Online-Bezahlmodelle Im Leserausch

Das schwedische Startup Readly startet in Deutschland und bietet unbegrenzten Zugriff auf 750 Magazine für knapp zehn Euro an. Springer-Blätter oder die "New York Times" sucht man dort jedoch vergeblich - die setzen auf die Konkurrenz.

Von Niklas Hofmann

Die Zeitschriftenflatrate von Readly gibt es nun auch in Deutschland. Am Montag startete das schwedische Unternehmen offiziell sein deutsches Angebot, nachdem es schon Anfang des Monats Titel der Bauer Media Group in seinen internationalen Kiosk aufgenommen hatte. Unter de.readly.com möchte man nun den vierten Markt nach Schweden, Großbritannien und den USA erobern. Readly Deutschland soll dabei als eigenständige Filiale in Berlin mit zehn bis fünfzehn Mitarbeitern etabliert werden, erzählt Stefan Ohlsson, der Chief Content Officer.

Für den Preis von 9,99 Euro monatlich erhalten Readly-Nutzer unbegrenzten Zugriff auf PDF-Versionen von mehr als 750 internationalen Zeitschriften, darunter nun rund 70 deutsche Titel. Zum Start dabei sind Magazine von Bauer (Bravo, TV Movie, Das Neue Blatt), Funke Mediengruppe (Hörzu, Bild der Frau, Herzstück), vom Computerfachverlag IDG Communications Media AG (PC-Welt, GamePro) und der auf Hobbytitel spezialisierten Wellhausen & Marquardt Medien (Puppen & Spielzeug, Rad & Kette, Teddys Kreativ). Hinzu kommt noch die deutsche Vice-Ausgabe.

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Den Lesern verspricht Readly Lesevielfalt, den Verlagen einen zusätzlichen Verbreitungskanal, der nach den Erfahrungen in Schweden auch nicht auf Kosten bestehender Angebote gehen soll. Es habe sich gezeigt, dass es keine Kannibalisierung gebe, sagt Stefan Ohlsson. Stattdessen führe Readly den Printanzeigen der Verlage neue Beachtung zu. Nach dem ersten Leserausch (Neukunden blättern sich im ersten Monat durch 25 bis 35 Magazine) pendele sich der Zeitschriftenkonsum der Nutzer im Schnitt bei fünf bis sieben Titeln monatlich ein - aus Verleger- und Werbersicht ein immer noch sehr erfreulicher Wert. Zumal Readly Leserforschungsdaten in Echtzeit liefert und die Werbemöglichkeiten auch noch erweitern könnte.

Zu im Heft abgedruckten Webadressen etwa werden auf Wunsch bereits jetzt Hyperlinks gesetzt: Der Leser kann dann auf seinem Tablet direkt aus dem Magazin in einen Webshop gelangen. Andere interaktive oder animierte Werbeformen seien denkbar, sagt Ohlsson. In Schweden bietet Readly in getrennten Angeboten auch Flatrates für Tageszeitungen und Bücher an, auch dies sind Marktsegmente, die Ohlsson langfristig in Deutschland gern erschließen möchte. Ob man - nach dem Vorbild Netflix - auch selbst Inhalte produzieren werde, lässt er dagegen offen: "Der Stand von heute ist, dass wir ein Service sind. Wir bringen den Verlagen neue Leser. Was aber die Zukunft bringt, wissen wir nicht."

Nicht bei Readly erhältlich sind vorläufig die Zeitschriften von Gruner + Jahr oder Axel Springer. Das muss zwar nicht unbedingt so bleiben, fürs erste allerdings setzt namentlich Springer auf ein anderes Startup, nämlich das niederländische Blendle, das ein iTunes-ähnliches Modell anbietet.

Das in Utrecht ansässige Unternehmen will Zeitungen und Zeitschriften neue Online-Leserschaften erschließen, indem sie einzelne Printartikel an zentraler Stelle und für Centbeträge einkaufen können, der Verlag bekommt 70 Prozent. Gemeinsam mit der New York Times Company, so gab Blendle gestern bekannt, investiert die Axel Springer Digital Ventures nun drei Millionen Euro bei den Niederländern. "Blendle hat das Potenzial, vor allem junge internetaffine Leser anzusprechen", ließ sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zitieren. In den nächsten zwei Jahren wollen die Blendle-Gründer Alexander Klöpping und Marten Blanksteijn in neue Märkte expandieren, Deutschland steht ganz oben auf der Liste. Einer der ersten Partner dafür dürfte mit Springers Einstieg wohl feststehen.