Nach Insolvenzantrag Investor für Nachrichtenagentur dapd gefunden

Die Hängepartie um das Fortbestehen der insolventen Nachrichtenagentur dapd scheint beendet: Der Ex-Geschäftsführer des Nachrichtensenders N24, Ulrich Ende, hat angekündigt, mit weiteren Investoren einzusteigen. Die Gruppe wolle einen siebenstelligen Betrag als neues Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Von Claudia Tieschky

Die insolvente Nachrichtenagentur dapd hat einen Investor gefunden. Der frühere Geschäftsführer des Senders N24, Ulrich Ende, will zusammen mit weiteren Investoren den Betrieb der Nachrichtenagentur übernehmen. Das teilte der Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma am Freitag mit. Die Gruppe wolle einen "siebenstelligen Betrag" als neues Eigenkapital zur Verfügung stellen, hieß es. Die dapd arbeitet nach einem harten Sanierungskurs mit 98 Kündigungen seit 1. Dezember rentabel. Voraussichtlich seien keine weiteren Kündigungen nötig, erklärte Köhler-Ma. "Die Vereinbarung mit Ulrich Ende bietet gute Chancen für den Erhalt der bestehenden Arbeitsplätze."

Der 60-jährige Ulrich Ende informierte am Freitagnachmittag die Mitarbeiter in der dapd-Zentrale an der Berliner Reinhardtstraße. Dort dürfte die Erleichterung groß sein, auch wenn es sich zunächst um Absichtserklärungen handelt. Im Gespräch mit der SZ sagte Ende, der zuletzt in Bulgarien Firmen sanierte, der Einstieg bei dapd solle noch im Dezember perfekt gemacht werden. Wer mit ihm im Boot ist, dazu wollte Ende zunächst nichts sagen. Das gemeinsame Finanzierungskonstrukt soll in der kommenden Woche perfekt sein. Er glaube an die Agentur, sagte Ende, er sehe dapd als moderne Agentur, die sich in Deutschland auch im Online-Geschäft weiterentwickeln könne.

Ende kommt aus der Branche, er war Chefredakteur beim Nachrichtenkanal n-tv, später wirkte er als Geschäftsführer von N24 im Pro Sieben-Konzern, der damals den dapd-Vorläufer ddp zukaufte. Vor zwei Jahren versuchte Ende dann, seinen früheren Sender N24 zu kaufen - ausgerechnet für die bisherigen dapd-Gesellschafter Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, die N24 in ihr Medienangebot integrieren wollten, und bei denen Ende schließlich ausstieg. Für wen tritt Ende jetzt an? Zuletzt gab es auch Gerüchte, N24 wolle bei dapd einsteigen. Dass der Nachrichtensender oder die Alteigner jetzt im Hintergrund die Fäden ziehen könnten, weist Ende im Gespräch zurück. So wie er es beschreibt, sieht er sich als Shareholder, der will, dass dapd selbständig bleibt.

Dpa-Monopol wäre abgewendet

Wenn das gelingt, wäre ein Monopol der großen dpa als einziger deutscher Vollagentur abgewendet - ein Szenario, das nach der dapd-Insolvenz realistisch schien. Die Gesellschafter der dapd, Löw und Vorderwülbecke, hatten einen aggressiven Expansionskurs gefahren und so die große Konkurrentin dpa angegriffen. Anfang Oktober stellten sie überraschend die Zahlungen ein - was die Insolvenz auslöste - und offenbarten, dass sie zuletzt den Betrieb mit einer Million Euro pro Monat bezuschusst hatten. Der zum Insolvenzgeschäftsführer bestellte Jurist Wolf von der Fecht musste hart kürzen, um die Agentur aus eigener Kraft lebensfähig zu machen. Viele Journalisten, die von den expansionssüchtigen dapd-Alteignern noch angeworben worden waren, stehen auf der Straße.

Zuletzt schien es, als könne der Sanierungsplan trotz aller Bemühungen doch scheitern: Die amerikanische Associated Press AP kündigte im November den Vertrag mit dapd und vereinbarte für Deutschland eine exklusive Zusammenarbeit mit der Konkurrentin dpa. AP liefert bislang einen wichtigen Teil der Auslandsberichterstattung für dapd, der nötig ist, um Verträge zu erfüllen. Gegen die Kündigung hatte sich von der Fecht zunächst im Eilverfahren erfolgreich gewehrt. Am Freitag verkündete dapd dann einen Vergleich in der Sache - demnach endet die Kooperation zum 1. Februar. Wie dapd künftig ihre Auslandsberichterstattung gestaltet, dazu will Investor Ende in der kommenden Woche Vorschläge machen.