Neuer Norddeutschland-Tatort Schöne Ensembleleistung

Sebastian Schipper als Kollege - und Freund - Jan Katz (links) von Kommissar Thorsten Falke: ein bisschen steif, aber drinnen ganz warm, ein Nordmensch eben. Kommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller, hinten) ist eine kluge Ergänzung

(Foto: dpa)

Der neue Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke spricht nicht mit seinem Gehirntumor, sondern mit seiner Katze. So eine Rolle passt zu Wotan Wilke Möhring, der mit seinen Kollegen in einem ansprechenden Fall gut harmoniert.

Von Holger Gertz

Das Angenehme am neuen Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke ist ja schon mal, dass vorab nicht so ein heilloses Theater veranstaltet wurde wie zuletzt bei der Amtseinführung der Ermittler Tschiller und Stellbrink.

Wotan Wilke Möhring macht sich einfach an die Arbeit, er erschießt erst mal niemanden, er zitiert nicht Novalis, er hockt nicht mit seinem Baseballschläger auf dem Fensterbrett, er plaudert nicht mit seinem Gehirntumor, allerdings mit seiner Katze.

Das Beruhigende also an diesem Tatort vom NDR ist, dass ausnahmsweise zur Premiere nichts ins irre Extrem getrieben wird. Der nordische Stimmklang - Digger, was geht - nervt zum Beispiel viel weniger als beim schwer auf Küstenromantik getrimmten Fernsehkoch Steffen Henssler.

Falke trinkt die Milch direkt aus der Tüte, sein Wagen ist ordentlich zugemüllt. Der neue Kommissar ist seelisch verwundet, aber nicht so, dass ihn die Schmerzen zum Sonderling machen würden.

Raum für Entwicklung

Möhring passt zur Rolle, oder die Rolle zu ihm. Wenn er im Fernsehen kommt, hat man ja eh selten das Gefühl, jemandem beim Spielen zuzusehen, sondern beim Leben.

Das Casting hier ist spürbar mit großer Liebe und mit Blick für die Personen durchgeführt worden. Sebastian Schipper als Kollege - und Freund - Jan Katz: ein bisschen steif, aber drinnen ganz warm, ein Nordmensch eben. Kriminalkommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ist eine kluge Ergänzung zu Falke, die Darsteller sprechen und spielen miteinander, sie dilettieren nicht aneinander vorbei wie jene aus Saarbrücken.

Katz: "Hast mal was von der Büchse der Pandora gehört?"

Falke: "Wat fürn Ding?"

Katz: "Büchse der Pandora. Gib das mal im Internet ein, dann weißt du, was ich meine."

Falke: "Ach Alter, jetzt hör doch auf mit deinem Pornokram."

Regisseur Özgür Yildirim hat vorher Blutzbrüdaz gemacht, er legt die Rollenprofile so an, dass die Menschen darin sich werden entwickeln können und nicht schon nach zwei Folgen in der Sackgasse stecken, wie Stellbrink und ein bisschen auch Faber aus Dortmund, der sich womöglich noch befreien kann.

Das Drehbuch stammt von Markus Busch, der viel mit Dominik Graf gearbeitet hat. Heraus kommt ein ansprechender Fall über einen Feuerteufel in Hamburg und eine schöne Ensembleleistung. Sogar Falkes Katze spielt irgendwie lässiger als damals die Katze von Lena Odenthal.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr