NDR Ein Neuer am Tatort Hamburg

Für die gefeuerte Spielfilmchefin Doris J. Heinze hat der NDR offenbar Ersatz gefunden: Der Mann heißt Christian Granderath.

Von Christopher Keil

Es gab vieles, was Thomas Schreiber in den vergangenen Monaten anpacken musste beim Norddeutschen Rundfunk. In Hamburg ist er für Fiktion und Unterhaltung des NDR zuständig, für die ARD brachte er die Kooperation mit Pro Sieben beim Eurovision Song Contest auf den Weg. Nebenher leitete er kommissarisch die NDR-Abteilung Fernsehfilm.

Ende August 2009 kam heraus, dass Doris J. Heinze Drehbücher unter anderen Namen verkauft und sich dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil beschafft haben soll. Der NDR entließ sie fristlos, Heinze klagte. Für Juni steht ein Gerichtstermin in Aussicht.

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Dort hatte über viele Jahre die inzwischen 60-jährige Doris J. Heinze das Kommando. Ende August 2009 kam heraus, dass Heinze Drehbücher unter anderen Namen verkauft und sich dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil beschafft haben soll. Der NDR entließ sie fristlos, Heinze klagte. Für Juni steht ein Gerichtstermin in Aussicht.

Noch vorher, offenbar im Mai, könnte die vakante Position nun wieder besetzt werden. Nach SZ-Informationen soll Christian Granderath, 50, Nachfolger Heinzes werden. Er ist derzeit bei dem in Berlin ansässigen Unternehmen Teamworx (Tunnel, Dresden, Die Flucht) tätig. NDR-Intendant Lutz Marmor soll dem NDR-Verwaltungsrat in der nächsten Sitzung die wichtige Personalie vorschlagen.

Es wäre für den Vierländer-Sender eine gute Lösung. Granderath, der sein Geschichts- und Germanistikstudium in München mit einer Arbeit über Film und Politik in der Weimarer Republik abschloss, ist seit 1991 im Geschäft: zunächst als Fernsehspielredakteur des Südwestfunks mit Zuständigkeiten auch für den Tatort und das Debüt im Dritten, später für die WDR-Tochter Colonia Media in Köln. 2008 engagierte ihn die Ufa-Firma Teamworx.

Arbeit mit Wortmann, Dresen, Schmid

Granderath hat so ein ähnlich komplettes Profil wie Reinhold Elschot, den ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut vor zwölf Monaten zum Fernsehspielchef des Zweiten machte, weil Elschot sowohl als Redakteur wie auch als Produzent tätig war und sämtliche Seiten der Herstellung eines Films kennt.

Granderath, der wie Schreiber für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hat mit herausragenden Regisseuren gearbeitet, zum Beispiel mit Sönke Wortmann, Andreas Dresen, Hans-Christian Schmid oder Matthias Glasner. Mit seinen Produktionen und Co-Produktionen wurde er national und international ausgezeichnet.

Im Sommer, beim Münchner Filmfest, werden gleich zwei seiner wohl letzten Teamworx-Projekte als Premieren gezeigt: Tod einer Schülerin - im Titel ist das Thema beschrieben, und Kongo, die ambitionierte Geschichte eines fiktiven Einsatzes deutscher Elite-Soldaten in Zentralafrika, wohin eine Ermittlerin der Feldjäger geschickt wird, um einen Selbstmord aufzuklären.

Beide Filme wurden für das ZDF gemacht - vermutlich werden sie ausgestrahlt, wenn Granderath schon beim NDR unter Vertrag steht.