Online-Magazin Wohin mit der Kohle?

Damit die junge Zielgruppe nicht fremdelt, sieht zaster-magazin.de aus wie ein Hybrid aus Netflix und Bento.

(Foto: Screenshot: SZ)

Das Finanzportal "Zaster" ist am Dienstag gestartet, mitbezahlt vom früheren "Bild"-Chef Kai Diekmann und dessen neuer Agentur "Storymachine". Es soll einer jungen Zielgruppe "Lust auf Geldanlage" machen und "das Tabuthema Geld" aufbrechen.

Von Christoph Fuchs

Sag, wie hältst du's mit der Altersvorsorge? Eine lästige Frage, die gerade junge Leute gern für ihr etwas älteres Ich aufheben. Eben dieses junge Publikum will nun aber das neue Online-Magazin Zaster für Finanzthemen gewinnen. Dass das Unterfangen nicht ganz leicht werden dürfte, können die Macher ihrem eigenen Interview mit dem Musiker Clueso entnehmen. Der erzählt zwar ausführlich von seinem letzten, ja so nennen das die Interviewer, "Zaster-Ausraster" (teure Software!!). Bei der Vorsorge-Gretchenfrage ist er dann kürzer angebunden: "Früher habe ich gar nicht gespart, heute machen das andere für mich."

Völlig falsche Einstellung, zumindest wenn es nach Kai Diekmann geht. Der frühere Bild-Chef steht mit seiner neuen Agentur "Storymachine" hinter dem Projekt und hat als Ziel vorgegeben, der digitalen und mobilen Zielgruppe "Lust auf Geldanlage" zu machen und "das Tabuthema Geld" aufzubrechen. Am Dienstag ging Zaster online. Das Logo erinnert an den Netflix-Schriftzug, der Seitenaufbau an den von Jugendportalen wie bento. Vielleicht, so scheinen die Macher zu hoffen, fühlt sich der Leser dann schnell heimisch und merkt nicht, dass er hier ja Lust auf Geldanlagen bekommen soll. Entsprechend luftig sind zum Start viele Texte: die zehn spannendsten Banküberfälle in Filmen; Kolumnist Micky Beisenherz schreibt, warum ihn bisweilen nicht der Konsum beglückt, sondern, sich Dinge eben nicht zu kaufen - und eine Bastelanleitung erklärt, wie man aus einem Geldschein ein Einhorn macht.

So verschreckt man die jungen Leute nicht, und vielleicht widmen sie sich danach tatsächlich einem der Texte, die etwas mehr nach Bankberatung riechen. Da wäre zum Beispiel das Protokoll eines Rentner-Ehepaares, das Auskunft gibt über Einkünfte und Ausgaben und, genau, die eigene Altersvorsorge. In der Randspalte zu den Vorzügen eines Haushaltsbuchs weht sogar ein Hauch Verbraucherservice. Auch die statistischen Kosten eines Kindes (148 000 Euro bis zum 18. Geburtstag) werden vorgerechnet. So versucht sich die Redaktion, geleitet vom früheren Onlinechef der Berliner Morgenpost, Marcus Schwarze, an einer Mischung aus Unterhaltung und härteren Inhalten, wobei letztere zum Start nicht ganz so viel Raum einnehmen.

Wo Zaster selbst sein Geld hernimmt, steht ganz unten: Es sei ein Service einer digitalen Vermögensverwaltung. Die ist ebenfalls ganz neu gegründet - und zwar auch von Kai Diekmann. Der betont, dass Zaster nicht in redaktionellen Texten für seinen Geldgeber werben wird. Inhalte mit journalistischem Anstrich statt Werbung - neudeutsch heißt das "Content Marketing". Dahinter dürfte die Hoffnung stehen, dass einige Leser zu Anlegern werden und dann gleich bei Diekmann bleiben. Ob sich der Aufwand lohnt? Eine Antwort lässt Zaster in einer Zitatbox den Römer Plautus geben: "Man muss Geld ausgeben, um Geld zu verdienen."