Neue Talksendung Das Kostüm als Waffe

Mit "Reinhold Beckmann trifft ..." kehrt Reinhold Beckmann als Talkmaster zurück. Sein Kommentar: "Ich werde rückfällig." In der ersten Sendung durften Sahra Wagenknecht und Wolfgang Joop mit ihm an wechselnden Tischen Platz nehmen.

Von Claudia Tieschky

Als 2014 der Talk Beckmann im Ersten endete, war viel davon die Rede, dass eine Farbe aus dem Talkgeschäft der ARD verschwinde. Und es stimmt schon; das, was der Talker Reinhold Beckmann souverän beherrschte, nämlich das "Menschliche" und zwar inklusive des ganzen Igitt beim, nur bildlich gesprochen natürlich, öffentlichen Entkleidungsversuch einer Persönlichkeit, das gibt es sonst so nicht bei Will/Plasberg/Maischberger. Dort geht es streng zu, sogar das Igitt ist strenger.

Reinhold Beckmann hat seither eine Menge Dinge im TV gemacht, er kann ja auch Reporter und Sportjournalist. Was tatsächlich mit seinem Talk verschwunden war, das bemerkte man am Montag, als der NDR die erste Sendung des neuen Reinhold Beckmann trifft ... zeigte, die der Moderator mit den Worten "Ich werde rückfällig" kommentiert hatte. Es war der Tisch. Bei Beckmann wird gesessen, damals wie heute, nah beieinander, Hände auf die Platte, und dann wird es einfühlsam bis zur Schmerzgrenze. Aber natürlich weiß man ja gar nicht, ob es die Linke Sahra Wagenknecht wirklich schmerzt, wenn Beckmann ihr die Fähigkeit attestiert, "manchmal adelig dazusitzen", und ihr bevorzugtes Kleidungsstück, das Kostüm, als "so eine Art von Waffe" bezeichnet. Wolfgang Joop war auch da, eine aparte Paarung; Beckmann fragte nach abwesenden Vätern (spielen bei beiden Gästen eine wichtige Rolle), nach Einzelgängertum, Sucht in Politik und Mode, nach Rückzugsorten und, na ja, halt nach Glück. Zur Halbzeit begab man sich an einen zweiten Tisch, auf dem zum Beispiel der zerfledderte ReclamFaust der jungen Sahra Wagenknecht lag und das handschriftliche Manuskript von Joops Roman Im Wolfspelz.

Es wurde also eine Menge heraufbeschworen, in der psychologisch eher grobmotorischen Gesprächsführung aber lag bei Beckmann schon immer die Chance auf Sätze, die nicht in der Bunten und nicht in der Gala stehen und - schon wegen der Farbe und dem Menschlichen - nicht mal bei Hart aber fair fallen würden. Wenn man sich völlig ins Hamsterrad der Politik begebe, sagte Wagenknecht irgendwann, dann "kommt am Ende wirklich Seehofer raus, gar nicht, weil ich ihm jetzt was Übles will, aber man ist dann überhaupt nicht mehr ein normaler Mensch"; oder Merkel - "jemand, der eigentlich völlig fertig ist, rein menschlich." Nächste Woche übrigens kommt Markus Lanz zu Beckmann, der menschliche Talker vom ZDF. Das kann ja heiter werden.

Reinhold Beckmann trifft ..., NDR, montags, 23 Uhr, am 6. August 22.45 Uhr.