Neue Chefin für die ARD-Tochter Degeto Widerstand gegen den Aufstieg der Schäuble-Tochter

Früher plante Strobl im SWR Familien- und Kinderprogramme. Als eine ihrer besonderen Leistungen gilt die Modernisierung des Tigerenten Clubs. Das klingt nicht sehr weltläufig, jedenfalls nicht nach Tatort und profiliertem Fernsehspiel. Vielleicht ist Strobl wegen ihrer beruflichen Vergangenheit unterschätzt worden, irritiert hat sie das offenbar nicht. In der ARD nahm sie wie selbstverständlich ihren Platz ein, so auch in der Gemeinschaftsredaktion Haupt- und Vorabend.

Die 40-Jährige ist die älteste Tochter von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sie studierte Jura und kam 1999 zum SWR. Dort war sie anfänglich für die Radiowelle SWR 4 und in der Intendanz tätig. Als Sender-Chef Peter Boudgoust dem Verwaltungsrat 2010 unterbreitete, Strobl solle die Hauptabteilung Film- und Familienprogramm steuern, regte sich im 3500 Mitarbeiter fassenden Sender vernehmbarer Widerstand.

Die familiären Umstände von Frau Strobl haben beim Auswahlverfahren weder positiv noch negativ eine Rolle gespielt", informierte Boudgoust. Allein "die Fach- und Führungskompetenz" sei entscheidend gewesen. Der eine oder andere, der vorgab, sich um die Qualität des SWR-Fernsehspiels zu sorgen, das beispielsweise mit Mogadischu internationale Anerkennung fand, suchte wohl einen Vorwand, dem SWR eine CDU-nahe Haltung zu unterstellen. Boudgoust hat das zurückgewiesen und Christine Strobl durchgesetzt.

Dass die Intendanten ihrer Berufung Mitte März zustimmen, ist sehr wahrscheinlich. Nach Monaten der Unruhe, Pannen und Peinlichkeiten, nachdem mittlerweile auch die Akte Jurgan geschlossen wurde, soll sich das Klima in der Frankfurter Produktionstochter und für alle, die mit der Degeto zusammenarbeiten, normalisieren.

Strobl würde Bettina Reitz ersetzen, Jurgans Co-Geschäftsführerin, die bald nach Eintritt ins Degeto-Management die wirtschaftliche Schieflage erkannte. Sie sorgte mit ARD-Programmdirektor Volker Herres, bislang dritter Degeto-Geschäftsführer, und der vom Hessischen Rundfunk (HR) geführten Task Force für Aufklärung.

Melodrama auf Niveau

Reitz war erst im Mai des vergangenen Jahres zur Degeto gewechselt. Zuvor hatte sie beim Bayerischen Rundfunk (BR) erfolgreich Spielfilme und Serien fertigen lassen, im Juni wird sie als Fernsehdirektorin ins Münchner Funkhaus zurückkehren. Ihre Mission war es, die fiktionale Süßstofffabrik der ARD zu modernisieren und zu profilieren. Man erwartete von ihr Melodrama auf Niveau für die Freitag- und Sonntagabende, dazu die Fortführung der wichtigen Kino-CoFinanzierung.

Das sind Aufgaben, die künftig Christine Strobl lösen muss. Ob sie schon im Sommer bei der Degeto beginnt, ist noch nicht entschieden, genauso wenig wie ihre Nachfolge beim SWR. Strobl war an diesem Sonntag nicht zu erreichen.