Neuer Job für Bodo Hombach Wanderer aus innerer Nötigung

Er war Wirtschaftsminister in Düsseldorf, dann Bundesminister im Kabinett Schröder und derzeit ist er Geschäftsführer des Medienkonzerns WAZ. In Politik und Wirtschaft hat Bodo Hombach keinen Nachholbedarf an Ämtern mehr, an wissenschaftlicher Anerkennung mangelt es ihm aber noch. Nun wird er Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Von Hans Leyendecker

WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach ist zum Präsidenten der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik GmbH (BAPP) gewählt worden. BAPP gehört zum namhaften politisch-wissenschaftlichen Institut der Bonner Uni (Bracher-Institut) und soll den Praxisbezug der Politikwissenschaft in Bonn stärken.

Die Ernennung des 59-Jährigen ist eine weitere Sprosse beim wechselhaften Aufstieg des Zeitungsmanagers. Einst war Hombach Landesgeschäftsführer der NRW-SPD und managte erfolgreich die Wahlkämpfe von Johannes Rau. Später wurde er Wirtschaftsminister in Düsseldorf, dann Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Kanzleramtes im Kabinett Schröder; danach war er EU-Beauftragter im Kosovo.

Der frühere Preussag-Geschäftsführer, der er auch einmal war, wurde im Februar 2002 einer der Geschäftsführer des Medienkonzerns WAZ. Erst im Spätherbst 2010 hatte Hombach einen Lehrauftrag in Bonn angenommen, angesichts des fixen Aufstiegs ist eine baldige Professur zu erwarten - ein Wanderer aus innerer Nötigung.

Die BAPP-Präsidentschaft ist ein Ehrenamt und dennoch ein Höhepunkt in der Biographie Hombachs. Der gelernte Fernmeldehandwerker, der erst auf dem zweiten Bildungsweg Abitur machte und später Sozialarbeit studierte, hat in Politik und Wirtschaft keinen großen Nachholbedarf an Ämtern mehr, verträgt aber nach wie vor jede Menge wissenschaftlicher Anerkennung.

Der schwergewichtige Riese aus Mülheim war mal ein Frühchen - und manche Frühchen werden nie satt. Der Mann, dem so vieles gelungen ist, besitzt immer noch die Gabe, sich über Orden und Auszeichnungen freuen zu können.

Das neue Ehrenamt ist auch ein Signal, dass der Abschied von der WAZ für Hombach näher rückt. Es steht zu erwarten, dass noch bis Ende dieses Jahres der konservative Grotkamp-Clan, der rund 470 Millionen Euro für den Kauf des 50-prozentigen Anteils des Konzerns an die Brost-Erben zahlen will, den Zuschlag erhält.

Testamentsvollstrecker Peter Heinemann wird vermutlich das auch vorliegende, deutlich höhere Angebot des Springer-Verlages aus WAZ-internen Gründen ablehnen. Dann wird Hombach, der vor einem knappen Jahrzehnt für die Brosts in Essen angetreten war, seinen Geschäftsführer-Posten räumen müssen - und dürfen.

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