Offenlegung von Gehältern Goldene Intendantin

Der WDR hat erstmals die Gehälter seiner Intendantin offengelegt - und sollte damit ein Vorbild für andere Sender sein. Denn diese Gehälter bezahlen die Bürger - mit ihren Gebühren.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Zu den interessanteren Fragen der Gesellschaft gehört, ob jemand verdient, was er verdient. Besonders wenn er zum Wohl der Gemeinschaft arbeitet, ist die Höhe des Gehalts von Belang. So kann exakt errechnet werden, was die Bundeskanzlerin verdient oder ihr Regierungssprecher. Wenn der aber als Intendant in die Welt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wechselt, wird es nebulös. Einkommen sind hier eine Art Staatsgeheimnis.

Nur durch Zufall, also durch Lecks in den Gremien, kommt vielleicht heraus, wie viel ein Moderator (der sich meist selbst produzieren darf) kassiert. Dann gerät der Gebührenzahler ins Staunen. Nun liegen erstmals auch die Einkommensverhältnisse in der größten ARD-Anstalt, dem Westdeutschen Rundfunk, offen zutage. Die alte Landesregierung unter Jürgen Rüttgers hatte das WDR-Gesetz entsprechend geändert.

Und, siehe da: Die Intendantin Monika Piel lag 2009 mit einem Jahresgehalt von 352.000 Euro, inklusive Zulagen, deutlich über dem Besoldungslevel beispielsweise des Bundespräsidenten. Wer so viel Geld verdient, muss sich beispielsweise fragen lassen, ob der Programmauftrag - Information, Bildung, gehobene Unterhaltung - auch wirklich eingelöst wird, und ob politische Fernsehkultur mit Talkshows gleichgesetzt werden soll. Da haben ARD-Anstalten noch ein paar Aufgaben vor sich.

Seltsam ist aber, dass die Kölner Transparenz nicht wie ein Vorbild wirkt, dass also nicht auch andere öffentlich-rechtliche Sender die Top-Gehälter aufdecken. In deutschen Börsen-Unternehmen ist solche Offenheit ja auch seit einiger Zeit üblich. Und da zahlen, anders als bei den GEZ-Anstalten ARD und ZDF, die Bürger die Gehälter der Chefs nicht mit.