Plasberg und soziale Gerechtigkeit Wenn der Millionär über Armut spricht

Frank Plasberg lässt diskutieren, wie es um die soziale Gerechtigkeit steht.

(Foto: © WDR/Oliver Ziebe)

Bei Plasberg reden gut versorgte Menschen über soziale Ungleichheit in Deutschland.

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Da sind ja die Richtigen beisammen, um über soziale Ungleichheit zu sprechen.

Der Immobilienunternehmer Christoph Gröner etwa. Kürzlich war in der Zeit zu lesen, er schätze sein Privatvermögen auf rund 80 Millionen Euro.

FDP-Politiker Hermann Otto Solms ist so unbesorgt, dass er auf das Familienerbe zum Großteil verzichten kann: ein Schlösschen im Grünen.

FAZ-Autorin Bettina Weiguny hat zuletzt mit ihrem Mann, dem Wirtschafts-Chef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, das Buch "Der Eliten-Report" geschrieben und findet, dass es in Deutschland nicht so ungleich zugehe, wie immer "herbeigeredet" werde.

Und der Soziologe Michael Hartmann sollte als Professor fürs Alter wohl vorgesorgt haben.

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Nur Kevin Kühnert ist noch Student. Und er hat noch im Januar verkündet, er wolle bestimmt kein Berufspolitiker werden. Aber seit er im November zum Juso-Chef gewählt wurde, war er als Gegner der großen Koalition in so vielen Talkshows zu Gast, dass er als gefährlichster Widersacher von Kanzlerin Angela Merkel und Ex-SPD-Chef Martin Schulz galt.

Die SPD wäre wahrscheinlich schlecht beraten, wenn sie jemanden wie ihn nicht mit Ämtern ausstatten würde. Er scheint einer der wenigen in der SPD zu sein, die sich noch für soziale Gerechtigkeit interessieren. Mit seinem Hintergrund hat er allerdings beste Chancen, einmal selbst zum Club der Besserversorgten zu gehören.

Menschen, die sich tatsächlich Sorgen um ihre Wohnung, ihre Zukunft, ihre Alterssicherung machen oder einfach nur darum, ob es ihren Job nächsten Monat noch gibt, wurden leider nicht eingeladen in die Sendung "Der Club der Reichen - wie viel Ungleichheit verträgt das Land?".

Also muss es mal wieder Kevin Kühnert richten. Er muss dem Multimillionär Gröner erklären, dass Hartz IV kein "Geschenk" für Arbeitsverweigerer ist, die sich aus dem Arbeitsmarkt "rausstehlen" würden, wie Gröner meint. Oder dass ein paar Hundert Euro Grundsicherung für Joblose ihm und seinen Millionen nicht wehtun müssten. Und dass es nicht "die Drogenparks in Berlin" sind, die Deutschland Abermillionen Euro kosten. Sondern zum Beispiel die Steuerhinterziehung.

Eigentlich will Armutsforscher Hartmann dem Juso-Chef zur Seite stehen. Doch er wird von Frank Plasberg immer wieder unterbrochen, weil der Moderator findet, er werfe mit zu vielen Zahlen um sich.

Vor der Talkrunde lief in der ARD eine sehr interessante Doku darüber, wie ungerecht Reichtum in Deutschland mittlerweile verteilt ist: "Ungleichland - Wie aus Reichtum Macht wird" zeigte in 45 Minuten, wie stark sich Vermögen hierzulande konzentriert und durch Vererbung immer stärker in wenige einzelne Familien gelenkt wird. Was die Aussicht auf einen Aufstieg für alle immer weiter begrenzt.

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Man spricht auch in den westlichen Gesellschaften schon vom "schwindenden amerikanischen Traum". Deutschland ist da noch ungleicher als etwa Frankreich oder Großbritannien: 45 Deutsche besitzen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschen hierzulande, betont auch Hartmann.

Über diese Erkenntnisse hätte man prima in den folgenden 75 Minuten bei Plasberg diskutieren können. Wäre denn jemand dagewesen, der Gröners Banalformulierungen wie "Wir leben in der geilsten Gesellschaft der Welt - hier kann jeder werden, was er will!" aus eigener Erfahrung hätte kontern können.

So aber konnte sich die Runde nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: Kinder. Und dass ihnen mit besserer Politik bessere Aufstiegschancen geboten werden müssten.

Wobei selbst in diesem Punkt der Juso-Chef dem Multimillionär noch einmal erklären musste, dass Demokratie so funktioniert, dass er sich nicht persönlich aussuchen kann, wofür seine Steuergelder verwendet werden (nämlich vor allem für Kinder und Bildung, wie Gröner es wünschte).

Bleibt nur die Frage: Liegt es an der Gästeauswahl, dass man als TV-Zuschauer den Eindruck gewinnt, dass immer mehr völlig weltfremde Menschen die relevanten Themen der Zeit diskutieren? Oder wird der Anteil der Weltfremden an der Bevölkerung zusammen mit der Ungleichheit einfach immer größer? Ersteres wäre beruhigender.

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