Martin Sonneborn im Gespräch "Jeder Dritte hat uns hereingelassen"

sueddeutsche.de: Als vermeintlicher Mitarbeiter von Google-Earth haben Sie sich Zugang zu den Schlafzimmern ahnungsloser Bürger verschafft. Kann man Laien genauso überrumpeln wie Medienprofis?

Sonneborn: Wir haben uns ja auch schon bekannten Politikern wie Frank-Walter Steinmeier oder Thorsten Schäfer-Gümbel gewidmet. Aber man darf nicht vergessen: Auch die kleinen Leute schlagen Ausländer oder wählen die FDP. Insofern ist es gerechtfertigt. Wir zwingen ja niemanden vor die Kamera.

sueddeutsche.de: Aber manche Leute müssen vor sich selber in Schutz genommen werden.

Sonneborn: Es ist immer eine Kamera zu sehen, das sollte als Warnung reichen. Ich habe allerdings festgestellt, dass es in Deutschland mittlerweile als normal gilt, dass, wenn zwei Leute sich unterhalten, ein Dritter mit einer Kamera danebensteht. Und zu "Google Home View": Offenbar hat Google eine Atmosphäre geschaffen, in der so eine Aktion, so ein Film möglich ist.

sueddeutsche.de: Wie lange waren Sie unterwegs, bevor Ihnen der erste Bürger die Tür geöffnet hat?

Sonneborn: Für uns war es ein kleiner Schock, dass uns gleich das erste Ehepaar zum Fotografieren in die Wohnung gebeten hat. Als wir sagten, wir kämen von Google Home View und müssten alles fotografieren, sagte der Mann: "Ich weiß." Jeder Dritte hat uns hereingelassen. Der Film war extrem schnell fertig.

sueddeutsche.de: Sind Sie selber schon mal auf einen ähnlichen Streich hereingefallen?

Sonneborn: Nein, ich bin aber auch kein typisches Opfer für Verstehen Sie Spaß?

sueddeutsche.de: Die Quote der heute-show war auch schon mal besser.

Sonneborn: Ja, auf einem besseren Sendeplatz. Ich finde es bemerkenswert, dass sich das ZDF eine derart anspruchsvolle satirische Sendung leistet ...

sueddeutsche.de: ... und das, ohne dass Sie als Zuschauer dafür bezahlen. Sie sind bekennender GEZ-Gebühren-Verweigerer. Ist diese Haltung nicht ein bisschen spätpubertär?

Sonneborn: Doch, und das ist auch eine gute Charakterisierung all dessen, was wir tun. Der Satiriker Hans Zippert hat mal gesagt, die Titanic ist eine gute Gelegenheit, die Pubertät bis ins hohe Alter aufzuschieben und einfach weiterhin das zu tun, was Spaß macht. Pubertäre Witze zu reißen und den Leuten auf die Füße zu treten.