Neuer Streamingdienst Monster, Mörder und Mutanten

"Kommt nicht her, um uns zu retten. Es ist zu gefährlich": Die Serie Missions über eine Reise zum Mars gehört zum Angebot von Shudder.

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Der Streamingdienst Shudder bietet Filme und Serien für Horror-Fans - und steht mit diesem Nischenangebot für einen aktuellen Trend im digitalen Fernsehen.

Von Karoline Meta Beisel

Seit zehn Monaten ist das Raumschiff schon unterwegs, sein Ziel: der Mars. Die Ulysse 1 und die Crew aus europäischen Wissenschaftlern wollen die erste Weltraummission sein, die auf dem fernen Planeten landet - bis ihnen der Schweizer Milliardär, der das Ganze finanziert, 30 Stunden vor der Landung mitteilt, dass die Nasa schneller war. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht. Er spielt ihnen auch eine Videobotschaft des ersten Menschen auf dem Mars vor, die einzige: "Kommt nicht her, um uns zu retten", sagt der. "Es ist zu gefährlich."

So beginnt die zehnteilige Science-Fiction-Serie Missions, die beim diesjährigen Serienfestival Séries Mania einen Preis des Vereins der französischen Fernsehserienkritiker bekommen hat und damit eingetreten ist in den zwar unbekannten, offenbar aber illustren Verein der von französischen Fernsehserienkritikern ausgezeichneten Fernsehserien. In Deutschland läuft Missions bei "Shudder": einem Streamingdienst, der seit Anfang des Monats um Zuschauer wirbt.

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"Shudder" ist englisch und bedeutet Schauder, und genau das ist auch der Markenkern des neuen Dienstes: Horrorfilme und -serien. Das merkt man schon an den Kategorien, in die das Angebot unterteilt ist, etwa "Spukhäuser", "Grässliche Anatomie", "Hexereien und Ooohs!" oder "Psychopathen und Verrückte". Für fünf Euro im Monat oder 50 Euro im Jahr zeigt Shudder neben Missions vor allem Filme über Monster, Mörder und Mutanten. Zum Angebot gehören aber auch anspruchsvolle Produktionen, die man nicht sofort mit Horror in Verbindung bringen würde, wie das hervorragende Drama Winter's Bone, mit dem Jennifer Lawrence berühmt wurde, Jeff Nichols' Psychothriller Take Shelter oder die Doku Room 237, in der Stanley Kubricks The Shining erörtert wird.

Wie Netflix und Co. setzt auch Shudder auf Eigenproduktionen

Shudder gehört zum amerikanischen Kabelkanal AMC, der mit Eigenproduktionen wie Breaking Bad oder The Walking Dead auch in Deutschland zur Marke geworden ist. Neben Shudder bietet AMC in Deutschland auch den Streamingkanal Sundance Now an, der nach dem gleichnamigen Independent-Kino-Festival benannt ist. Beide Dienste zeigen, dass sich inzwischen nicht nur die einzelnen Inhalte, sondern auch die über diverse Ausspielwege verfügbaren Dienste an immer kleinere Zielgruppen richten, die sich ihr Programm wie von einer Speisekarte zusammenstellen. So kann man bei Amazon etwa auch einen Kanal mit britischen und skandinavischen Krimis oder einen für Angler und Jäger abonnieren. Was wann wo auf welchem Gerät, zu welchem Preis und wie lange zu finden ist - für Fernsehfreunde böte das inzwischen beinahe Stoff für einen eigenen, wenn auch vermutlich eher drögen Horrorfilm.

Wie Netflix und Co. setzt auch Shudder auf Eigenproduktionen, um in diesem System auf sich aufmerksam zu machen: "Lokale Eigenproduktionen sind etwas, das wir für die Zukunft durchaus anstreben", sagt Linda Pan, die bei AMC für Shudder zuständig ist. Vielleicht können sich Zuschauer demnächst also auch auf deutsch gruseln.

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