Mainzelmännchen im ZDF 50 Jahre Männchen

Die Mainzelmännchen: 50 Jahre als Werbetrenner im ZDF

Sie kugeln, rüpeln, grölen und krähen sich durch den Vorabend: Die Mainzelmännchen sind der treue "Werbetrenner" des ZDF. Auch wenn ihnen eine Verjüngungskur vor allem Spott eingebracht hat, behaupten sich die Männchen weiter - als große Machos.

Von Joachim Käppner

"Gudn Aaaaabnd!!!!" So grüßen die Mainzelmännchen jeden Abend nun schon seit 50 Jahren, und am heutigen Dienstag darf man zum Geburtstag gratulieren. 50 Jahre! Weil es sich hier um Männer handelt, fühlen sie sich natürlich viel jünger. Sie waren ja auch mal junge Wilde. Statt der deutschen Michel-Mütze stattete sie ihr Schöpfer Wolf Gerlach mit den seinerzeit modischen Kappen aus. Er schickte sie los, um im ebenfalls noch juvenilen ZDF Werbung und Programm auseinanderzuhalten, wie es der Staatsvertrag gebot. Seitdem kugeln und rüpeln, grölen und krähen sie am Vorabend als "Werbetrenner" herum.

Man muss wissen, dass das anarchische Gewusel auf der Mattscheibe in einer Zeit begann, als die Sender ihren Nachrichtensprechern eben mühsam das Wochenschau-Schnarren abgewöhnten. Die Mainzelmännchen brachten Farbe in den staatstragenden Ernst des Fernsehens, als dieses noch schwarz-weiß sendete. Bitte, man soll das jetzt nicht übertreiben: Aber sie waren in ihrem ganzen Gebaren vielleicht subversive Vorboten des gesellschaftlichen Wandels, der dann ja auch bald mit Wucht einsetzte.

Die kleinen Herren sind unzertrennlich geblieben, trotz gelegentlicher Faustkämpfe zur besten Sendezeit. Das gehört unter Kerlen dazu. Es gibt auch keinen Boss, daher sind Glückwünsche in alphabetischer Reihenfolge zu richten an: Anton, den Faulen; Berti, den Tüftler; Conni, den Junggebliebenen; Det, den Denker; Edi, den Schelm; Fritzchen, den Sportsfreund.

Mainzelmädchen hat bald das Weite gesucht

Als die Mainzelmännchen schon über 40 Jahre alt und trotzdem noch lustige Gesellen waren, verordnete ihnen das ZDF ein Lifting. "Zeitgerechter und frecher, frischer und fröhlicher" hätten sie fortan aufzutreten. Wer das Schicksal öffentlich-rechtlicher Sendungen kennt, von denen die TV-Bosse dasselbe sagten, konnte nichts Gutes ahnen.

Manche Männer, die in die Jahre kommen, möchten diesen Umstand ja verdrängen und suchen ihr Glück in bunten Hosen, bunten Autos, bunten Frauen. In sehr vielen Fällen liegt auf diesen Bestrebungen kein Segen, und aus dem Manne, der ein Herr sein könnte, wird ein Männchen. Leider haben Anton und seine Kumpane dieses Schicksal geteilt, und sehr erschwerend kommt hinzu, dass sie ja bereits Männchen waren. Die taz tobte über ihre Manga-hafte Entstellung: "Aus Zwergen wurden Monster." Zumindest ist auch bei wohlwollender Betrachtung festzuhalten, dass die Jungs seither ein bisschen peinlich aussehen.

Schon den genderbewussten Kolleginnen zuliebe darf außerdem eines nicht unerwähnt bleiben: Die Einstellung des Sextetts zu Frauen ist leider auf dem Niveau ihres Geburtsjahres stehengeblieben. Ja, in den feministisch beschwingten Siebzigern wurde ihnen einmal versuchsweise ein Mainzelmädchen beigesellt; es hat aber bald das Weite gesucht. Auch ganz kleine Männer können eben sehr große Machos sein.