"Obendrüber, da schneit es" im ZDF Durchsichtig, aber nicht zu süß

Miriam (Diana Amft, hinten) versucht im Film "Obendrüber, da schneit es", ihrer Tochter Julchen (Lara Sophie Rottmann, vorne) das erste Weihnachten ohne Papa so schön wie möglich zu machen.

(Foto: Hendrik Heiden)

Je schlimmer die Lage, desto schöner das Fest: So auch in der Weihnachts-Schmonzette "Obendrüber, da schneit es", die das ZDF zeigt. In einem Münchner Mietshaus herrscht vorweihnachtlicher Stress auf allen Ebenen.

Von Titus Arnu

Jean-Paul Sartre ist eher nicht als Gute-Laune-Onkel bekannt. Eine Witze-Sammlung aus seiner Feder ist auch nicht überliefert. Aber ausgerechnet über Weihnachten schrieb Sartre mal etwas halbwegs Lustiges: "Weihnachten ist ein Fest der Freude. Leider wird dabei zu wenig gelacht."

Wie so oft hat Sartre recht. Es sieht doch so aus: Weihnachten wird viel zu oft zur Wein-Nacht. Ehefrauen reden nicht mehr mit ihren Ehemännern, weil sie vergessen haben, rechtzeitig eine Weihnachtsgans zu kaufen. Geschwister sind sauer aufeinander, weil der eine das vermeintlich bessere Geschenk als der andere bekommen hat. Und dann auch noch der Stress mit dem Weihnachtsmenü - wären Würstchen mit Senf nicht viel praktischer als Rehrücken und Crème brûlée?

In dem Münchner Mietshaus, in dem die Weihnachts-Schmonzette Obendrüber, da schneit es spielt, ist es natürlich nicht anders: vorweihnachtlicher Stress auf allen Ebenen. Miriam (Diana Amft) und ihre achtjährige Tochter Jule werden, wie es aussieht, ihre erste Bescherung ohne den Papa erleben; Jule hat für den frisch getrennten Vater einen Silberlurch gebastelt, den er wohl nicht auspacken wird am Heiligen Abend, denn die neue Freundin will mit ihm auf die Malediven fliegen. Der unbeholfene junge Pfarrer Gregor (Wotan Wilke Möhring) kämpft mit seiner ersten Predigt. Waltraud (Gisela Schneeberger) tritt nach Jahren der perfekten Vorbereitungen plötzlich in den Streik und zerbröselt wütend ihre selbstgebackenen Adventssterne. Und der alleinerziehende Michael (Thomas Loibl) will das Fest seiner pubertierenden Tochter zuliebe cool angehen lassen, was diese aber erst Recht uncool findet.

Während draußen der Schnee rieselt, kriselt es auf den Nervenspitzen. Es gibt aber wirklich nicht viele Weihnachtsfilme, die wegen einer dermaßen gespannten Ausgangslage am Ende blutig oder existenzialistisch ausgehen. Und auch diese Geschichte nach einem Roman von Astrid Ruppert ist da keine Ausnahme. Überraschenderweise führen alle problematischen Handlungsstränge zueinander, und wie zu dieser Jahreszeit üblich, wird es dann noch ganz rührselig.

Vivian Naefe inszeniert ihren Weihnachtsfilm mit leiser Tragik, stillen Zwischentönen und gedämpfter Hintergrundmusik. Die Regisseurin mischt sich einen Punsch an, der ziemlich durchsichtig ist, aber dann doch nicht zu süß. Wenn man etwas lernt aus der Geschichte, dann das: Die Erwartungen an Weihnachten sollten nicht zu hoch sein, dann wird das Fest erträglicher. Das mit den Erwartungen gilt auch für diesen Film. Am Ende ist man wieder bei Sartre: Leider wird wieder mal zu wenig gelacht.

Obendrüber, da schneit es, ZDF, 17.12.2012, 20.15 Uhr