Petition Frauen machen sich für freigestellten WDR-Mann stark

Gebhard Henke, 62, ist Fernsehfilmchef des Westdeutschen Rundfunks und Professor an der Kunsthochschule für Medien Köln. Er koordiniert seit 1998 die Tatort-Reihe der ARD-Sendeanstalten im Ersten.

(Foto: WDR/Herby Sachs)
  • Der WDR hat seinen Fernsehspielchef Gebhard Henke wegen Vorwürfen sexueller Belästigung freigestellt.
  • Allerdings äußerte sich der Sender bislang nicht dazu, was Henke konkret vorgeworfen wird.
  • 16 Kolleginnen von Henke machen sich nun in einem offenen Brief für ihn stark.

Mit einer am Mittwochabend verbreiteten Petition reagiert ein Zusammenschluss von Frauen aus der Film- und TV-Branche auf die vom Sender bislang nicht konkretisierten Belästigungsvorwürfe gegen WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke. Dessen Freistellung, so der Wortlaut, lege "den Eindruck nahe, dass Differenzierung unerwünscht ist. Die Auseinandersetzung mit Vorwürfen darf aber nur differenziert geführt werden. Und dies im Rahmen einer sorgfältigen Wahrheitsfindung und Meinungsbildung".

Die Kritik gilt auch anderen Medienhäusern, die unter dem Druck stünden, "den nächsten Skandal in Form möglichst prominenter Opfer und/oder Täter zu finden". Die Unterzeichnerinnen, darunter Regisseurin Feo Aladag, Schauspielerin Barbara Auer und Agentin Mechthild Holter, betonen, dass ihre eigene Zusammenarbeit mit Henke durchaus kontrovers war, "immer jedoch frei von Übergriffen jedweder Art und Schwere". Henke, so schreiben die Unterzeichnerinnen, sei ihnen "in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets respektvoll begegnet". Ihr persönliches Fazit: "Wir schätzen ihn, seine Arbeit und seine Integrität".

Henke war Ende April vom WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zunächst ohne Nennung seines Namens freigestellt worden. Ihm wurde in zwei Fällen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Daraufhin wehrte sich der Leiter der Programmbereiches Fernsehfilm, Kino und Serie offensiv und forderte den öffentlich-rechtlichen Sender über seine Anwälte dazu auf, die Vorwürfe zu konkretisieren. Bis zum 10. Mai soll sich der WDR nun dazu äußern, oder aber die Freistellung aufheben.

Henke selber bestreitet, sich jemals so verhalten zu haben, wie die Vorwürfe nahelegen. In einer Anfrage an den WDR zu den Vorwürfen äußerte sich der Sender sehr allgemein: "Wir haben verschiedene ernstzunehmende Hinweise, denen wir derzeit sehr sorgfältig nachgehen. Während dieser Überprüfung halten wir es für notwendig, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden", sagte Sprecherin Ingrid Schmitz.

Henke ist nicht der erste Mitarbeiter des WDR, dem sexuelle Belästigungen von Mitarbeitern vorgeworfen werden. Zuvor war der Fall eines Auslandskorrespondenten des Senders bekannt geworden, der offenbar über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder Mitarbeiterinnen eindeutige Angebote machte. Nachdem dieser zunächst seine Arbeit nach einem Vermerk in der Personalakte weitermachen konnte, wurden mehr Vorwürfe bekannt. Diese führten schließlich dazu, dass er freigestellt wurde.

Im Fall von Henke ist es nun allerdings offenbar so, dass der WDR einerseits die Vorwürfe nicht konkretisieren kann oder möchte, andererseits scheint der langjährige Tatort-Koordinator die Unterstützung vieler Kolleginnen und Mitarbeiterinnen zu besitzen, wie die nun veröffentlichte Petition zeigt.

Freigestellter WDR-Mitarbeiter wehrt sich gegen Vorwürfe

In einer Presseerklärung bestreitet WDR-Programmbereichsleiter Gebhard Henke, sich jemals so verhalten zu haben, wie es ihm vorgeworfen wird. Von Hans Hoff mehr...