Nach wiederkehrenden Verlustjahren Westfälische Rundschau verliert ihre Redaktion

Die Westfälische Rundschau verkauft täglich 115.000 Exemplare, spielte zuletzt aber nur noch Verluste ein. Nun wird die Redaktion geschlossen. Die Konsequenzen für die Mitarbeiter sollen durch einen Sozialplan abgefedert werden.

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Die Branchenkrise im Zeitungsgewerbe kostet erneut die Arbeitsplätze von Journalisten: Nach der "Financial Times Deutschland" und der "Frankfurter Rundschau" hat nun die "Westfälische Rundschau" gravierende Einschnitte angekündigt: Die Redaktion wird aufgelöst, wodurch 120 Stellen verloren gehen. Der Titel soll aber erhalten bleiben.

Die Defizite wurden einfach zu hoch: 50 Millionen Euro Verlust soll die Westfälische Rundschau in den letzten Jahren eigefahren haben - jetzt schließt die WAZ Mediengruppe, zu der das Blatt zählt, die Redaktion der defizitären Zeitung. Das teilte die WAZ-Gruppe am Dienstag mit. Betroffen von der Entscheidung sind demnach 120 Stellen. "Wir werden alles daran setzen, diesen Arbeitsplatzabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten", erklärte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus in einer Pressemitteilung. Der Titel solle aber durch eine Zusammenarbeit mit Konkurrenten erhalten bleiben.

Ein Sozialplan sieht für die Mitarbeiter - gestaffelt nach Alter und Betriebszugehörigkeit - Abfindungen vor. Die Westfälische Rundschau (WR) ist mit einer verkauften Auflage von 115.000 einer der vier NRW-Titel der WAZ-Gruppe. Die anderen drei WAZ-Titel in Nordrhein-Westfalen, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ), und die Westfalenpost schreiben dagegen schwarze Zahlen.

Bereits im vergangenen September hatte die WAZ-Gruppe eine weitere Sparrunde angekündigt, wie der Branchendienst kress.de damals bereits berichtete. Demnach sollen in den deutschen Unternehmensteilen im kommenden Jahr die Kosten um ein Fünftel sinken.

Im Dezember erst hatte der Verlag Gruner + Jahr die Financial Times Deutschland eingestellt, die ebenfalls rote Zahlen schrieb. Dort waren 300 Mitarbeiter betroffen. Die Frankfurter Rundschau, die dem Verlag M. DuMont Schauberg (Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung) sowie der SPD-Medienholding DDVG gehört, hatte angesichts massiver Verluste im November Insolvenz angemeldet. Sie kämpft ums Überleben und soll vorerst bis mindestens Ende Januar erscheinen.

"Wir sehen keine andere Möglichkeit"

Auch die WR soll weiter erscheinen. "Unser Ziel ist es, die Westfälische Rundschau zu erhalten und damit die Medienvielfalt in dem Verbreitungsgebiet sicherzustellen", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Den Mantel der WR liefert demnach die Zentralredaktion der WAZ-Gruppe, lokale Inhalte kommen ab Februar von der WAZ-eigenen Westfalenpost sowie von den Ruhr Nachrichten aus dem Dortmunder Medienhaus Lensing, vom Hellweger Anzeiger in Unna und vom Märkischen Zeitungsverlag in Lüdenscheid, der zur Verlagsgruppe Ippen gehört.

Vor einem Jahr hatte Petra Grotkamp, eine Tochter des Mitgründers Jakob Funke, die Mehrheit an der WAZ-Gruppe übernommen, die auch in Thüringen und Niedersachsen sowie in Österreich und Osteuropa aktiv ist. Geführt wird der Verlag von drei Geschäftsführern - Christian Nienhaus, Manfred Braun und Thomas Ziegler. Alle drei stellten öffentlich hinter die Entscheidung, die WR-Redaktion zu schließen.

"Wir wissen, dass das für die Betroffenen und ihre Familien sehr hart ist, aber wir sehen im Interesse des gesamten Unternehmens leider keine andere Möglichkeit", sagte Braun laut Pressemitteilung. Ziegler fügte hinzu: "Angesichts des anhaltenden Anzeigen- und Auflagenrückgangs und der schlechten Geschäftsaussichten für das laufende Jahr mussten wir jetzt handeln."