Medienpreis für Sprachkultur Marietta Slomka und Stefan Niggemeier ausgezeichnet

ZDF-Moderatorin Slomka und Medienjournalist Niggemeier sind für ihre "hervorragenden Verdienste um die Sprache und Sprechkultur" ausgezeichnet worden. In Wiesbaden hat die Gesellschaft für deutsche Sprache ihnen die Auszeichnung übergeben. Auch eine Nachwuchsjournalistin wurde geehrt.

ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und Medienjournalist Stefan Niggemeier haben den diesjährigen Medienpreis für Sprachkultur erhalten. Beide werden damit für ihre "hervorragenden Verdienste um die Sprache und Sprechkultur" ausgezeichnet, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprachkultur, Armin Burkhardt, zur Begründung bei der Verleihung am Samstag in Wiesbaden. Neben Slomka und Niggemeier wurde auch die freie Journalistin Nadine Ahr ausgezeichnet. Sie erhielt den mit 5.000 Euro dotieren Alexander-Rhomberg-Preis, der zur Förderung von Nachwuchsjournalisten verliehen wird.

Die Preisträger: Medienjournalist Stefan Niggemeier, die Preisträgerin des Alexander-Rhomberg-Preises Nadine Ahr und Moderatorin Marietta Slomka.

(Foto: dapd)

Slomka: "klar und verständlich - für die Interviewten oft zu klar und zu verständlich"

An Slomka lobte die Jury ihren "klaren und unprätentiösen Sprachstil", der gerade auch jungen Zuschauern Lust auf Nachrichten mache.Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der die Laudatio auf Slomka hielt, lobte die Moderatorin für ihre "lebendige, gelenkige und genaue Sprache". In ihren "schnörkellosen Interviews" zeige sie sich "klar und verständlich - für die Interviewten oft zu klar und zu verständlich". Slomka biedere sich nicht an und akzeptiere nicht die komplizierte und vertuschende Sprache der Politiker. Dadurch bereite es besonderes Vergnügen, ihre Interviews zu erleben, sagte Brender. Die 43-jährige Slomka moderiert seit 2001 das Nachrichtenmagazin heute-journal des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Slomka kritisierte in ihrer Dankesrede die "umständliche und krampfhafte Sprache" von Politikern und forderte mehr Klarheit in ihrer Kommunikation. Wer sich nicht klar ausdrücke, habe entweder keine klaren Gedanken und damit das Thema nicht verstanden oder aber versuche Probleme zu verschleiern.

Niggemeier: "schonungslos - aber ohne Schadenfreude"

Mit dem Preis an Niggemeier nahm die Gesellschaft erstmals den Bereich Sprache im Internet in den Blick. Niggemeier gründete das medienkritische Blog Bildblog und arbeitet heute als Autor beim Spiegel.

Seine hohe Sprachsensibilität zeige sich nicht nur gegenüber den Texten und Aussagen anderer, sondern finde sich in seinen eigenen Texten auf "beispielhafte Art und Weise" wieder, lobte Burkhardt. Dank seiner sprachlichen Fähigkeiten und seines Sinnes für Ironie verstehe es Niggemeier, seine Leser hervorragend zu unterhalten. 3sat-Redakteur und Jurymitglied Armin Conrad würdigte Niggemeier in seiner Laudatio als "kritischen Begleiter der Medien", der Pleiten in der Medienmaschinerie zur Kenntnis nehme und schonungslos - aber ohne Schadenfreude - beschreibe. Dabei dränge Niggemeier seinen Leser nie auf, wie gut er informiert sei, was seine Texte besonders erholsam und angenehm zu lesen mache.

Niggemeier zeigte sich in seiner Dankesrede überrascht, dass Conrad ihm "seelsorgerische Milde" bescheinigte. "Das hat mir noch niemand unterstellt", sagte Niggemeier mit einem Augenzwinkern. Bei seiner Kritik an der Medienlandschaft versuche er, möglichst verständlich und ansprechend für seine Leser zu schreiben. "Je wichtiger ein Thema ist, desto unterhaltsamer muss es sein", betonte Niggemeier.

Mit dem Medienpreis für Sprachkultur ehrt die GfdS seit 25 Jahren Menschen, "die in ihren sprachlichen Äußerungen ein großes Gespür für die vielfältigen Möglichkeiten der deutschen Sprache bewiesen haben". 2010 hatten der Entertainer Hape Kerkeling und die Journalistin Bettina Gaus die Auszeichnung erhalten. 2008 waren das Fußball-Moderatoren-Duo Günter Netzer und Gerhard Delling sowie die Journalistin Iris Radisch ausgezeichnet worden.