Der WDR hat erstmals die Gehälter seiner Intendantin offengelegt - und sollte damit ein Vorbild für andere Sender sein. Denn diese Gehälter bezahlen die Bürger - mit ihren Gebühren.
Zu den interessanteren Fragen der Gesellschaft gehört, ob jemand verdient, was er verdient. Besonders wenn er zum Wohl der Gemeinschaft arbeitet, ist die Höhe des Gehalts von Belang. So kann exakt errechnet werden, was die Bundeskanzlerin verdient oder ihr Regierungssprecher. Wenn der aber als Intendant in die Welt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wechselt, wird es nebulös. Einkommen sind hier eine Art Staatsgeheimnis.
Bild vergrößern
Als erster öffentlich-rechtlicher Sender hat der WDR nun - notgedrungen - das Gehalt seiner Intendantin Monika Piel offengelegt. An Nachahmer in der ARD-Familie fehlt es bislang. (© WDR/Sachs/Görgen)
Anzeige
Nur durch Zufall, also durch Lecks in den Gremien, kommt vielleicht heraus, wie viel ein Moderator (der sich meist selbst produzieren darf) kassiert. Dann gerät der Gebührenzahler ins Staunen. Nun liegen erstmals auch die Einkommensverhältnisse in der größten ARD-Anstalt, dem Westdeutschen Rundfunk, offen zutage. Die alte Landesregierung unter Jürgen Rüttgers hatte das WDR-Gesetz entsprechend geändert.
Und, siehe da: Die Intendantin Monika Piel lag 2009 mit einem Jahresgehalt von 352.000 Euro, inklusive Zulagen, deutlich über dem Besoldungslevel beispielsweise des Bundespräsidenten. Wer so viel Geld verdient, muss sich beispielsweise fragen lassen, ob der Programmauftrag - Information, Bildung, gehobene Unterhaltung - auch wirklich eingelöst wird, und ob politische Fernsehkultur mit Talkshows gleichgesetzt werden soll. Da haben ARD-Anstalten noch ein paar Aufgaben vor sich.
Seltsam ist aber, dass die Kölner Transparenz nicht wie ein Vorbild wirkt, dass also nicht auch andere öffentlich-rechtliche Sender die Top-Gehälter aufdecken. In deutschen Börsen-Unternehmen ist solche Offenheit ja auch seit einiger Zeit üblich. Und da zahlen, anders als bei den GEZ-Anstalten ARD und ZDF, die Bürger die Gehälter der Chefs nicht mit.
- Thema
- Monika Piel RSS
- Intendanten-Gehalt Mehr als Merkel 10.08.2010
- Regierungssprecher Zwei wurden Intendant 06.05.2010
- Ulrich Wilhelm: Regierungssprecher geht Merkels lächelnder Mund 28.07.2010
(SZ vom 09.08.2010/leja)
Endgültiger DFB-Kader für EM
'...und die wirklich großen Schaffenden, wie Heinze, müssen sich illegal bereichern?'
Bei der Heinze war es wohl einfach Gier.
Und Macht hatte sie wirklich gehabt - wenn man auch bedenkt, wieviele gute Bücher nicht produziert wurden, weil sie von ihr abgelehnt wurden.
Wieviele gute Autoren oder Regisseure kamen nicht zum Zug, und ihre Karrieren wurden blockiert, weil sie es in der Hand hatte.
Die ist gut weiter...
Der Zusammenhang zwischen Piel und Heinze
31. August 2009
"taz:
Doris Heinze, Leiterin der NDR-Fernsehfilmabteilung, kaufte Drehbücher bei ihrem Mann, die er unter Pseudonym schrieb. Ein Skandal?
Küppersbusch:
Da Kollegin Heinze für eine lange Liste großer Erfolge steht, könnte man die Öffentlich-Rechtlichen fragen: Warum zaubern sich "Gremien voller Gremlins" (G. Jauch) die Taschen voll, und die wirklich großen Schaffenden, wie Heinze, müssen sich illegal bereichern? Und antworten: Müssen sie nicht. Können ja kündigen und sich draußen dumm verdienen. Oder scheitern, ohne sichere Planstelle. Das ZDF hat seinen News-Anchor aus der Festanstellung entlassen, um ihm als Freiem ein marktgerechtes Honorar zahlen zu können. Sowas habe ich über einen Verwaltungsschlumpf noch nicht gehört."
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-geht-es-uns-herr-kueppersbusch-96/
Lobenswert ist, daß der nordrhein-westfälische Landtag die Pflichtveröffentlichung im "WDR-Gesetz" beschlossen hat. Darin wird auch festgelegt, daß die Bezüge der Direktoren veröffentlich werden müssen. Diese liegen bei ca. 200.000 EUR (siehe auch http://www.wdr.de/unternehmen/service/infomaterial/pdf/WDR_20100804_Geschaeftsbericht-2009.pdf, Seite 94). So richtig abGEZockt wird man bei den Moderatoren und Talkern. Die bekommen mindestens das 3-fache (erfolgsunabhäng) und wenn sie noch ihre eigene Produktionsfirma haben, geht das gleich in mehere Millionen.
Das stimmt doch ein wenig versöhnlich, wenn man liest, dass zumindest bei den Festangestellten an der Spitze die Einkommen noch in Ordnung sind.
Der WDR hat ja ansonsten den Ruf, bei den Honoraren ziemlich radikal zu kürzen und zusammen mit dem RBB eigentlich schon zu den Billiganbietern zu gehören.
Da werden (bisher festangestellte) Mitarbeiter über diverse Serviceproduktionen ausgegliedert und mit bedeutend weniger abgespeist.
Honorare für Autoren, Cutter und Kameramänner/-frauen, die untertariflich sind und an der Schmerzgrenze liegen.
Auch so manche etablierte Filmproduktionen, die für den WDR Dokumentationen produzieren, sind schwer am klagen über den Kostendruck, und dass man das Spiel eigentlich nicht mehr mitmachen kann.
Gefördert wird das natürlich auch durch die vielen Filmstudiengänge, und die Masse an Berufsanfängern sind fleißig dabei, die Honorare zu unterbieten - zum Teil kann man ja das noch nachvollziehen -wenn auch in Grenzen - sie wollen ja in den Markt reinkommen. Aber solange genügend Nachschub da ist, und Filmschaffende das mitmachen, funktioniert dass halt auch für die Sender, bzw. Produktionsfirmen im Allgemeinen.
Jedes Jahr ein bißchen billiger....
arbeiten dürfen sollen muss das Geld ja wo anders hingeleitet werden. Sonst liegt es ja ungebraucht auf einem Berg rum.
Paging