Nachrichtenfabrik Demand Media Akkordarbeit an den Tasten

Zu vermeintlich werbewirksamen Themen liefert Demand Media Internettexte und Videos wie am Fließband - das merkt man der Qualität an. Dennoch hat das Unternehmen damit Erfolg.

Von Michael Moorstedt

Selten war ein Satz zutreffender als dieser: "Obwohl wir es lieben, The Economist, The Washington Post und Wired zu lesen, haben wir mit ihnen kaum etwas gemeinsam." Richard Rosenblatt, der Vorstandschef von Demand Media, schrieb ihn im vergangenen Jahr für einen Text, den er als Manifest bezeichnete.

Rosenblatt spart nicht mit großen Worten, wenn es um sein Geschäft geht. Sein Ziel klingt ehrenwert: sämtliche Fragen, die sich die Menschen im Internet stellen, will er beantworten.

Hinter dieser Mammutaufgabe steht ein Algorithmus, der berechnet, welche Themen gerade am wertvollsten sind. Dazu werden Milliarden täglicher Suchmaschinen-Anfragen ausgewertet und mit einem aktuellen Werbewert verrechnet. Die als profitabel eingestuften Themen speist Demand Media in eine Datenbank ein, in der zu jedem Zeitpunkt mehr als 100.000 Aufträge liegen.

Ein Heer von inzwischen mehr als 10.000 freiberuflichen Autoren und Amateurfilmern pumpt täglich mehr als 5000 Artikel und Videos auf die angeschlossenen Partner-Seiten wie das Fitnessportal livestrong.com, die Ratgeber-Website ehow.com oder den Clip-Riesen YouTube. Die Autoren können sich für zehn Texte gleichzeitig bewerben. Erhalten sie einen Auftrag, haben sie eine Woche Zeit, um zu schreiben.

Wie Demand Media in dieser Woche bekanntgab, hat die Firma erstmals in ihrer vierjährigen Geschichte Gewinn gemacht. Nicht viel, eine Million Dollar im vierten Quartal 2010. Aber immerhin. Das Konzept scheint aufzugehen. Die Geschäftsidee bleibt fragwürdig.