Neuer Job Chefsache

Barack Obama ist der erste amtierende Präsident, der eine solche Gestaltungsaufgabe bei "Wired" übernimmt.

(Foto: Kevin Lamarque/Reuters)

Als erster amtierender US-Präsident gestaltet Technologie-Fan Barack Obama eine Ausgabe des Magazins "Wired". Bereits als Student in Harvard leitete er eine juristische Fachzeitschrift.

Von hubert wetzel

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit will US-Präsident Barack Obama einen kleinen Ausflug in die Medienwelt machen. Obama werde als Gast-Chefredakteur für die Oktober-Ausgabe des Magazins Wired fungieren, teilte die Zeitschrift mit. Wired wird monatlich von Condé Nast herausgegeben, hat eine Auflage von um die 850 000 Exemplaren, und die Redaktion sitzt in San Francisco. Barack Obama dürfte seinen Chefdienst allerdings vom Weißen Haus in Washington aus verrichten.

Das Magazin befasst sich hauptsächlich damit, wie technologische Fortschritte die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik beeinflussen. Für einen intellektuellen, technikbegeisterten Präsidenten ist die Gestaltung einer Ausgabe von Wired damit wohl interessanter als die eines traditionellen Politik-Magazins wie Newsweek oder Time, die ohnehin nur noch Schatten ihrer selbst sind. In der Oktober-Ausgabe, die, so verspricht das Magazin, für Obama "vollkommen maßgeschneidert" wird, soll es um neue Entwicklungen im Bereich der Stadtplanung, der Cyber-Sicherheit, der Medizin und der Künstlichen Intelligenz gehen. Obama ist der erste amtierende Präsident, der eine solche Gestaltungsaufgabe bei Wired übernimmt. Der echte Chefredakteur des Magazins, Scott Dadich, erinnerte allerdings daran, das der Glaube an technischen Fortschritt und die Aufklärung fest zur Gedankenwelt der amerikanischen Gründerväter gehört hätten. Immerhin habe Benjamin Franklin, einer der führenden Kämpfer für Amerikas Unabhängigkeit, den Blitzableiter erfunden.

Ganz unerfahren ist Obama nicht in redaktionellen Angelegenheiten. 1990, als Student an der juristischen Fakultät von Harvard, wurde er als erster Schwarzer zum Chefredakteur des Harvard Law Review gewählt, der wohl renommiertesten juristischen Zeitschrift der USA. "Die Menschen werden das als historisch sehen", sagte damals ein Professor der New York Times. "Aber ich hoffe, es wird nicht überschatten, was dieser Student als Individuum erreicht hat."