Martin-Suter-Verfilmungen im ZDF Direkte Kritik ist seine Sache nicht

Und der andere Film? Suter lächelt. Direkte Kritik ist seine Sache nicht, eben noch hatte er erklärt, bei Verfilmungen seiner Werke nur reinzureden, wenn er gefragt werde. "In manchen Fällen äußere ich eine sehr dezidierte Meinung, ob Dinge gehen oder nicht", fuhr er dann mit leiser Stimme fort. "Wenn ich dann das fertige Produkt sehe, merke ich, dass meine Meinung nicht sehr folgenreich war."

Auch beim Teufel von Mailand? Im Roman tritt Physiotherapeutin Sonia (Regula Grauwiller) eine Stelle in einem wiedereröffneten Grandhotel in den Schweizer Alpen an, nachdem ihr Mann sie hatte umbringen wollen. Das Hotel scheint mit einem Fluch belegt zu sein, die alte Volkssage über den Teufel von Mailand scheint Realität zu werden.

Was im Film von Markus Welter fast als Fantasy-Action vor Alpenkulisse daherkommt, hat im Roman eine zweite Ebene. Die Hauptfigur nimmt LSD und leidet an Synästhesie: Farben, Zahlen, Zeichen verschwimmen in ihrer Wahrnehmung. "Ich habe bisher nur die Rohfassung gesehen", sagt Suter, "da fehlte beides. Dabei war mir das im Roman schon sehr wichtig."

Natürlich sind derartige Visionen schwer in Bilder umzusetzen, im Film fehlen sie einfach. Fernsehunterhaltung hält eben manchmal noch etwas weniger Komplexität aus. Die Ehrfurcht vor dem Autor Suter, sagt der Autor Suter, halte sich bei den Verfassern von Drehbüchern in Grenzen.

Bevor Martin Suter seinen ersten Roman verfasste, textete er für Werbeagenturen, schrieb Kolumnen und Drehbücher. Die Drehbücher zu seinen Romanen schreibt er trotzdem nicht selbst. "Aus einem fertigen Produkt wieder ein Rohprodukt zu machen, hat mich nie interessiert. Das wäre reine Fleißarbeit."

Das Böse notwendig für das Gute

Vielleicht ist Suter mit seinen 64 Jahren aber auch einfach zu schlau, um sich auf diese Aufgabe einzulassen. Dass Regisseure und Drehbuchautoren es bei Literaturverfilmungen schwer haben, gegen die Bilder im Kopf des Lesers anzukommen, weiß natürlich auch er.

Und Suter scheinen die rein organisatorischen Einschränkungen, die das Medium Film mit sich bringt, auch lästig zu sein. "Ich kann beispielsweise schreiben: Als er über die Schulter blickte, brannte die Stadt - ohne, dass mein Lektor einen Anfall bekommt. Bei einem Produzenten wäre das anders."

Über die Feiertage wird Suter in der Schweiz weilen. Und obwohl er dort deutsches Fernsehen empfängt, wird er die Suter-Festspiele nicht einschalten. Das liege an seiner sechsjährigen Tochter. Sie möge keine Filme, in denen böse Menschen vorkommen. "Ich sage immer: Du brauchst die Bösen, damit das Gute siegen kann." Aber das, sagt er, sei ihr zu intellektuell.

Der Teufel von Mailand, ZDF, 21.45 Uhr; Der letzte Weynfeldt, ZDF, 5. Januar, 21.45 Uhr.