MDR-Affäre Verwirrspiel in Leipzig

In der Affäre beim MDR werden immer neue Details aus dem Geschäftsgebahren des inzwischen entlassenen Unterhaltungschef Udo Foht bekannt. Ein neuer Intendant soll aufräumen, doch der bislang einzige Aspirant soll vor allem aus politischen Gründen auf das Kandidatenschild gehoben worden sein.

Von Christiane Kohl

In der Leipziger Media City sind die Wege kurz. Der Gebäudekomplex mit seinen modernst ausgestatteten Studios und den Geschäftsräumen von Filmproduktionsfirmen, Agenturen und Journalistenbüros schmiegt sich dicht an den zentralen Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks, der hier nach der Wende auf dem Areal eines ehemaligen Schlachthofs eingerichtet wurde. Was hinter den großzügigen Glasfassaden so vor sich geht, mutet eher undurchsichtig an: Seit Monaten wird im MDR versucht, ein Geflecht von Skandalen aufzuklären, in das neben dem einstigen Unterhaltungschef des MDR Udo Foht auch zahlreiche Firmen aus der Media City verwickelt sind. Parallel dazu laufen im MDR die Vorbereitungen für die Wahl des neuen Intendanten auf Hochtouren.

Auf "Treu und Glauben" will auch Udo Foht sein kaum mehr überschaubares Geflecht von Geldtransfers begründet haben. Die Leipziger Staatsanwaltschaft bezweifelt das. Sie vermutet Untreue, Betrug, Bestechung und Bestechlichkeit. Ermittelt wird gegen Foht wie auch gegen fünf weitere Beschuldigte, darunter der bekannte Musikmanager Hans R. Beierlein sowie der eine oder andere Firmenchef aus der Media City.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen muss es hinter den Leipziger Glasfassaden zuweilen wie auf dem Schwarzmarkt zugegangen sein. So räumt Foht selbst ein, dass er am 22. Juni dieses Jahres in seinem Arbeitszimmer von einem TV-Produzenten 20 000 Euro in bar erhalten habe. Postwendend habe er das Geld in die Media City getragen, wo der Geschäftsführer der Ariane Film GmbH Christian Schulzki schon länger auf die Begleichung eines Verrechnungsschecks wartete, den er zwei Jahre zuvor an Foht gegeben hatte. Mit dem Bargeld konnte Schulzki allerdings nichts anfangen, weshalb der Geschäftsführer und der Unterhaltungschef andern Tags gemeinsam zur Hausbank von Ariane Film fuhren.

Die Bareinzahlung war der vorläufige Abschluss eines Geldtransfers, dessen Sinn und Zweck bis heute nicht recht erklärlich ist. 2008 hatte sich Foht eigenen Aussagen zufolge von Ariane Film einen Verrechnungsscheck als "Produktionsdarlehen" geben lassen - für eine Sendung mit dem Titel Wir sind überall. Dabei ging es um Ostdeutsche, die es nach der Wende ins Ausland verschlagen hatte - eine Sendereihe, für die zahlreiche Folgen geplant waren. Diese sollten laut Foht von der Berliner TV-Firma Just for fun vorbereitet werden. Schnell habe man Geld für Reisekosten auftreiben müssen. Wie es hieß, gab es eine Gelegenheit, billig an Flüge heranzukommen - und so pumpte der MDR-Unterhaltungschef den Unternehmer Schultzki an. Dieser erinnert sich allerdings, wegen der Liquiditätsschwierigkeiten eines ganz anderen Unternehmens von Foht angegangen worden zu sein - der Joke & Org Medien GmbH, die ihren Sitz ebenfalls in der Media City hat.