die "inquisitorischen Fragen" der Journalisten einer "unerträglichen psychischen Gewalt" ausgesetzt gewesen sei. Er habe darauf "unreflektiert" reagiert. Die Fragen, so Rodrigues, hätten auf falschen und konstruierten Sachverhalten beruht.

In dem Interview ging es um Rodrigues' angebliche Verwicklung in einen Betrugsfall sowie einen Pädophilen-Skandal auf den Azoren. Im Bezug auf letzteres hatte die Staatsanwaltschaft schon vor Jahren erklärt, dass sie gegen Rodrigues nicht ermittelt.

Der Fraktionschef sagte, er habe wegen übler Nachrede eine einstweilige Verfügung gegen die Journalisten sowie das Magazin Sábado beantragt. Diese wiederum schlugen nicht nur juristisch, sondern auch publizistisch zurück. Da eine Videokamera mitlief, ist der Diebstahl gut dokumentiert, er ist auf den Internetseiten portugiesischer Medien ein Renner. Die nationalen Journalistenverbände protestierten gegen Rodrigues Vorgehen; die Sozialisten solidarisierten sich mit ihm.

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(sueddeutsche.de/berr)