Medienpreis Bambi Glamour mit nachdenklichem Touch

Sie sollen Außerordentliches geleistet, selbstlos geholfen, perfekt unterhalten - oder einfach nur die Herzen bewegt haben: Prominente und weniger Bekannte haben den Bambi bekommen. Es gab jedoch nicht nur Grund zur Freude, sondern auch mehrere ernste Momente.

Tina K., Schwester des am Alexanderplatz in Berlin zu Tode geprügelten Jonny K., und Rabbiner Daniel Alter standen neben vielen anderen Prominenten im Mittelpunkt der diesjährigen Bambiverleihung.

(Foto: dapd)

Es gab viel Glitzer und Glamour, aber es ging auch um Themen wie Gewalt und Integration: Neben Schauspielern und Musikern standen beim diesjährigen Medienpreis Bambi zwei Gewaltopfer aus Berlin im Mittelpunkt. In der Kategorie "Integration" ausgezeichnet wurde der Rabbiner Daniel Alter, der Ende August überfallen worden war. Auch die Schwester des Berliner Prügelopfers Jonny K. bekam in Düsseldorf ein goldenes Rehkitz. Der 20-Jährige war Opfer einer tödlichen Attacke auf dem Berliner Alexanderplatz geworden.

Nicht weniger bewegte der Auftritt einer 83 Jahre alten Lepra-Ärztin. Die deutsche Nonne Ruth Pfau erhielt die Trophäe in der Kategorie "Stille Helden". Sie gilt als "Mutter Theresa der Lepra-Kranken" in Pakistan. Und tatsächlich wurde es bei den rund tausend festlich gekleideten Gästen im Düsseldorfer Congress Center sehr leise, als Ruth Pfau auf die Bühne trat und sagte, dass sie eigentlich zu einer ganz anderen Welt gehöre.

Altmeister Joachim "Blacky" Fuchsberger wurde für sein Lebenswerk geehrt. In seiner launigen Dankesrede bewarb er sich um ein "Bambi-Abo", wie es dem Ende vergangenen Jahres mit 108 Jahren verstorbenen Entertainer und Schauspieler Johannes Heesters vergönnt war. Heesters hatte in seinen letzten Lebensjahren mehrmals den Preis erhalten. "Wir können darüber reden, ich bin auch bald soweit", sagte der 85-jährige Fuchsberger. Seine Frau Gundel erhielt einen Überraschungs-Bambi.

Auch Hollywood-Star Salma Hayek und Rapper Cro bekamen eine Trophäe. Hayek vergab das schönste Kompliment des Abends: "Vielen, vielen Dank, Ihr seid so wichtig für mich, ich weiß gar nicht, ob Ihr das wusstet", schwärmte die Mexikanerin über das deutsche Publikum.

Weltraumspringer Felix Baumgartner stand schon vor Beginn der in der ARD gezeigten Live-Sendung als Preisträger fest. Ihm wurde ein Bambi in der Kategorie "Millennium" zuerkannt. Draußen vor der Halle hatten Anhänger der britischen Boyband One Direction schon Stunden vor der Show ihren Idolen entgegengefiebert. Die fünf jungen Bandmitglieder wurden in der Sparte "Pop International" mit Deutschlands ältestem Medienpreis ausgezeichnet. Das "Entertainment"-Bambi ging an Sängerin Céline Dion, die den Abend eröffnete.

Alina Levshin, Ulrich Tukur und "Türkisch für Anfänger" ausgezeichnet

Als beste Schauspielerin national wurde Alina Levshin ausgezeichnet. Im Neonazi-Drama "Kriegerin" spielte Levshin, die 1984 in der Ukraine zur Welt kam und in Berlin aufwuchs, ihre erste Kino-Hauptrolle. Bei den männlichen Schauspielern gewann Ulrich Tukur. Er war zuletzt in der Rolle des den legendären Generalfeldmarschalls Erwin Rommel zu sehen. Der "Talent"-Bambi ging an die siebenjährige Mercan-Fatima Türkoglu, die an der Seite von Elmar Wepper im Spielfilm "Dreiviertelmond" zu sehen war. Nachdem sie die 2,5 Kilogramm schwere Trophäe bekommen hatte, bedankte sie sich brav - bei ihrer Mama, ihrer Schule und besonders auch bei einer Lehrerin. In der Kategorie "Film national" konnte sich "Türkisch für Anfänger" beim Publikum durchsetzen.

Für die 64. Bambi-Preisverleihung und die Gäste war ein 240 Meter langer roter Teppich ausgerollt worden. Erst am Nachmittag hatte die Jury getagt, um über die in mehreren Kategorien noch offene Preisvergabe zu entscheiden. Der Bambi ist der älteste und einer der wichtigsten deutschen Medienpreise und wird von Hubert Burda Media vergeben. Im vorigen Jahr hatten sechs Millionen Zuschauer die Gala an den Bildschirmen verfolgt.