Nachrichtenmagazin Hamburger

Ausgerechnet am G-20-Wochenende in der eigenen Stadt erschien der "Spiegel" mit einem Ernährungs-Titel. Der Gipfel kam zwar im Heft ausführlich vor, die Signalwirkung der Themenwahl bleibt dennoch schwierig.

Von David Denk

Er ist eine Steilvorlage für Social-Media-Scherzkekse, der Spiegel-Titel zum "Ernährungskult". In der vom Journalisten Dominik Wichmann angeregten Diskussion kommentierte einer: "Wieso? Ist doch ein Hamburger auf dem Titel!" Der frühere Stern-Chef hatte kritisiert, dass das Nachrichtenmagazin ausgerechnet am Wochenende des G20-Gipfels in der eigenen Stadt mit dem Fast-Food-Klassiker aufmachte.

Darunter findet sich freilich der Hinweis auf einen G2o-Teil im Heft, worauf auch Chefredakteur Klaus Brinkbäumer auf SZ-Anfrage hinweist, wie auf zwei Titel zum Thema in den vergangenen Wochen. Zudem hätte für eine aktuelle Geschichte der Redaktionsschluss verschoben werden müssen. Und trotzdem bleibt die Signalwirkung schwierig - auch wenn niemand die Eskalation vorhersehen konnte und Spiegel Online laufend berichtete. Es entsteht der Eindruck eines Heftes, das bequeme Entscheidungen trifft, satt und selbstzufrieden wirkt. Einen Fehler jedenfalls will in dem Hamburger-Titel weder der Chefredakteur erkennen noch Vize Susanne Beyer, die im Spiegel-Newsletter einen "gar nicht so fernen Zusammenhang" sieht - und einen Gemeinplatz bemüht: "Essen ist politisch, in Zeiten der Globalisierung so sehr wie noch nie."