Neue Serie "The Bold Type" Bisschen Feminismus, bisschen Instagram

Freundinnen in jeder Lage: Sutton (Meghann Fahy, l.), Jane (Katie Stevens) und Kat (Aisha Dee, r.).

(Foto: Medland/Freeform/Universal Television)

Die Serie "The Bold Type" wagt sich an die komplexeren Fragen des Frauseins. Allerdings nur bis zur nächsten Party.

Von Angelika Slavik

Da sind diese Momente. Wenn die Heldin am Morgen nach der - huch! - verbotenen Liebesnacht mit dem Vorgesetzten aus dessen Apartment stöckelt: geduscht, geföhnt, geschminkt, ohne jedes Bei-dem-Kerl-gibt-es-nicht-mal-einen-Kamm. Oder wenn die Freundinnen nach den überstandenen Turbulenzen des Tages gemeinsam am Büroboden hocken und kichernd Champagner süffeln, heimlich begleitet vom mütterlichen Blick der natürlich schrecklich, schrecklich mächtigen Chefredakteurin. Das sind die Momente, in denen man The Bold Type gerne abschreiben möchte.

Aber diese Serie rund um drei junge Frauen wagt sich zwischen all der Klischeepampe um Rooftop-Partys und Spitzentangas eben schon auch an die großen Fragen des Feminismus unserer Zeit: Was ist ein emanzipiertes Leben? Wie kriegt man das? Und will man es überhaupt?

Man verfolgt also die Schwierigkeiten des Alltags von Jane, Kat und Sutton, die in unterschiedlichen Funktionen beim Frauenmagazin "Scarlet" arbeiten. Kat, die Social-Media-Managerin des Magazins, verkörpert das Ideal eines emanzipierten Lebens: Ihr Selbstbewusstsein ist unerschütterlich ("als Kind zu oft gelobt"), ihr Wesen fröhlich, und auch als sie Zweifel an ihrer sexuellen Orientierung bekommt, gibt es kein Zeichen von übermäßiger Verunsicherung: Lesbisch oder hetero, darauf kommt es doch nicht an!, verkündet sie. Das ist Instagram-Poesie, wie man sie nicht besser erfinden könnte. Aber zwischendurch ist da eben auch die Frage, ob ein Kopftuch immer ein Zeichen der Unterdrückung ist oder ob es freimachen kann "von der gesellschaftlichen Erwartung, wie eine Frau auszusehen hat". Das ist verdammt kompliziert, und Kat kann nicht zu lange darüber nachdenken, die nächste Gala wartet schon. Aber da war die Frage, immerhin.

Botschaften klingen auch mal so plüschig wie: "Glaubt an eure Träume, Mädchen!"

Oder Sutton, die für die Verkörperung moderner Karriereprobleme zuständig ist. Die hat die Chance auf eine gut bezahlte Position, die allen finanziellen Engpässen für immer ein Ende bereiten würde - aber natürlich liegt ihre Leidenschaft dort, wo das Risiko hoch und die Bezahlung schlecht ist. Was soll man da tun? Die Antwort, man ahnt es, ist ein plüschig-pinkes "Glaubt an eure Träume, Mädchen!", was man inspirierend finden kann oder kitschig. Aber eine verdammt erwachsene Frage war es schon. Sutton hat außerdem ein Verhältnis mit einem mächtigen Kerl aus der Chefetage, was die eine oder andere Gewissensentscheidung nach sich ziehen könnte. Ob man beruflich davon profitieren will, zum Beispiel. Oder wer am Ende übrig bleibt, wenn diese Affäre endet, wie Affären nun mal bisweilen so enden: irgendwie unschön. Sutton versinkt nicht übermäßig in dieser Problematik, aber sie streift sie, und die Zuschauer, die sehen das Unheil kommen, bevor - Achtung, Selfie! - es wieder Zeit wird für ein bisschen Party und ein bisschen schrecklich eleganten Sex mit dem Chefetagen-Kerl.

Es gibt ja Menschen, die finden, Sex and the City habe einst mindestens so viel für die Emanzipation getan wie, sagen wir, Alice Schwarzer. Das liegt daran, dass diese Serie ein Bild von der sexuell emanzipierten Frau zeichnete, Sex and the City war also eine große, entschiedene Antwort auf eine Frage dieser Zeit. Da machte es auch nichts, dass die Charaktere zwischen all den Orgasmen doch nur auf den Ritter mit der glänzenden Rüstung hofften, der einfach nicht daherkommen wollte.

In The Bold Type ist das Streben der Hauptfiguren nicht nur darauf ausgerichtet, endlich romantisch geheiratet zu werden. Hier gibt es komplexere Fragen, auch wenn man die leicht übersehen könnte wegen all der High Heels, Cocktails und schönen Menschen. Wird diese Serie eine Ikone werden, von der man in zwanzig Jahren noch spricht? Wohl kaum. Dafür hätte sie hinabsteigen müssen in die düsteren Ecken, die der Gesellschaft und die der menschlichen Seele. Dorthin, wo die Antworten sind. Sie belässt es lieber bei ein bisschen Feminismus und ein bisschen Instagram. Das ist nicht weltverändernd, aber durchaus vergnüglich.

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