Nach der Wahl bei "Günther Jauch" "Das größte Comeback seit Lazarus"

Günther Jauchs Sendung nach der Niedersachsenwahl war auf mindestens einen strauchelnden Politiker angelegt. Von diesen war aber zum Zeitpunkt der Ausstrahlung keine Spur. Stattdessen gab es einen Patt und widerspenstige Gäste.

Eine TV-Kritik von Irene Helmes

Was bleibt nach einer Stunde After-Wahl-Talk bei Günther Jauch? Ursula von der Leyen möchte weiter in Ruhe ihre Bahnen ziehen. Thomas Oppermann erinnern Leihstimmen an Drogen. Jürgen Trittin ist guter Dinge. Und Daniel Bahr vergleicht FDP und Dschungelcamp.

Das ist wenig. Dabei war die Ausgangslage "so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr". Schwarz-Gelb und Rot-Grün liegen noch fast exakt gleichauf in den Hochrechnungen zur Landtagswahl in Niedersachsen, als Günther Jauch nach dem Sonntagskrimi zum Gespräch "Nach der Wahl - was wird aus Steinbrück und Rösler?" bittet. Nur: Die Frage drängt nicht mehr, zumindest nicht für diesen Abend.

Der SPD-Kanzlerkandidat hat den Genossen in Hannover vor Stunden wenig aufgewühlt mit Sigmar Gabriel aus dem Willy-Brandt-Haus zur guten Hochrechnung gratuliert, der unerwartet gestärkte FDP-Vorsitzende soeben in den Tagesthemen ein süffisantes Pokerface präsentiert.

Wird der umstrittene Vorsitzende nun wirklich nicht "geköpft"?

"Das, was Rösler heute hingelegt hat, ist das größte Comeback seit Lazarus", konstatiert Jauch. Trotzdem, besser noch mal bei FDP-Mann Bahr nachhaken: Wird der umstrittene Vorsitzende nun wirklich nicht "geköpft"? Nein. Lieber bringt Bahr einen Spruch, der zuvor im Netz die Runde gemacht hat: Mit der FDP sei es wie mit McDonald's und Dschungelcamp, es gebe mehr Fans als Menschen, die das gerne zugeben. Auf Neues zum FDP-Personaldrama hofft Jauch bei Bahr vergeblich. Der verweist auf "die Gremien", schwärmt stattdessen von einem tollen Vertrauensvorschuss für seine Partei, klugen Wählern, der Stärke des Berliner Regierungsteams und der Schnittmenge mit der CDU.

Das Team, die Zusammenarbeit, dieses Lied stimmt auch Ursula von der Leyen an, die einerseits in der unglücklichen Lage ist, so tun zu müssen, als hätte ihre CDU in Niedersachsen nicht gerade mehrere Prozentpunkte verloren, sich andererseits von Jauch eine "barmherzige Samariterin" nennen lassen darf angesichts der Leihstimmen der CDU-Wähler an die FDP.

Warum also bescheiden sein, "die CDU steht bombastisch da", so von der Leyen, während man bei Steinbrück nicht wisse, wofür er stehe. Schwarz-Gelb sei im September nicht gefährdet, erklärt die Bundesministerin, "wenn wir es schaffen, geschlossen ruhig weiter unsere Bahnen zu ziehen".

Merkels Strategie der "asymmetrischen Demobilisierung"

Mit dieser bemerkenswerten Formulierung kommt von der Leyen dem kleinen Highlight der Sendung zuvor, einem Einspieler zu Merkels Strategie der "asymmetrischen Demobilisierung", oder wie Jauch übersetzt: "Angela Merkel lullt uns alle ein". Kostproben: "Regel Nr. 4: Sorgen Sie auch mal für rhetorische Verwirrung, Regel Nr. 5: Geben Sie Ihrem Gegenüber das Gefühl, dass alles prima ist."

Rhetorisch verwirrend auch die Reaktion von der Leyens auf die kleine Provokation: "So kennen wir unsere Kanzlerin, so mögen wir unsere Kanzlerin." Zeit, darüber nachzudenken, ob das nun Ironie, Ernst oder noch etwas ganz anderes war, lässt sie dem Publikum nicht. Schon ist sie bei Merkel als Fels in der Brandung der großen Krise angelangt.