Modemagazin Vogue Arabia

Inspiriert von legendärem Lindbergh-Shooting: Cover der Vogue Arabia.

Die orientalische Schwester der Vogue erscheint zum ersten Mal gedruckt. Sie wirft ein Auge auf den Orient und präsentiert ein anderes Frauenbild.

Von Dunja Ramadan

"Ein Auge auf den Orient" möchten die Macher der neuen Vogue Arabia werfen, so zumindest steht es auf dem arabischsprachigen Titel der am Sonntag erschienenen ersten Printausgabe. Das Cover ziert Supermodel Gigi Hadid, die auch palästinensische Wurzeln hat. Ihre Haare sind unter einem aufwendig besticktem Schleier bedeckt, ihre Augen dunkel geschminkt.

Bereits im Oktober 2016 starteten die Onlineauftritte von Vogue Arabia auf Arabisch und Englisch. Das gedruckte Heft soll nun Leser in Marokko, Tunesien, aber vor allem auch in den reichen Golfländern wie Bahrain, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten modisch inspirieren. Chefredakteurin ist die saudische Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz, die auch in der hiesigen Modeszene bekannt ist. Die 42-Jährige, Mutter von drei Kindern, führt ein Jetset-Leben zwischen westlicher und orientalischer Modebranche.

"Die modische Begegnung von Orient und Okzident verzaubert mich", schreibt Deena Abdulaziz in ihrem ersten Editorial. Mit vierzehn Jahren habe sie die Modewelt für sich entdeckt. "Durch die Mode konnte ich mein eigenes Ich ausdrücken." Die Wand ihres Kinderzimmers sei voll mit Modepostern gewesen, vor allem das Vogue-Shooting "Nächte des Orients" des deutschen Fotografen Peter Lindbergh mit Helena Christensen von 1991 hat es ihr angetan. Die Schwarz-Weiß-Bilder, Inspiration zum jetzigen Cover, entstanden damals in Marokko, die Augen des dänischen Models sind mit tiefschwarzem Kajal umrandet, in ihrer Hand glüht eine Zigarette, sie lehnt an einem orientalischen Wandbehang.

Die Themen der Vogue Arabia? Models tragen unter dem Label "Boutheina" aufwendig verzierte Kaftane, häufig mit Borte um der Taille; die fünfzehn beliebtesten Spas in Dubai kommen vor sowie Geschichte (und Outfit) der Syrerin Hala Kamil, die bei den diesjährigen Oscars über den roten Teppich lief. Für den Dokumentarkurzfilm Meine Heimat (Watani) begleitete der deutsche Regisseur Marcel Mettelsiefen sie und ihre Familie aus Aleppo drei Jahre lang bis zu ihrer Ankunft in Deutschland. Halas Ehemann wurde von der Terrormiliz IS entführt, seitdem ist er verschollen.

Wegen des US-Einreiseverbots war ihre Teilnahme lange unsicher. Als es dann doch klappte, hatte sie kein Outfit. Da sie ein Kopftuch trägt, ist sie für die westliche Abendgarderobe eine modische Herausforderung. Über Twitter suchte ein Bekannter für sie eine Lösung. Daraufhin meldete sich der Stylist von Lady Gaga, Brandon Maxwell, und kleidete Hala Kamil ein. In die meisten Bildergalerien hat es ihr Outfit nicht geschafft - dafür aber in die Vogue Arabia: Kamil trug einen schwarzen langen Rock zu einem samtigen lilafarbenen Oberteil und einem passenden Kopftuch.