Moderatoren beim TV-Duell Drei Profis und ein Wildpferd

Ob der sich an die Regeln hält? Erstmals ist Stefan Raab als Moderator beim TV-Duell dabei. Merkel gegen Steinbrück, fünf Themenblöcke, fixe Redezeiten, alles genau geplant. Alles, bis auf Raab. Bei der Vorstellung des Studios warnt er die Duellanten, ihm könnten "die Pferde durchgehen".

Von Michael König, Berlin

Alles sehr empfindlich. Kaffeetassen und Taschen müssten bitte draußen bleiben, sagt ein Mann vom ZDF. "Unsere Deko ist nicht stoß-, schlag- und abriebfest." Die Pressemeute wird in Kleingruppen ins Studio geleitet, bloß nicht zu viele auf einmal. Plötzlich brüllt ein Techniker: "Bitte nicht aufstützen! Weg von der Balustrade!" Die sei nur so fest montiert "wie sie muss".

Türkise Wände, ein blaugrauer Teppich, silbergraue Rednerpulte. Hier, in der sterilen Kulisse im Studio B in Berlin-Adlershof, soll am Sonntag der Bundestagswahlkampf seinen Fernseh-Höhepunkt erleben. Angela Merkel gegen Peer Steinbrück im TV-Duell. CDU gegen SPD. Kanzlerin gegen Kanzlerkandidat, befragt von vier Moderatoren der übertragenden Sender ARD, ZDF, RTL und Pro Sieben. Ein Fernseh-Spiel mit klaren Regeln, mit 60 bis 90 Sekunden Redezeit pro Frage und Person, mit fünf Themenblöcken und je einem Schluss-Statement der Kandidaten.

Alles ist genau festgelegt, vertraglich fixiert, absehbar. Alles, bis auf eine Variable: Stefan Raab. Der Unterhaltungskünstler von Pro Sieben darf erstmals als Moderator teilnehmen. Ein Clown an der Seite der Profis Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL). Ob der sich an die Regeln hält? "Wir denken, er wird sich einreihen", heißt es von ranghoher Stelle der CDU. Am Freitag gibt Raab bei der Presse-Vorführung des Studios eine erste Antwort. Sie lautet: Nein. Und das ist vermutlich auch gut so.

Hat der gerade seinen Kollegen beleidigt?

Raab hat das Mikrofon auf der Pressekonferenz erst wenige Sekunden in der Hand, da bricht es aus ihm heraus. "Die Regeln gefallen mir persönlich sehr gut", hebt er an, "denn sie sorgen hoffentlich dafür, dass das berüchtigte Larifari von Herrn Kloeppel außen vor bleibt." Erschrockene Mienen neben ihm. Hat der gerade seinen Moderatorenkollegen beleidigt?

Bis hierhin war es eine ganz normale Pressekonferenz. Die Reihenfolge bei der Ankunft der Duellanten wurde geklärt: Erst Steinbrück, dann Merkel. Die Gästeliste der Parteien: Die Union bringt ihre Generalsekretäre Hermann Gröhe und Alexander Dobrindt mit, dazu die Minister Peter Altmaier und Wolfgang Schäuble. Außerdem, als prominente Merkel-Unterstützer: Die Techno-DJane Marusha und Rapper Afrob. Die SPD hält mit "Supernanny" Katharina Saalfrank und dem Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel dagegen, außerdem kommen Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Generalsekretärin Andrea Nahles.

Sie alle sollen nach der Sendung den Journalisten erklären, wer das TV-Duell gewonnen hat. Merkel oder Steinbrück. Oder vielleicht: Stefan Raab. Punktsieger in Sachen Frechheit.

Larifari? Kloeppel, TV-Duell-Moderator der ersten Stunde, verzieht das Gesicht zu einem Grinsen. Gemurmel im Saal. Raab, noch immer am Mikrofon: Er will das ganz anders gemeint haben, nichts gegen Kloeppel, aber dennoch, die Pointe sitzt. Raab macht so weiter: "Ich trete schon als Teamplayer auf und versuche sachlich zu arbeiten", sagt er. "Aber ich bin ein emotionaler Typ, deshalb kann es schon sein, dass mir mal die Pferde durchgehen."

"Das ist das Endspiel"

Ein Wildpferd in einer nicht stoßfesten Umgebung. Die Gesichter seiner Kollegen sagen: Das kann ja heiter werden. Sie geben sich dann besondere Mühe, ebenso locker und unverkrampft zu wirken wie ihr Kollege. Das muss der Raab-Effekt sein. Vorneweg Anne Will, die zweite Novizin, die mit Raab ein Moderatoren-Duo bilden wird. "Es wäre echt gemein, wenn das Duell auch so langweilig gestaltet würde wie der gesamte Wahlkampf", sagt sie. "Ob es so kommt, daran haben wir einen Anteil, klar. Aber auch die beiden Duellanten."

Um Kopf und Kragen

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Jeder der Moderatoren will jetzt betonen, dass er auf ein spannendes Duell hofft. Dass es gelte, die Kandidaten "aus der Reserve zu locken", wie Illner es sagt. Bislang habe Merkel es ja sogar vermieden, ihren Gegner beim Namen zu nennen. "Vielleicht erklärt sie uns mal, warum."

Duell mit engen Regeln? Es klingt gar nicht mehr danach. Raab zeigt sein zahniges Lächeln. "Das ist das Endspiel", sagt er. Keiner komme an diesem "Roadblock", an dieser Straßensperre im TV-Programm vorbei, weil alle vier Sender das Duell übertragen. 14 bis 20 Millionen Zuschauer werden erwartet, 800 Journalisten sind akkreditiert. "So erreicht man möglichst viele Leute, auch Desinteressierte." Raab, der Heilsbringer der Demokratie? Er frotzelt: "Wer die Sendung nicht sehen will, muss am Sonntag wohl oder übel Sat1 gucken."