Nach Schließung von ERT "Typischer Fall unglaublicher Verschwendung"

Die Gebühren zahlten alle Griechen übrigens bis dato zusammen mit der Stromrechnung. Die Höhe dieser Rundfunkabgabe bemaß sich dabei nach dem Energieverbrauch, sie betrug etwa ein Zehntel der Rechnung für Elektrizitätskosten.

Welchen Ruf hatten die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten bei den Griechen?

ERT steht unter im Verdacht der Vetternwirtschaft. "Ein typischer Fall unglaublicher Verschwendung", nannte Regierungssprecher Simos Kedikoglu die Anstalt, die etwa siebenmal mehr Personal beschäftigt als vergleichbare Anstalten. Gleichzeitig haben die öffentlich-rechtlichen Kanäle in Griechenland kaum Zuschauer. Die Hauptnachrichtensendung des ERT-Senders NET erreichte zuletzt nur noch einen Marktanteil von sechs Prozent. Zum Vergleich: Die Tagesschau hatte am vergangenen Dienstag eine Einschaltquote von 16,5 Prozent. Für die Radiosender des ERT sieht es sogar noch bitterer aus - keiner von ihnen erzielte einen Marktanteil, der 1,5 Prozent übertraf.

Wie reagieren griechischen Medien auf die ERT-Schließung?

Die Schließung des ERT hat keinerlei Konsequenzen für die Privatsender des griechischen Fernsehens. Nach dem Aus des ERT ging es auf den Privatkanälen genauso weiter wie immer. Aus Solidarität sendeten sie nach Bekanntmachung der Schließung sechs Stunden lang jedoch auschließlich Wiederholungen. Auswirkungen hat die Schließung der öffentlich-rechtlichen Kanäle dagegen auf die Printmedien des Landens. Der Verband der Griechischen Journalisten kündigte Streiks an, um gegen den Entschluss der Regierung zu protestieren. Am Donnerstag wird es deshalb in Griechenland keine Zeitungen geben. Wie lange die Streiks dauern werden, ist unklar. Dimitris Trimis, Präsident des Verbandes der Athener Zeitungsredakteuere kündigte an, so lange die Arbeit niederzulegen, bis die Regierung ihren Entschluss zurücknimmt.

Hat das Aus eine Signalwirkung für andere Euro-Krisenländer?

Ganz unwahrscheinlich ist das nicht. Bereits kurz nach der Schließung der Sendeanstalt ERT bewertete die spanische Tageszeitung El Mundo den Schritt als eine mutige Entscheidung. Außerdem verglich sie die Verhältnisse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Griechenland mit denen in Spanien. Auch dort produzierten die Sendeanstalten viel zu teuer. Zugleich hätten sie zu wenige Zuschauer und unverhältnismäßig viele Mitarbeiter. Die Entscheidung der griechischen Regierung könnte deshalb als Vorbild für vergleichbare Maßnahmen in anderen Krisenländern dienen.