Neues Ermittlerteam bei "Polizeiruf 110" Am liebsten wie Derrick und Schimanski

Neu in Magdeburg: Das neue Ermittlerteam des "Polizeiruf 110", Claudia Michelsen und Sylvester Groth.

(Foto: dpa)

Sie sind die Nachfolger von Schmücke und Schneider: Claudia Michelsen und Sylvester Groth ermitteln künftig im "Polizeiruf 110" in Magdeburg. Statt auf Glamour-Prominenz setzt der MDR auf zwei hervorragende, vielschichtige Schauspieler. Mit der Wahl ihrer Vorbilder legen sie die Latte für sich selbst hoch.

Von Judith Liere

In der Einladung zur Pressekonferenz tat der MDR geheimnisvoll: Die Kommissare des neuen Polizeirufs 110 sollen in Berlin vorgestellt werden, aber wer sie sind, wurde vorher nicht verraten. Nur so viel stand im Schreiben: Es seien "prominente Schauspieler", die "aus der deutschen Fernsehlandschaft längst nicht mehr wegzudenken" seien. In Zeiten, in denen Til Schweiger als neuer Tatort-Ermittler besetzt wird, klingt das mehr nach Drohung als nach Verheißung.

Erleichterung dann bei der Verkündung am Dienstag, als Claudia Michelsen und Sylvester Groth erscheinen. Sie werden von Herbst dieses Jahres an in Magdeburg ermitteln, zwei Folgen pro Jahr sind geplant. Der Schauplatz Magdeburg wird die Folgen aus Halle ersetzen: Die Kommissare Schmücke und Schneider, gespielt von Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, werden am 3. März mit ihrem 50. Fall in den Ruhestand geschickt. Statt auf Event-Prominenz setzt der MDR also auf zwei hervorragende, vielschichtige Schauspieler. Sylvester Groth ist in der Nähe von Magdeburg, in Jerichow, aufgewachsen; Claudia Michelsen kommt aus Dresden, sie ermittelte schon in der ZDF-Serie Flemming mit Samuel Finzi, die Reihe ist kürzlich aber nach der dritten Staffel eingestellt worden.

Für das Team, das Groth und Michelsen in Magdeburg spielen werden, kommt das oft benutzte Gegensatz-Muster zum Einsatz: Hauptkommissarin Doreen Brasch wird als lässig und impulsiv beschrieben, als eine, die auch Gesetze überschreitet, um einen Fall zu lösen. Hauptkommissar Jochen Drexler soll ein akribischer Tüftler, stets korrekt und diszipliniert sein. Derrick sei sein Vorbild, sagt Groth, Michelsen nennt, halb im Scherz, Schimanski.

"Oldschool" werde der neue Polizeiruf, sagt Regisseur Friedemann Fromm, der auch gemeinsam mit seinem Bruder Christoph das Konzept entwickelt hat. "Magdeburg ist eine Stadt mit großer Vergangenheit und mit einer Gegenwart, von der man nicht ganz weiß, wie es weitergeht. Rau, lebendig und voller Gegensätze", sagt Fromm. Man wolle mit einer "gewissen Ernsthaftigkeit" auch politische Themen erzählen. In der ersten Folge geht es dann auch gleich um Rechtsextremismus.

"Der Film wird sicher nicht im Baumarkt anfangen"

Mit dem Betonen der Ernsthaftigkeit versucht sich der Polizeiruf 110 offenbar auch vom Tatort abzugrenzen, und gegen die "Mode, Ermittler mit Marotten" dazustellen, wie Fromm sagt. Das Privatleben der Kommissare soll, wenn überhaupt, nur in Zusammenhang mit den Fällen eine Rolle spielen. "Ich habe etwas gegen das Überhandnehmen von sich produzierenden Schauspielern", meint Groth. MDR-Fernsehfilm-Chefin Jana Brandt sagt mit Seitenhieb auf den letzten Saarbrücken-Tatort: "Der Film wird sicher nicht im Baumarkt anfangen, sondern direkt mit dem Fall." Und weiter: "Die Kommissare werden keine Hobbys haben, und es ist auch nicht geplant, die Kinder der Schauspieler zu besetzten."

Ob "Oldschool" das ist, was die Zuschauer sehen wollen, und ob man mit der Konzentration auf den Kriminalfall auch noch genug vom Können der beiden Charakterschauspieler mitnimmt, wird man dann im Herbst beurteilen können, wenn die erste Folge gesendet wird.