"Nichtgedanken" mit Oliver Kalkofe "Die Quote ist völlig egal"

Liest künftig auf Tele 5 aus Promi-Autobiografien vor: Oliver Kalkofe.

(Foto: obs)

Seit Jahren macht sich Oliver Kalkofe in seiner "Mattscheibe" über miese Formate in Deutschlands TV-Landschaft lustig, nun liest er für seine neue Sendung "Nichtgedanken" aus Promi-Autobiografien vor. Ein Gespräch über das Frauenbild von Rapper Bushido, künstlerische Freiheit im Fernsehen und Känguru-Pimmel.

Von Matthias Kohlmaier

Jetzt liest er auch noch. Ab Karfreitag geht TV-Kritiker Oliver Kalkofe bei Tele 5 mit "Nichtgedanken" auf Sendung. Dort will er, so heißt es wenigstens in der Pressemitteilung, die Zuschauer "mit ausgewählten Juwelen lyrischer Dichtkunst moderner Alltags-Philosophen in den Schlaf geleiten". Besagte "Philosophen" sind in Folge eins unter anderem: Daniela Katzenberger, Bushido und Gina Wild. Parallel dazu lässt sich Kalkofe weiterhin in seiner "Mattscheibe" über die Fragwürdigkeiten des Fernsehalltags aus.

SZ.de: Herr Kalkofe, nachdem Sie nun ein erfahrener Leser von Promi-Büchern sind: Warum stand die Autobiografie von Daniela Katzenberger auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste?

Oliver Kalkofe: Das ist wirklich eine gute Frage, aber leider kann ich sie auch nicht abschließend beantworten. Bei vielen dieser Autobiografien der B- bis F-Prominenz frage ich mich vielmehr: Warum wurden diese Bücher überhaupt geschrieben und danach auch noch gedruckt?

Vermutlich weil schon die Namen Profit garantieren. Lässt sich bei den diversen Büchern wenigstens so etwas wie ein roter Faden erkennen?

Was alle diese Bücher eint, ist die seltsame Geltungssucht ihrer "prominenten" Autoren. Diese Sucht nach Aufmerksamkeit spiegelt sich sonst auch gern darin wider, dass man irgendwo im Dschungel einen Känguru-Pimmel isst - alles nur, um in der Öffentlichkeit ein bisschen wahrgenommen zu werden. Es gibt nun wirklich Schauspieler, die viel erlebt haben, Menschen, die echte Schicksale haben. Aber es gibt auch einige, die einfach nur Luft ablassen. Und glauben dann auch noch, es wäre Musik, wenn sie furzen.

In der ersten Folge von "Nichtgedanken" lesen Sie unter anderem Texte von Bushido, Gina Wild und Carsten Maschmeyer vor. Mussten Sie diese Bücher wirklich vorher alle lesen?

Nein, zum Glück nicht. Soviel Lebenszeit habe ich nicht zu verschwenden. Dafür habe ich einen recht findigen Redakteur, der mir quasi die Filetstücke heraussucht, aus denen ich dann Passagen für die Sendung auswähle.

Haben Sie nicht die Befürchtung, durch Ihre Sendung solchen Werken mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen als sie verdient haben?

Wir werden doch sowieso alle mit diesen Büchern konfrontiert, ob wir wollen oder nicht. Die Dinger stehen nun mal beim Buchhändler im Regal, es wird in Zeitungen darüber geschrieben und im Fernsehen darüber gesprochen. Ich glaube aber, dass es die Aufgabe von Satire ist, solche Grausamkeiten aufzugreifen. Und außerdem: Wenn man von den "Nichtgedanken" eine Folge ansieht, hat man sowieso nach fünf Minuten genug von den Büchern. Man spart also viel Geld und Zeit, die sind ja bekanntlich beide kostbar.

Sollten Sie damit Recht haben, wird die Einschaltquote Ihrer neuen Sendung innerhalb weniger Minuten drastisch einbrechen.

Die Quote ist völlig egal. Ein Format wie "Nichtgedanken" soll einfach nur Spaß machen und vielleicht auch ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen. Damit wäre ich schon zufrieden.

Funktioniert Ihr Format ähnlich wie das offensichtliche Vorbild "Nachtgedanken" mit Hans-Joachim Kulenkampff, oder kommentieren Sie das Vorgelesene etwas ausführlicher?

Ich mache kein großes Brimborium, sondern lasse die Worte anderer wirken. Ich lese die Texte natürlich dementsprechend vor, versuche also, den Slang des jeweiligen Schreibers mit einfließen zu lassen. Am Anfang und am Ende kommentiere ich das Gelesene, aber nur ganz subtil. Ansonsten arbeiten wir in der Tradition von Kulis "Nachtgedanken". Ich trage sogar eine sehr hübsche Lesebrille.