"Maischberger" zu den Koalitionsverhandlungen Merkel, Groko und mittendrin ein Herr Schulz

Es sollte um die letzte Chance von Merkel und Co. gehen in der Sendung von Sandra Maischberger. Es wurde aber mehr eine Debatte über SPD-Chef Schulz. Und darüber, ob es zur Groko überhaupt noch kommt.

TV-Kritik von Maximilian Heim

Ralf Stegner von der SPD hat jetzt genug. Eben hat ihn Alexander Gauland, Chef der AfD, in der ARD-Sendung Maischberger mit dem vielleicht größten Dilemma der Sozialdemokraten konfrontiert. Dass nämlich viele mögliche SPD-Wähler nicht besonders interessiert seien am Familiennachzug für subsidiär geschützte Flüchtlinge. Dass die SPD ihre Klientel aus dem Blick verloren habe. "Bleiben Sie uns weg mit diesem Quark", ruft Stegner. "Wir brauchen keine Ratschläge von Rechtspopulisten."

Da interveniert Christoph Schwennicke, Chefredakteur der Zeitschrift Cicero. Ob er, Ralf Stegner, nicht mal in stillen Momenten auf die Idee komme, dass es da einen Zusammenhang geben könnte? Stegners Gesichtsausdruck gibt die Antwort. Nein.

Zwischen AfD und CSU knirscht es ordentlich

Es geht mal wieder um die SPD. Nach etlichen Pirouetten ihres Vorsitzenden Martin Schulz soll es jetzt also wieder eine Koalition mit der Union geben. Wenn die Mitglieder es mehrheitlich wollen. Stegner selbst, Parteivize und im linken Flügel verortet, will zustimmen in der anstehenden Basis-Befragung. "Wenn das Ergebnis stimmt." Was soll er auch sonst sagen mitten in der entscheidenden Verhandlungswoche.

Der Kompromiss zum Familiennachzug ist kleinlich

Um den Familiennachzug wurde erbittert gestritten. Es ist ein Erfolg, wenn das jetzt vorbei ist. Das ist aber auch schon das Beste, was man über den Beschluss von Union und SPD sagen kann. Kommentar von Stefan Braun mehr ...

Neben Stegner sitzt Joachim Herrmann, fränkischer CSU-Innenminister aus Bayern, das Lächeln gewohnt fest. Auch er sagt, was in seiner Situation halt gesagt werden muss: Dass es nicht ganz einfach sei. Dass die Gespräche intensiv seien. Auf Stegners jüngsten Vorwurf, die CSU sei "im blindwütigen Wettbewerb mit der AfD", geht Herrmann nicht direkt ein. Klar wird dennoch: Das knirscht hier ordentlich.

Das Duo Herrmann/Stegner ist in diesen Tagen dennoch eher eine ambitionierte Besetzung, wenn der Plan war, mit ihnen einen unterhaltsamen Fernsehabend zu gestalten. Sie sind dazu verdammt, sich gegenseitig nicht zu sehr auf die Füße zu treten. Die Wohl-bald-wieder-Koalitionäre von CSU und SPD aber sind zum Glück nicht die einzigen Gäste dieser Sendung.

"taz"-Journalistin Gaus vergleicht SPD-Mitgliederbefragung mit Brexit

Da wäre zunächst die "taz"-Journalistin Bettina Gaus. Sie warnt vor einer Dramatisierung der Situation. Um dann - nicht ganz undramatisch - die SPD-Mitgliederbefragung in einem Atemzug mit der Wahl von Donald Trump und dem Brexit-Votum zu nennen. Allerdings glaubt Gaus ohnehin, dass die Koalitionsgespräche scheitern, es also gar keine Abstimmung geben wird. Ihre kühne These: Die SPD werde die Verhandlungen an einem prestigeträchtigen Sozial-Thema scheitern lassen.

Zurückhaltender argumentiert ihr journalistischer Konterpart Schwennicke. Er hat es vor allem auf das handelnde Personal abgesehen. Merkel, Schulz und Seehofer seien "verbraucht".