Neuauflage von "Pardon" Vom Teufelchen geritten

Das Cover der Jubiläumsausgabe des Satiremagazins "Pardon".

(Foto: obs)

Seit 2007 schien es endgültig eingestellt - jetzt kommt zum 50. Geburtstag eine Neuauflage des Satiremagazins "Pardon" heraus. Die Textqualität variiert von überraschend originell bis hin zu altbacken-muffig. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Von Rupert Sommer

Nicht alle deutschen Verlage bauen derzeit Stellen ab, nicht alle Medienunternehmer scheuen das Investitionsrisiko. Wolfram Weimer wagt sich auf den derzeit so turbulenten Zeitschriftenmarkt zurück - mit einem Titel, der länger in Vergessenheit geraten war: das 1962 gegründete Satiremagazin Pardon. Am Nikolaustag erscheint eine 128-seitige Neuauflage des einst so berühmten Blattes, für das F. K. Waechter das Titellogo mit dem Teufelsmännchen samt gelüpfter Melone entworfen hatte. "Ich gehe alleine ins wirtschaftliche Risiko. Da gibt es keine Konzernkostenstelle, bei der wir Rechnungen abbuchen können", sagt Weimer. Den Vertrieb des Magazins (Druckauflage: 70 000 Exemplare, Heftpreis: 5 Euro) übernimmt Gruner + Jahr.

Ob auf das einmalige Engagement, das der ehemalige Cicero-Gründungsherausgeber, Welt- und zuletzt gescheiterter Focus-Chefredakteur Weimer aus seinem eigenen Vermögen bestreitet, weitere Ausgaben folgen werden, hängt vom Verkaufserfolg ab - und der Nostalgieneigung der anvisierten Zielgruppe. Dass Pardon ein Selbstläufer werden wird, ist, mal abgesehen vom neuen Konzept, das neben ausreichend Charme auch einige Schwächen aufweist, keineswegs sicher. 2004 scheiterte der Leipziger Satiriker Bernd Zeller, als er Pardon wieder erfolgreich machen wollte. Nach einigen Verlagswechseln wurde das Magazin 2007 mal wieder beerdigt.

Die Entscheidungen darüber, welche Themen das Heft-Comeback behandelt und wie sie anzugehen sind, überließ Weimer zwei jungen Chefredakteuren: Peter Böhling und Daniel Häuser, die sonst in München selbst das boulevardeske Medienmagazin Clap herausgeben. "Wir dachten zunächst, dass es mit uns dreien schwieriger werden würde", sagt Weimer. "Die beiden hatten offenbar bis zum Schluss Angst, dass ich ihnen noch ein explizit wertkonservatives Stück unterschieben würde", scherzt Weimer. Aber man raufte sich zusammen.

Er selbst fungiert beim Gemeinschaftsprojekt - neben seiner Geldgeberrolle - lediglich als Herausgeber und konterte Anwürfe seine eigenen Satirefähigkeiten betreffend dadurch, dass er selbst nur ein Stück zum Magazin beisteuerte. Das allerdings ist immerhin kurios aufgezogen: Nach einer Einladung zum vergangenen Petersburger Dialog, in der Entourage von Kanzlerin Merkel, war er ob der Eiseskälte von Russlands Staatspräsidenten in Menschenrechtsfragen so angegriffen, dass er eine satirische Bewunderungsadresse an Wladimir Putin beisteuerte. In ihrer grotesken Tatsachenverdrehung - etwa was den Umgang mit den Sängerinnen von Pussy Riot angeht - hat sie Schärfe. "Ich weiß, dass selbst kleine Schnipsel, die in westlichen Zeitungen auftauchen, den Menschen in den Diktaturen sehr viel bedeuten", bilanziert Weimer die Wirkung seines eigenen Texts ein wenig großspurig. Die Textqualität im neuen Pardon variiert von überraschend originell bis hin zu altbacken-muffig. Es gibt Ressort-Rubrizierungen wie "Mumpitz", "Gassenhauer" oder "Turteleien", Hellmuth Karasek schreibt über Loriot und Wetten, dass . . ? zu Frank Elstners Zeiten. Ins Blatt fanden eine eher lieblose Rückschau von Harald Dzubilla, dem "Spießer Alfons", Erzählungen von Woody Allen und Heinrich Böll. Harald Schmidt, den Weimer im Herbst ankündigen ließ, sucht man vergeblich.

Papier für einen möglichen Nachdruck von Pardon hat Weimer vorsorglich schon bestellt. Wenn es gut läuft, soll es zur Bundestagswahl eine weitere Ausgabe geben. Das würde dann ein "deutlich politischeres Heft".