Medien in Österreich Schmutziger Kampf um den ORF

Im Funkhaus Wien macht sich ein Klima der Unsicherheit breit.

(Foto: Getty Images)

"Politischer Endkampf für linke Ideen": In Österreich fürchten sich Journalisten vor einem Eingriff des Staates in den Rundfunk. Soll der ORF gefügiger gemacht werden - oder gleich zerschlagen?

Von Peter Münch, Wien

Wer den Kampf um den ORF verstehen will, der in Wien gerade die Gemüter erhitzt, der kommt nicht umhin, sich zunächst in die Niederungen zu begeben, in denen dieser Kampf sehr persönlich und auch schmutzig ausgetragen wird. "Untergriffig" sagt man dazu in Österreich. Die große Zukunftsfrage, was aus dem "Medien-Standort Österreich" werden soll, die wird in dieser Woche auf einer von der Regierung einberufenen "Medienenquete" besprochen. Doch jenseits dieses geordnet anmutenden Verfahrens wuchert überall der Streit, Drohungen werden ausgestoßen und erste Pflöcke eingerammt.

Armin Wolf, 51, der seit 33 Jahren beim ORF arbeitet, ist in den Mittelpunkt dieses Kampfs geraten, weil er einerseits der bekannteste Journalist Österreichs ist und andererseits der Lieblingsfeind der FPÖ. Vorgeprescht war im Frühjahr Parteichef Heinz-Christian Strache, der auf Facebook seinen 750.000 Fans eine Fotomontage präsentierte, auf der Armin Wolf mit einem Pinocchio-Bild in der Hand zu sehen ist. Darunter stand: "Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake News zu Nachrichten werden. Das sind der ORF und das Facebook-Profil von Armin Wolf."

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Norbert Steger, der in den Achtzigerjahren einmal Vizekanzler und FPÖ-Chef war und nun mit 74 Jahren von der FPÖ als Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats durchgesetzt wurde, nannte Wolf "unbotmäßig". Der würde bei seinen Interviews immer "so bös' schauen, nur weil ein Blauer hereinkommt". Als Steger sich über die Berichterstattung des ORF-Korrespondenten zur Ungarn-Wahl ärgerte, drohte er, "von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten". Und ganz grundsätzlich befand er, dass beim ORF in der Sparte Information "ein politischer Endkampf für linke Ideen" tobe.

Spricht man den freundlichen Herrn Steger auf die Zitate an, dann lächelt er, als müsse er einen Witz erklären. Manches sei missverstanden, anderes verkürzt oder verfälscht worden. "Ich bin ja nicht so misstrauisch zu Journalisten", sagt er, "die schreiben im Wesentlichen das, was sie glauben gehört zu haben." Doch mit all dem Wortgeklingel hat er zumindest schon eines erreicht: Ein Klima der Unsicherheit macht sich breit. Die Frage lautet: Soll der ORF nur gefügiger gemacht werden? Oder soll er ganz neu aufgestellt und vielleicht sogar zerschlagen werden?

"Was echt neu ist diesmal, sind die Angriff auf den ORF als Institution", sagt Armin Wolf. Und angegriffen wird die Institution dort, wo sie am verwundbarsten ist: beim Geld. Die Volkspartei von Kanzler Sebastian Kurz hält sich in der Frage der künftigen Finanzierung des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch strikt bedeckt, doch die FPÖ trommelt seit Jahren schon gegen "Zwangsgebühren". Als Alternative wird eine Finanzierung aus dem Staatsbudget diskutiert, doch das ist für Armin Wolf und viele andere ein Horrorszenario. "Das wäre der Versuch, den ORF politisch zu unterwerfen", meint Wolf. "Wenn man ihn aus dem Budget finanziert, macht man aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Staatsfunk."

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Armin Wolf diskutiert am 15. Juni in München mit LMU-Professor Carsten Reinemann, woher die aggressive Stimmung gegenüber Medien in Österreich kommt - und was dagegen hilft.

Die Veranstaltung wird moderiert von Karoline Meta Beisel, Medienredakteurin der Süddeutschen Zeitung.

  • 15. Juni 2018, 13:15 Uhr
  • LMU-Hauptgebäude (Geschwister-Scholl-Platz 1), Raum M018
  • Einlass 12:45 Uhr. Eintritt frei.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von LMU, Süddeutscher Zeitung und jetzt.