Oliver Fuchs wechselt zum ZDF Quereinsteiger als Unterhaltungschef

Das ZDF bekommt einen neuen Chef für sein Unterhaltungsprogramm. Oliver Fuchs hat bisher hauptsächlich für Privatsender produziert und soll nun den großen Modernisierer geben. Doch Sendungen wie die Lothar-Matthäus-Dokusoap oder "Schwiegertochter gesucht" wird er dem ZDF-Publikum nicht vorsetzen können.

Von Christopher Keil

Seit Mitte März ist Norbert Himmler neuer Programmdirektor des ZDF. Seine erste bedeutende Personalentscheidung wird er an diesem Freitag dem Verwaltungsrat des Senders unterbreiten. Himmler, 41, möchte Oliver Fuchs, 44, als künftigen Unterhaltungschef des ZDF vorschlagen.

Mit einer ablehnenden Haltung des Gremiums muss er nicht rechnen. Dass seine Wahl an diesem Dienstag bereits vermeldet wurde (Spiegel), hat Himmler aber überrascht. Das ZDF lässt mitteilen, das bis Freitag keine Stellung zum Engagement eines Nachfolgers für Manfred Teubner, 62, genommen wird. Teubner war zehn Jahre lang für die Show beim ZDF verantwortlich.

Dass sich das Zweite auf dem kommerziellen Unterhaltungsmarkt bedienen würde, hatte schon vor Monaten Thomas Bellut angedeutet, der inzwischen Intendant des ZDF ist. Acht Kandidaten soll Himmler zu persönlichen Gesprächen in den zurückliegenden Wochen getroffen haben. Intern gibt er sich offenbar sehr überzeugt von Fuchs.

Schon als er noch Geschäftsführer des digitalen ZDF-Ablegers Neo war, lernten sich beide kennen. Fuchs leitet noch die deutsche Niederlassung des niederländischen Unternehmens Eyeworks, das sich zu den fünf größten unabhängigen TV-Produzenten weltweit zählt. Für ZDF Neo und das ZDF fabrizierte Eyeworks bisher Das Schrotthotel, Große Städte große Träume und den Krimi Wilsberg. Umfangreich beliefert die Firma auch RTL: Rach, der Restauranttester, Rachs Restaurantschule, Der große IQ-Test, Der große Deutsch-Test.

Fuchs, ein Schweizer, der in Köln studierte und von dort aus Eyeworks Deutschland lenkte, hat die Aufgabe, die Unterhaltung des ZDF zu modernisieren. Sendungen wie die gerade bei Vox gestartete Lothar-Matthäus-Dokusoap oder Schwiegertochter gesucht (RTL) wird er der öffentlich-rechtlichen Kundschaft eher nicht vorsetzen können. Angesichts des ZDF-Publikums stellt sich aber die Frage, was Fuchs für die 50-, 60-, 70-Jährigen entwickeln wird, die mehrheitlich einschalten?

Das ZDF hat bereits früher auf Quereinsteiger für seine Unterhaltungsabteilung gesetzt. Von 1994 bis 1997 arbeitete Fred Kogel auf dieser Position, der damals aus dem Privatfernsehen kam, später lange für die Kirch-Gruppe tätig war und heute Geschäftspartner von Harald Schmidt ist. 1998 folgte Victor Worms, den dann 2001 Manfred Teubner ablöste. Teubner wiederum hat eine lupenreine ZDF-Biografie.