Tunlichst auf alles Undenkbare vorbereitet zu sein, egal nun, ob es einst Regionales im Landesstudio des SWR war oder Boulevardeskes bei Hallo Deutschland, gehört für Bettina Schausten zum Handwerk. Sie gräbt sich in Themen ein, wartet nicht auf den Kuss einer Muse, die auf dem Lerchenberg in Mainz eh nicht fest angestellt ist, sondern erarbeitet sich Kompetenz.

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Das zeigt sie unter anderem bei der Präsentation des ZDF-Politbarometers: "Die Zahlen der Umfragen finde ich schon deshalb politisch spannend, weil die zeigen, wie normal das Volk eben doch auf die Leistungen seiner Vertreter reagiert."

Das bewies sie als Chefin des Ressorts Innenpolitik, wo sie beim Amtsantritt kurz überrascht war, dass von ihr Führung erwartet wurde auch von Redakteuren, die sich prinzipiell ungern führen lassen.

Bettinas Wurzeln - und Ambitionen

Während ihres Studiums - Literatur, Geschichte und Theologie, Letzteres nur, um mehr zu erfahren von den Wurzeln katholischer Soziallehre und protestantischer Sozialethik - schwankte sie noch zwischen dem Wunsch, Redakteurin bei der Brigitte oder bei der Zeit zu werden, beides schien gleichermaßen verlockend. Das eine Bettinas Wurzeln entsprechend, das andere Schaustens Ambitionen.

Aber das erste Angebot kam von den Öffentlich-Rechtlichen. Den Anstalten blieb sie in verschiedenen Rollen treu. Unter anderen als Referentin des damaligen ZDF-Chefredakteurs Klaus Bresser. Was zum Teufel lernt man da? "Nach welchen Regeln das alles funktioniert".

Als Frau unter Männern hätte sie durch ihre Weiblichkeit auffallen können, doch zog sie es vor, durch Leistung aufzufallen. Das gelang. Bis heute scheint sie sich zu tarnen unter dunklen Hosenanzügen, mit denen eine Frau unter dunkelanzügigen Männern nicht auffällt. Sie könnte aber, auch ohne Stilberaterin, mehr aus sich machen, ohne sich zu ändern, denn sie muss sich nun wirklich nicht verstecken.

Die Katholikin ist seit ein paar Jahren in ihrer Ehe da angekommen, wo sie schon mal früher ankommen wollte. Ihr Privatleben ist nicht öffentlich-rechtlich, es sei denn, die Bunte beauftragt Schnüffler in Berlin, was dann wohl rechtliche Konsequenzen hätte.

Sprechblasen lässt sie platzen

Die Ernsthaftigkeit, mit der sie Politiker befragt, spricht für sie, weil Bettina Schausten stellvertretend für alle fragt, die ihr zuschauen. Dass sie weiß, wovon sie redet, wissen mittlerweile auch die, denen sie die Fragen stellt, und hüten sich, in Sprechblasen zu antworten. Denn die lässt sie gegebenenfalls live platzen. Einmal sogar mit einem Knall.

Als nach der sächsischen Landtagswahl 2004 der NPDler in der Fragerunde zu pöbeln begann, brach sie kurz entschlossen das Interview mit dem Rechtsradikalen ab. Dem Vorwurf, unprofessionell reagiert zu haben, begegnete sie professionell, das ZDF sei nicht verpflichtet, Propaganda zu versenden.

Grundsätzlich kann ein Mensch, der wie sie die süchtig machende Psychoanalytiker-Serie Treatment auf 3sat gut findet, auch im normalen Leben so schlecht nicht sein. Ob sie dafür noch Zeit haben wird, auch fürs Geigenspiel, ist fraglich.

Eher wird man sie abends mit einem Instrument namens Mikrofon vor dem Kanzleramt sehen, wo bisher Peter Frey, nunmehr Chefredakteur des ZDF, oder Peter Hahne standen. Der darf zukünftig von einem sonntäglichen Sendeplatz aus Gott und die Welt befragen, sommers wie winters, aber immer erst nach Mittag, wenn am Tag des Herrn sogar in Lüdinghausen die Glocken verklungen sind. Dies wird vielerorts als besonders erfreulicher Nebeneffekt von Schaustens Aufstieg betrachtet.

Ein deutscher Obama, schrieb sie im Wahlblog des ZDF vor der Wahl 2009, "wäre schon deshalb keiner, weil er immer aus Grevenbroich käme oder aus Brakelsiep", dies bekanntlich Heimat des einstigen SPD-Kandidaten Frank Walter Steinmeier, und wie Lüdinghausen gelegen in Nordrhein-Westfalen. Von dort kommt jetzt eine, die eine Wahl für Berlin gewonnen hat.

Um Gottes willen, bitte tiefer hängen, würde Bettina Schausten auf diesen Schluss reagieren.

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  1. "Jungs, lasst es gut sein"
  2. Sie lesen jetzt Sie wartet nicht auf den Kuss einer Muse
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(SZ vom 13.03.2010/jobr)