Neue Staffel "X Factor" Beschütztes Singen

Wenn ein Kandidat mal versagt: Die Casting-Show "X Factor" distanziert sich von den Drill-Instructor-Tönen, die man bei DSDS oder Popstars zu hören bekommt. Das Gefühls-Prinzip funktioniert. Auch mit ein bisschen lieb sein, wird hier eine "hammer" Wirkung erzielt.

Von Hans Hoff

Eigentlich sollten Castingshows künftig von Baumärkten gesponsert werden. Schließlich kommt in diesen Auslesewettbewerben kaum jemand ohne das ultimative Adjektiv aus. Es lautet Hammer. Man kann das sehr schön belegen am Schluss der ersten Folge der neuen "X Factor"-Staffel, die an diesem Samstag bei RTL läuft, von Sonntag geht sie dann regulär bei Vox weiter.

"Och Mann, och Mensch": Jurorin Sarah Connor (links) tröstet in der dritten Staffel von "X Factor" ihre Kandidaten. Wenn es denn sein muss. 

(Foto: dpa)

"Hammer Performance", sagt die Jurorin und Guano-Apes-Sängerin Sandra Nasic: Der Scooter-Frontmann H.P. Baxxter kramt in demselben Werkzeugkasten. "Hammer. Ganz toll!", schwärmt er. Auch der Produzent Moses Pelham weiß sein Schlagwerkzeug beizusteuern. "Ich bin ergriffen. Du hast mich hammer erreicht", schnüffzt er.

Da wirkt es fast wie ein Verstoß gegen goldene Juroren-Regeln, dass die Sängerin Sarah Connor gerade keinen Hammer dabei hat. "Och Mann, och Mensch", sagt sie und eilt zu einer weinenden Kandidatin, um zu trösten. Beim Trösten hilft kein Hammer, aber ein Taschentuch hat Frau Connor auch nicht dabei.

Wenn man diese Szene gesehen hat, versteht man, was Vox-Chefredakteur Kai Sturm angekündigt hat, als er sagte, dass sich die dritte Staffel von "X Factor" aus der Musik nähren werde. Keine Geschichten mehr von krebskranken Müttern oder sterbenskranken Großvätern - allein das, was auf der Bühne passiert, soll fesseln.

Das tut es tatsächlich in erstaunlichem Maße. Man setzt bei Vox ganz und gar auf die Spannung, die sich aus dem Verhältnis von Performance und Wirkung ergibt. Wenn junge Menschen in ihrer Musik aufgehen, rückt die Kamera ganz nah an sie heran. Und dann wechselt die Regie auf die Juroren und schaut, was der Vortrag bei ihnen auslöst.

Es ist eben die Kunst, die Bilder so aneinander zu schneiden, dass sie von selbst erzählen. Man kennt das aus gut gemachter Fernsehreklame, wenn etwa eine Schokolade mit ganz vielen Dankbarkeitsbildern beworben wird, und auf einmal mehr Glück im Raum steht, als es das restliche Fernsehprogramm an einem Abend zu liefern imstande ist.

Viel Emotion ist also nun bei "X Factor" zu sehen und eben zu spüren. Die Emotion speist sich tatsächlich aus der musikalischen Prüfungssituation, aus dem Bestehen, aus dem Versagen und aus dem Knapp-daneben-liegen. "X Factor" distanziert sich damit noch deutlicher von den Drill-Instructor-Tönen, die man bei Deutschland sucht den Superstar oder bei Popstars zu hören kriegt, wenn ein Kandidat mal nicht hammer abliefert.

Das driftet ab und an ein wenig ab in allzu beschauliche Idyllen, in beschütztes Singen sozusagen. Aber es zeigt, dass man eben auch mit ein bisschen lieb sein eine hammer Wirkung erzielen kann.

Nicht so hammer sind die eingestreuten Backstage-Szenen. Die wirken künstlich und zusammengestoppelt. RTL und Pro Sieben holen aus solchen Situationen eindeutig mehr raus, was indes oft auf Kosten der Teilnehmer geht, die vor der Kamera regelrecht ausgeweidet werden.

Vox bleibt da zahm und knallt seinen Schützlingen hinter der Bühne kein grelles Kameralicht ins Gesicht. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Bühnengeschehen, bei dem immer wieder mal sehr deutlich wird, wo der Hammer wirklich hängt.

X Factor, an diesem Samstag (RTL) und Sonntag (Vox), jeweils 20.15 Uhr.

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