Netzwerk Recherche Mit neuem Vorstand aus der Krise

Betrugs- und Untreueverdacht in den eigenen Reihen anstatt Qualtitäskontrolle der Medienbranche: Die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche machte zuletzt vor allem mit fehlerhaften Abrechnungen Schlagzeilen. Jetzt will das Netzwerk einen Neuanfang mit neuem Vorstand. Ein Mann vom "Stern" folgt Gründer Thomas Leif nach.

Es soll ein Neuanfang sein: Die zuletzt wegen Untreueverdachts in die Schlagzeilen geratene Journalistenorganisation Netzwerk Recherche hat einen neuen Vorstand. Auf einer Mitgliederversammlung am Freitag in Köln sei Oliver Schröm vom Magazin Stern zum 1. Vorsitzenden gewählt worden, teilte die Organisation am Samstag auf ihrer Webseite mit. Zweiter Vorsitzender wurde Markus Grill (Der Spiegel), Kassenwart David Schraven (WAZ-Mediengruppe).

Der Gründer und langjährige Vorsitzende des Journalistenvereins, Thomas Leif, war in diesem Jahr ausgeschieden. Gegen ihn hat die Wiesbadener Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Betrugs- und Untreueverdachts eingeleitet. Es soll Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Tagungszuschüssen in Höhe von rund 75.000 Euro gegeben haben. Das Geld stammte von der Bundeszentrale für politische Bildung und ist inzwischen zurückgezahlt.

Der ehemalige Vorsitzende Leif hat seine einstigen Mitstreiter im Zusammenhang mit fehlerhaften Abrechnungen von Fördergeldern inzwischen kritisiert. Es sei von Anfang an um eine "Konfliktinszenierung" gegangen, "nicht um die Lösung der Sachprobleme im Zusammenhang mit einem komplizierten bürokratischen Antrag", sagte Leif dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Einen Zusammenhang zwischen seinem Ausscheiden und den Unregelmäßigkeiten hatte Leif schon zuvor zurückgewiesen.

Schröm, der beim Stern die Abteilung "investigative Recherche" leitet, kündigte per Pressemitteilung an: "Zehn Jahre nach der Gründung von Netzwerk Recherche wollen wir die Aufgaben des Vereins weiterentwickeln. Wir wollen dem Gründungsgedanken gerecht werden und ein Hauptaugenmerk darauf legen, Recherche durch die Vernetzung der Vereinsmitglieder zu fördern."

Der 2. Vorsitzende Grill teilte mit: "Viele Mitglieder haben unmittelbar nach der Vorstandswahl ihre Mitarbeit zugesagt, um erfolgreiche Veranstaltungen auch künftig zu organisieren." Laut Bartsch hat die Krise das Netzwerk keine Mitglieder gekostet, es seien sogar einige dazugekommen. Die Organisation habe derzeit 572 Mitglieder. Sie gilt als einer der Qualitätshüter der Medienbranche.