Ein NDR-Redakteur soll bestochen worden sein - doch er gilt als kleines Licht in dem großen Sender. 200.000 Euro soll er für die Beschaffung von Sendezeit bekommen haben.
Der NDR-Fernsehredakteur Gerd. R., gegen den die Kieler Staatsanwaltschaft wegen Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt, soll für den Zeitraum von zweieinhalb Jahren angeblich 200.000 Euro von der Klinik- und Tourismusgruppe Damp Holding erhalten haben. Dies geht aus Unterlagen der Strafverfolgungsbehörden hervor.
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Redakteur des NDR. (© Foto: dpa)
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R. soll angeblich von dem früheren Vorstandschef der Klinik- und Tourismusgruppe Carl Hermann Schleifer bestochen worden sein. Gegen den früheren CDU-Finanzstaatssekretär hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen des Verdachts der Bestechung eingeleitet. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass der Journalist dem Unternehmen Sendezeiten im Fernsehen besorgt haben soll.
Keine große Nummer
Erste Überprüfungen des NDR haben diesen Verdacht nicht bestätigt. "Nach derzeitigem Stand gibt es keine außergewöhnliche Häufung von Berichten über Damp" erklärte eine NDR-Sprecherin. Auch ist es unwahrscheinlich, dass R. überhaupt für Sendezeiten sorgen konnte. Er hatte keine Programmverantwortung und war auch im Kieler Landesstudio keine große Nummer.
Anfang nächster Woche will der NDR die im Regionalprogramm ausgestrahlten Beiträge über Damp sichten. Der Sender hat den Redakteur nicht suspendiert, sondern ihn nur gebeten, Urlaub zu nehmen.
Der Vorgang ist ein Rätsel
Schleifers Anwalt erklärte, die Vorwürfe der Ermittler seien unzutreffend. Der frühere Damp-Chef habe keinen Einfluss auf journalistische Berichterstattung genommen. Die Anwältin von R. hatte bereits am Donnerstag erklärt, ihr Mandant weise alle Vorwürfe zurück und sei "schockiert". Weitere Angaben wollte sie nicht machen, da sie keine Akteneinsicht habe. Den Verdächtigen ist bislang nur der Durchsuchungsbeschluss bekannt.
Der Vorgang erscheint aus vielerlei Gründen weiterhin rätselhaft. Die 200.000 Euro sollen angeblich von Damp als Zahlungen für Mediencoaching deklariert worden sein. Schleifer, der sehr medienerfahren ist, brauchte vermutlich kein Coaching. Gerd R. soll zwar eine Nebentätigkeitserlaubnis gehabt haben, aber 200.000 Euro für Coaching erscheinen Experten sehr hoch.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei weitere Personen wegen Verdachts der Beihilfe zur Bestechlichkeit. Beide sind keine NDR-Mitarbeiter; bei einer der Beschuldigten handelt es sich um seine Ehefrau.
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(sueddeutsche.de/wolf)
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